Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Wie geht es dem von Rheinland-Pfalz unterstützten Friedensprojekt in Israel?

Okt. 27, 2023

Derzeit ist die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin in Japan. Doch immer wieder stehen solche Auslandsreisen an – vor einigen Jahren zum Beispiel nach Israel, in die Region, die sich nach den Angriffen der palästinensischen Terrormiliz Hamas im Ausnahmezustand befindet. Seit Jahren unterstützt Rheinland-Pfalz in Israel das Friedensprojekt Givat Haviva, das sich für die Völkerverständigung einsetzt.
Ein Krieg, der fassungslos macht.
Knapp drei Wochen ist es her, dass die radikal-islamische Hamas Israel angegriffen hat. Mehr als 1.400 Menschen werden dabei getötet – teilweise mit unvorstellbarer Gewalt. Zudem nimmt die Hamas Geiseln.
Israel reagiert zunächst mit Luftangriffen und bereitet aktuell eine Bodenoffensive im Gazastreifen vor. Die Lage in Nahost ist eskaliert. Ein Frieden scheint aktuell unerreichbar.
Und das, obwohl sich Organisationen wie Givat Haviva seit Jahren genau dafür stark machen.
Bilder aus vergangenen Zeiten: Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer besucht auf ihrer Delegationskreise 2017 Israel. Sie führt unter anderem Gespräche mit Jugendlichen, die im Jüdisch-Arabischen Zentrum regelmäßig zusammenkommen. Es geht hier stets um die Vermittlung von Toleranz, über Landes- und Religionsgrenzen hinweg.

Ahlam Zahalka, israelische Schülerin (am 25.10.2017)
„Ich habe viel gelernt von diesem Austausch. Meine deutschen Freunde haben mir viel vom Leben beigebracht. Wie man andere Menschen kennenlernt, andere Meinungen, andere Leben.“

Und auch in Mainz waren jüdische und muslimische Schüler aus Israel zu Besuch. Organisiert wurde die Reise von der Begegnungsstätte Givat Haviva.
Rheinland-Pfalz ist nun seit 30 Jahren einer der wichtigsten Unterstützer dieser Versöhnungsarbeit – auch finanziell.
Angesichts der aktuellen Situation müssen alle Mitwirkenden nun hoffen, dass die Friedensarbeit nicht vergebens war und dass sie diesen Krieg überleben wird.
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Markus Appelmann, Moderaotr: Darüber möchten wir sprechen. Und dafür schalten wir nach Israel zu Mohammad Darawshe, dem Direktor für Planung, Gleichstellung und gemeinsames Leben des Friedensprojekts Givat Haviva. Er gilt als einer der führenden Experten für jüdisch-arabische Beziehungen in Israel – und mit ihm spreche ich jetzt in Iksal, in der Nähe von Nazareth – Guten Tag.
Mohammad Darawshe, Direktor Givat Haviva: Guten Tag.
Appelmann: Wir erleben gerade diese schreckliche Situation in Israel. Was kann Ihre Organisation denn aktuell tun, um Hilfe zu leisten, um die Menschen vor Ort zu unterstützen?
Darawshe: Unsere Aufgabe ist es jetzt vor allem, uns auf den Tag danach vorzubereiten. Was wir dafür tun, ist, auf der einen Seite mit dem Lehrpersonal der Schulen, mit denen wir zusammenarbeiten – und das sind viele Schulen übrigens – Teams zu bilden, um mit ihnen zu beraten, was getan werden kann – auch, um den Dialog später wieder zu starten. Andererseits sprechen wir auch mit den Bürgermeistern im ganzen Land, insbesondere dort, wo jüdische und arabische Bevölkerung tatsächlich direkt nebeneinander leben, damit sie die Konflikte, die entstehen, auch moderieren können. Givat Haviva selbst ist gerade auch ein Zufluchtsort für rund 260 Geflüchtete aus dem Gebiet rund um den Gazastreifen herum. Ihnen bieten wir ein Obdach, Mahlzeiten und psychosoziale Betreuung, so dass sie sich – wenigstens momentan – sicher fühlen können und wissen, wo ihr Zuhause ist.
Appelmann: Ist der jetzige Konflikt nicht ein schwerer Rückschlag für die Friedensarbeit, die Sie seit Jahrzehnten leisten?
Darawshe: Es ist in der Tat ein schwerer Rückschlag für unsere Arbeit, das ist ganz klar. Der israelisch-palästinensische Konflikt wirkt sich grundsätzlich immer auch auf das Verhältnis zwischen Juden und Arabern in Israel aus. Auf beiden Seiten sorgt das für sehr starke Gefühle, vor allem natürlich auch der Abneigung und des Widerstands. Unsere Aufgabe wird es vor allen Dingen sein, hier darauf hinzuwirken, dass wir, wenn wir den Dialog wieder aufnehmen, eben dort eingreifen können, diesen Widerstand zu überwinden, wieder miteinander zu sprechen. Und vor allen Dingen den Blick wegzulenken von den Narrativen und den Fragen, wer an welchem Konflikt ursprünglich Schuld ist, hin zu der Frage: Welche Interessen haben wir, um eine gemeinsame lebenswerte Zukunft innerhalb des Landes zu schaffen?“
Appelmann: Seit 30 Jahren besteht eine enge Partnerschaft mit Rheinland-Pfalz. Wie kann Ihnen das jetzt in dieser schweren Zeit helfen? Welche Unterstützung brauchen Sie von Rheinland-Pfalz?
Darawshe: Also zuerst danken wir für diese lange Partnerschaft und diese lange Solidarität, die wir erleben durften – und wir haben nach wie vor Hoffnung auf Frieden. Es gibt im Prinzip zwei Dinge, die jetzt für uns wichtig sind: Die vordringlichste Aufgabe ist jetzt tatsächlich das Retten von Leben, beziehungsweise dafür zu sorgen, dass die Menschen, die kein Zuhause mehr haben tatsächlich betreut und versorgt werden können. Hier ist dringend Hilfe notwendig – auch finanzielle. Wir sind in diese Situation gekommen, ohne uns vorbereiten zu können. Doch auch die Solidarität, die wir durch Rheinland-Pfalz erfahren, stärkt uns den Rücken. Auch in Deutschland gibt es Erfahrungen mit solchen Konflikten. Wir sind auch sehr froh, wenn man uns auch mit Beratung unterstützt, damit wir uns eben auch selbst darauf vorbereiten können.
Appelmann: Hilfe wird also weiterhin dringend gebraucht. Aus Israel – Mohammad Darawshe – Vielen Dank für das Interview.