Sechstägiger Lokführerstreik beginnt
Am Frankfurter Hauptbahnhof bietet sich den Fahrgästen heute wieder mal das inzwischen gewohnte Bild: Die Züge fallen reihenweise aus. Wieder bilden sich lange Schlangen vor den Infoschaltern, wieder wartet man stundenlang auf seinen Anschluss. Der bereits vierte Streik binnen drei Monaten. Die Zugreisenden sind zunehmend genervt.
Cornelia Schröter
„Wir sind gerade, wie Sie sehen, von einer Reise zurück und wussten nicht so richtig, was uns erwartet in Sachen Streik und fahren nun mit der Kirche ums Dorf.“
Rainer Hofstätter
„Wo ich kein Verständnis habe, das letzte Angebot wurde sofort abgelehnt, ohne dass man sich mal hinsetzt und überhaupt darüber spricht.“
Am Verhandlungstisch miteinander gesprochen haben die Lokführergewerkschaft GDL und die Deutsche Bahn schon seit Ende November nicht mehr. Der Austausch beider Seiten ist spätestens mit dem aktuellen Streik zum bloßen Schlagabtausch verkommen.
Anja Bröker, Konzernsprecherin Deutsche Bahn
„Wir hatten bis zuletzt versucht, ihn zu verhindern. Doch die GDL verweigert sich und eskaliert die Lage.“
Claus Weselsky, Bundesvorsitzender GDL
„Wer behauptet, dass Tarifabschlüsse für Zehntausende Eisenbahner hier am Ende des Tages ein PR-Gag sind, der hat sie nicht mehr alle. Ganz klar! Herr Seiler muss sich langsam die Frage stellen, ob er als Verhandlungsführer überhaupt geeignet ist.“
Die Bahn hatte zuletzt angeboten, dass Lokführer bei vollem Lohn eine Stunde weniger pro Woche arbeiten können. Die GDL fordert drei Stunden weniger pro Woche ohne finanzielle Einbußen, schrittweise in den kommenden vier Jahren.
Neben den Personenzügen ruht bereits seit gestern Abend auch der Güterverkehr, mit großen Folgen für Industrie und Wirtschaft. Laut Experten verursache der Streik bundesweit einen Schaden von 100 Millionen Euro am Tag. Die Kritik der hessischen Unternehmerverbände ist groß.
Franz-Josef Rose, Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände
„Die Industrie ist abhängig von der Bahn. Es werden Produkte angeliefert, es werden Produkte weggefahren und das alles findet nicht statt. Und innerhalb von sechs Tagen von der Bahn auf die Straße zu verlagern, das ist fast nicht möglich.“
Manche Wirtschaftsvertreter fordern bereits von der Politik, Streiks dieser Größenordnung einen rechtlichen Riegel vorzuschieben, wenn die Gesellschaft derart in Mitleidenschaft gezogen wird. Die Lokführergewerkschaft hat derweil für die kommenden Tage Kundgebungen in mehreren deutschen Städten angekündigt. Der Bahnstreik soll wie geplant bis Montagabend weitergehen.









