Deeskalationstrainig für Finanzbeamte
„Bam, hier rein, ein Kniestoß, egal welches Bein und dann wieder den Rückzug antreten.“
Zwei Tage lang werden Stefan Fredrich und 14 seiner Kollegen hier an der Hochschule der Polizei auf Notsituationen vorbereitet. Seit fast 20 Jahren bietet das rheinland-pfälzische Finanzministerium dieses Seminar an. Fredrich arbeitet bereits seit 1986 im Außendienst und hat schon viel erlebt. An den Seminaren nimmt er trotzdem noch regelmäßig teil. Für ihn besonders wichtig: Prävention und angemessene Reaktion.
Stefan Fredrich, Finanzamt Mainz
„Wo könnte Gefahr lauern? Was liegt in der Küche? Ist da ein Messer oder eine Schere? Deswegen ist die Verhandlung besser im Wohnzimmer zu führen als in der Küche, weil in der Küche zu viele Waffen liegen. Und hier aus der ganzen Sache: Die ganzen Zweikampfsituationen, die sind Gold wert für den Alltag. Distanz – wie steht man, wie bewegt man sich, wie spricht man? Nonverbale Kommunikation ist da auch ein Thema. Abschätzende Blicke, Körperhaltung, das sind so die Punkte, die wir heute mitnehmen.“
Die Kursteilnehmer üben nicht nur, wie sie sich aus kniffligen Situationen befreien können, sondern auch den handfesten Nahkampf. Die Beamten müssten jetzt Hemmungen abbauen, um im Ernstfall nicht zu zögern, sagt der Ausbildungsleiter.
Michael Schneider, Hochschule der Polizei Rheinland-Pfalz
„Man muss ein solches Ereignis mal selbst erlebt haben – und am besten ist, das natürlich in einer Trainingsumgebung erleben zu können – um nachher in einer Realsituation, wenn ich einmal angegriffen werde, auch mich richtig verhalten zu können. Wenn ich das vorher nicht einmal trainiert habe, werde ich mit dieser Lage völlig überfordert sein und werde mich auch nicht zur Wehr setzen können und werde quasi überwältigt werden.“
Eine Situation, die Stefan Fredrich zum Glück noch nicht erleben musste. Nach fast 30 Jahren im Außendienst spürt er aber deutlich eine zunehmende Verrohung im Umgang mit den Beamten.
Stefan Fredrich, Finanzamt Mainz
„Das ist tatsächlich so. Der respektvolle Umgang miteinander ist weg. Also ich erwarte nicht, dass, wenn einer vom Finanzamt kommt, da der Bückling gemacht wird, aber der Respekt, ja. Das beginnt beim ‚Hallo, kommen Sie doch rein‘ und endet bei einem Nicht-auf-Wiedersehen-Sagen.“
Ein Eindruck, den auch Finanzministerin Doris Ahnen bestätigten kann, die heute das Seminar besucht. Sie befürchtet ein Nachwuchsproblem für die Finanzämter, wenn sich die Situation nicht verbessert.
Doris Ahnen (SPD), Finanzministerin Rheinland-Pfalz
„Ich glaube schon, dass es Situationen gibt, in denen einfach weniger Respekt da ist, dass man dafür wieder sehr viel stärker werben muss. Ich war vor kurzem bei den Studierenden der Finanzverwaltung in der Hochschule in Edenkoben und die haben auch berichtet, dass selbst während ihrer Ausbildungszeit sie auch schon mit verbal schwierigen Situationen konfrontiert waren.“
So lange das so ist, werden diese Seminare weiterlaufen. Und auch Stefan Fredrich wird wohl wiederkommen, denn er und seine Kollegen wissen nie, was sie hinter der nächsten Tür erwartet.









