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Sportverbände gegen Hass im Netz

Mai 13, 2024

Nicht nur die Hackerangriffe im Netz steigen, sondern auch die Zahl der Hasskomentare. Gerade Sportler, die im Rampenlicht stehen, sind immer öfter Hate Speech ausgesetzt. Wegen der anstehenden Fußball-Europameisterschaft in einem Monat und den Olympischen Spielen im Hochsommer, haben sich jetzt drei große Organisationen des deutschen Sports am DFB-Campus in Frankfurt zusammengetan. Sie setzen ein Zeichen gegen „Hass im Netz“.
Egal ob Textnachrichten, versendete Bilder oder Postings in sozialen Netzwerken – „Hasskriminalität im Internet“ hat viele Gesichter. Und um ihnen entgegenzuwirken, haben sie sich nun zusammengetan: Der Deutsche Fußballbund, der Deutsche Olympische Sportbund und die Deutsche Fußball Liga. Sie alle sind vereint in ihrer klaren Botschaft: Wir verurteilen jegliche Form von Hate Speech und setzen uns für die strafrechtliche Verfolgung jeder einzelnen Tat ein.

Thomas Weikert, Präsident Deutscher Olympischer Sportbund:
„Wir stellen uns vor die Athletinnen und Athleten. Der Missbrauch muss verfolgt werden und wir wollen ganz klar ein Zeichen setzen, dass das nicht geht in unserer demokratischen Gesellschaft, dass auf diese Weise Sportler und Sportlerinnen beleidigt, bedrängt und verfolgt werden. Also ganz klar, der Schutz steht im Vordergrund.“

In enger Zusammenarbeit mit der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main wollen DFB, DOSB und DFL künftig noch gezielter gegen Hate Speech im Internet vorgehen. Damit das möglich wird, fordern die Verbände für Sportler, die Deutschland als Sportnation vertreten, eine Erleichterung wie sie für Politker bereits gilt. Bedeutet konkret: Durch eine entsprechende Änderung der Strafprozessordnung könnte die Strafverfolgung von Hate Speech ohne schriftlichen Antrag des betroffenen Sportlers unbürokratischer vonstattengehen.

Dr. Benjamin Krause, Oberstaatsanwalt Frankfurt
„Ein sinnvoller Vorschlag, weil es uns die Strafverfolgung sehr erleichtern würde. Derzeit ist es so, dass Beleidigungen, vor allem auch rassischtische Beleidigungen immer nur dann verfolgt werden können, wenn der oder die Betroffene einen ausdrücklichen schriftlichen Strafantrag stellt für jeden einzelnen Fall der Äußerung. Und das führt dazu, dass viele Betroffene dann eben sagen: Diesen Aufwand möchte ich nicht gehen.“

Das habe in der Vergangenheit oft dazu geführt, dass die Generalstaatsanwaltschaft viele Fälle von Beleidigungen nicht haben verfolgen können, da die Voraussetzung – der schriftliche Strafantrags des Betroffenen – nicht erfüllt wurde. Auch der heute für den EM-Kader berufene Abwehrspieler Jonathan Tah ist schon Opfer von rassistischen Anfeindungen im Internet geworden und spricht sich deshalb für mehr Aufklärung zum Thema Hate Speech aus.

Jonathan Tah, Nationalspieler
„Auch ich habe solche Dinge erlebt nach Spielen oder auch einfach so. Ob es rassistisch ist oder andere Gründe hat. Aber es war immer sehr, sehr diskriminierend und hat sich nicht gut angefühlt. Deswegen bin ich dafürf, dass wir mehr darüber sprechen, dass wir uns mehr für Toleranz aussprechen. Ich glaube, am wichtigsten ist, dass sich keiner alleine fühlt und dass die Stimme der Positivität immer größer ist als alles andere.“

Aber nicht nur Sportler der Nationalmannschaft, aus dem Olympia-Kader und dem Nachwuchsbereich sollen besser vor Angriffen im Netz geschützt werden. Auch Schiedsrichter würden immer wieder Opfer von Hasskommentaren im Internet und erhielten in manchen Fällen auch Morddrohungen.

Ronny Zimmermann, 1. Vizepräsident Deutscher Fußball-Bund
„Und wenn jemand dann zuhause um das Leben von sich und seinen Kindern oder seiner Frau fürchtet muss – ich glaube, das muss ich nicht näher beschreiben, das hat mit Sport überhaupt nichts mehr zu tun. Das hat auch mit menschlichem Miteinander nichts mehr zu tun. Das muss aus unserem System, aus unserer Gesellschaft einfach raus.“

DFB, DFL und DOSB wollen im Laufe der Zeit noch weitere Sportverbände für ihre Kampagne gewinnen, um so auch den Druck auf die in der Verantwortung stehenden Plattform-Betreiber zu erhöhen.