Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Kommunen leiden unter Fachkräftemangel

Jan. 22, 2024

Wenn die Synergieeffekte immer weiter ausgebaut werden, braucht es weniger Fachkräfte. Der Weg dahin ist aber noch ein weiter. Und bis dahin werden wir Bürger den Fachkräftemangel in der öffentlichen Verwaltung an allen Ecken und Enden spüren, wie unser Beispiel aus Wiesbaden zeigt.

Marcus Bittner, Leiter Personalamt Wiesbaden:
„Für die Landeshauptstadt Wiesbaden gibt es keinen Fachkräftemangel mehr, sondern für die Stadt Wiesbaden mit ihren 6.800 Beschäftigten gibt es einen Arbeitskräftemangel mittlerweile. Wir können in nahezu allen Berufen erkennen, dass wir nicht genügend Personal bekommen und selbst bei den Auszubildenden ist es schwierig, ordentliche Leute zu bekommen.“

Leona Michel betreut die aktuellen Azubis. Die Stadt braucht jedes Jahr rund 750 neue Mitarbeiter, um die Lücken zu stopfen, die der demografische Wandel und die Abwanderung zur Privatwirtschaft in die Personaldecke reißen.

Leona Michel, Ausbildungsleiterin Verwaltungsberufe
„In den gewerblich-technischen Berufen ist das leider schon immer schwierig, geeignete Nachwuchskräfte zu finden, und in den letzten Jahren ist das auch im Kernbereich, in der Kernverwaltung zu sehen. In den Verwaltungsbereichen finden sich auch immer schwieriger geeignete Nachwuchskräfte.“

So auch bei der Arbeitssicherheit. Hardy Borkeloh sorgt seit 32 Jahren dafür, dass in den städtischen Betrieben niemand zu Schaden kommt. Doch sein Team hat inzwischen ein Durchschnittsalter von über 60 Jahren und das leere Nachbarbüro wartet bereits seit über einem Jahr auf einen neuen Kollegen.

Hardy Borkeloh, Fachkraft für Arbeitssicherheit
„Wir sind lange am Suchen. Das ist die vierte Ausschreibung für die Stelle. Die letzte Ausschreibung war total ergebnislos, das war sehr frustrierend und es belastet uns sehr.“

Die unbesetzten Stellen der Stadt haben sich in den letzten sechs Jahren verdoppelt und das Personalamt rechnet damit, dass sie sich in den nächsten sechs Jahren noch einmal verdoppeln könnten. Sollten diese düsteren Prognosen eintreffen, droht der Kollaps.

Marcus Bittner, Leiter Personalamt Wiesbaden
„Die Handlungsfähigkeit des Staates ist letztlich damit gefährdet oder alles das, was wir von einer Kommune erwarten. Dass ich meine Kinder in eine staatliche Kita bringen kann, dass der Müll abgeholt wird, dass die Entsorgung von Wasser erfolgt – das alles steht auf dem Spiel, wenn wir nicht genügen Leute bekommen.“

Die Stadt hat zuletzt eine großangelegte Werbekampagne gestartet, um neues Personal zu finden, doch noch sind etliche Positionen auf dem städtischen Jobportal offen. Ob sich das zeitnah ändert, ist fraglich, schließlich fehlen bundesweit laut einer Erhebung des Deutschen Beamtenbundes mehr als eine halbe Million Beschäftigte im öffentlichen Dienst – Tendenz steigend.