Situation im Bahnhofsviertel auch während der EM angespannt
Dieser Anblick erwartet die Fans bei ihrer Ankunft: verwahrloste Drogenabhängige. Im Ausland berichtete die Presse schon vom „Zombieland“, auch die Polizei in manchem Nachbarland warnt die Fans vor dem Frankfurter Bahnhofsviertel. Richtungspfeile auf der Straße sollen sie davon abhalten, in den bedrohlichen Ecken zu landen. Seit Jahrzehnten herrscht dort eine Mischung aus Drogen, Gewalt und Rotlicht. Daran scheint sich zur EM wenig geändert zu haben.
Martin-Benedikt Schäfer (CDU), Stadtverordneter Frankfurt
„Die Straßen werden von Dealern und Straßenkriminalität geprägt. Die Stadt hat sich in den vergangenen Jahren dem Thema nicht entschieden genug angenommen. Die Entwicklung war ja abzusehen und dass das jetzt zur EM so aussieht, wie’s hier aussieht – das ist ja keine Überraschung.“
Bis zu 10.000 Straftaten im Jahr werden im Bahnhofsviertel begangenen. Mittendrin im Problemviertel: der Kiosk von Nazim Alemdar, zugleich Vorsitzender des Gewerbevereins. Gemeinsam mit weiteren Initiativen organisiert er jedes Jahr verschiedene Straßenfeste, um das Viertel aufzuwerten. Aus seiner Sicht hätte sich bereits einiges getan, besonders bei der Drogenhilfe müsste es aber noch viel mehr sein. Dabei nimmt er auch die umliegenden Städte in die Mitverantwortung.
Nazim Alemdar, Vorsitzender Gewerbeverein Bahnhofsviertel
„Da brauchen wir auch Drogeneinrichtungen wie hier, weil: Es ist jetzt wie ein Magnet! Viele Leute, viele Süchtige kommen wie ein Magnet nach Frankfurt. Und das ist auch kontraproduktiv.“
Zumindest bei der Sicherheit hat sich die Stadt vor der EM bemüht gezeigt: Neue Überwachungskameras wurden installiert; die Zahl der Polizisten, die durch die eingerichtete Waffenverbotszone patrouillieren, erhöht. Nach der EM soll sich noch mehr tun, beteuerte der Oberbürgermeister zum Turnierstart.
Mike Josef (SPD), Oberbürgermeister Stadt Frankfurt
„Das ist eine große Herausforderung. Meine Aufgabe, unsere Aufgabe ist es aber, die Situation im Bahnhofsviertel – die nicht so bleiben kann, wie sie war – zu verbessern. Und die Richtung stimmt auch, da bin ich auch den vielen Initiativen vor Ort dankbar, dass die konstruktiv daran mitwirken.“
Künftig sollen 2 Millionen Euro zusätzlich in die Drogenhilfe fließen. Ab kommenden Jahr will die Stadt das Viertel für 400.000 Euro verschönern. Mal abwarten, ob die auch während der EM nicht leiser werdende Kritik am Bahnhofsviertel dazu beiträgt, dass sich Besucher hier an Frankfurts Eingangsportal irgendwann sicher und willkommen fühlen.









