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Tagesmütter klagen über prekäre Finanzlage

Feb. 21, 2024

„Wir haben eine große Verantwortung und erreichen kaum Mindestlohn-Niveau“ – dieser Hilferuf der Tagesmütter in Frankfurt ist nicht neu. Immer mehr hängen ihren Job an den Nagel. Die Stadt Frankfurt hatte Besserung versprochen – eigentlich schon zum Jahresstart. Doch bis heute ist nichts passiert. Viele Tagesmütter haben endgültig die Nase voll.

„… krabbelt wieder runter. Kitzelt dich am Ohr. Kitzelt dich am Ohr. Da ist das Häschen, ne, das schläft, da sind die Augen zu. “

Laila Fraccica in ihrem Element. Hier im Fuchsbau Atzelberg, einer Frankfurter Kindertagespflegeeinrichtung, betreut sie aktuell fünf Kinder im Alter bis zu drei Jahren. Sie arbeitet gerne freiberuflich als Tagesmutter. Auch wenn das nicht leicht ist, bei wachsenden Ausgaben etwa für Miete, Verpflegung, Ausflüge und Sachmittel – und einem Stundenlohn von rund sieben Euro netto. Der Frust ist groß.

Laila Fraccica, Tagesmutter aus Frankfurt
„Weil einfach die Bezahlung nicht stimmt. Man fühlt sich nicht gesehen, nicht gehört. Es wird immer vertröstet, aufs nächste Jahr geschoben. Und immer kann jemand etwas nicht dafür und es wird dran gearbeitet. Aber dieses Arbeiten dauert einfach zu lange. Also, es passiert einfach nix. Es wird nur gesagt, aber es passiert nichts.“

Rücklagen bilden, sich absichern – unter diesen Bedingungen kaum möglich. Die Sachkostenpauschale der Stadt wurde seit 2008 nicht mehr erhöht, zudem reduziert sich der Förderbetrag ab dem vierten betreuten Kind. Diese sogenannte Degression gehört schleunigst abgeschafft, fordert auch Tagesmutter Lisanne Bezler.

Lisanne Bezler, Tagesmutter aus Frankfurt
„Das macht schon einen erheblichen Unterschied am Monatsende. Das ist halt einfach unfair, es ist nicht sozial und es ist schon gar nicht gerecht, ja. Den Tagesfamilien, die jeden Tag die Betreuung für, ja, über tausend Kinder in Frankfurt übernehmen.“

Viele Frankfurter Tagesfamilien haben bereits aufgegeben – fast 200 allein in den vergangenen sieben Jahren. Immer wieder äußern Betroffene ihren Protest, so wie diese Woche hier vor der Paulskirche. Sie fordern von der Stadt endlich die versprochene Finanzspritze. Die werde auch kommen, beteuert Bildungsdezernentin Sylvia Weber.

Sylvia Weber (SPD), Bildungsdezernentin Frankfurt
„Wir werden Degression abschaffen. Es wird eine Erhöhung des Sachaufwandes geben. Es wird eine extra Bezahlung geben für Vor- und Nachbereitungszeit, für mittelbare pädagogische Arbeit. Das heißt, das sind alles strukturelle Änderungen, die per Satzung geändert werden müssen. Und die alte Satzung muss außer Kraft gesetzt werden. Insofern war diese Vorarbeit notwendig. “

Eigentlich sollte die neue Satzung zum 1. Januar in Kraft treten, doch es kommt anders – das Rechtsamt äußert juristische Bedenken. Nun soll die Satzung überarbeitet werden. So heißt es weiter warten. Tagesmüttern wie Laila Fraccica fehlt dafür jegliches Verständnis.

Laila Fraccica, Tagesmutter aus Frankfurt
„Warum Versprechungen gemacht werden, die nicht eingehalten werden. Wir laufen einfach ins Leere und… Also, wir sind quasi die Angeschmierten in der Situation. “

Eine Situation, die sich so schnell wohl nicht ändern wird. Unklar bleibt, wann die neue Satzung in Kraft treten könnte – und somit auch, wie lange die verbleibenden 345 Tageseltern noch durchhalten werden.