Medienkompetenz: Chef der Staatskanzlei Axel Wintermeyer zu Gast im Studio
„Vergewaltigungsfälle durch Zuwanderer um 90% gestiegen“
„Polizist erblindet durch Böllerwurf bei G20-Demo“
„1000 Migranten randalieren auf einem Fest in Schorndorf“
Diese drei Meldungen haben eines gemeinsam: Sie sind nachweislich falsch. Dennoch wurden sie in den sozialen Netzwerken verbreitet und zigfach angeklickt. Falsche und irreführende Informationen, mit dem Ziel Menschen zu manipulieren und Meinungen zu beeinflussen: In Zeiten von Social Media und digitaler Vernetzung können Fake News riesige Reichweite erzielen. Nicht zuletzt im hessischen Landtagswahlkampf.
Holger Bellino (CDU), Abgeordneter Hessen, am 20.09.2023
„Russland, aber auch andere Staaten wie beispielsweise China versuchen immer wieder Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung in unserem Land zu nehmen.“
Um richtige von falschen Informationen zu unterscheiden, braucht es Medienkompetenz. Um diese im Land zu stärken, bündelt die hessische Staatskanzlei die bestehenden Angebote seit kurzem in einem „Strategieforum Medienkompetenz.“ Dazu gehören zum Beispiel Bildungsangebote der Medienanstalt Hessen. Sie setzen bei den Allerjüngsten an, mit Projekten wie Webklicker und Internet-ABC.
Murad Erdemir, Direktor Medienanstalt Hessen, am 17.07.2023
„Das wird immer wichtig sein, dass wir die jüngeren Bürgerinnen und Bürger fit machen. Aber dass wir darüber hinaus eben deutlich machen, dass Medienkompetenz eine Schlüsselqualifikation letztlich für die Teilhabe und die Chancengleichheit in der digitalen Gesellschaft ist. Und dann trifft Medienkompetenz einschließlich Medienbildung als breiter gedachter Begriff alle Altersgruppen. Und da wollen wir auch hin.“
Auch für Senioren gibt es Angebote wie zum Beispiel die Digital-Lotsen, die älteren Menschen Kniffe am Computer oder am Smartphone beibringen. Das Land Hessen hat die Investitionen zur Förderung der Medienkompetenz zuletzt aufgestockt – von acht auf zehn Millionen Euro pro Jahr. Informations- und Meinungsmanipulationen aufzudecken und zu erkennen ist wichtig, nicht nur bei Wahlen. Denn die wichtigste Waffe im Kampf gegen Fake News und Co. ist und bleibt die Wahrheit.
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Eva Dieterle, Moderatorin: Viele Angebote, die jetzt an einer Stelle zusammenlaufen, darüber spreche ich jetzt mit dem Chef der Hessischen Staatskanzlei, mit Axel Wintermeyer. Guten Abend, schön, dass Sie hier sind.
Axel Wintermeyer (CDU), Chef der Hessischen Staatskanzlei: Guten Abend, Frau Dieterle.
Dieterle: Herr Wintermeyer, die Angebote wurden gebündelt, das Gesamtbudget wurde angehoben. Das heißt, das Thema ist Ihnen sehr wichtig. Warum liegt Ihnen das so am Herzen?
Wintermeyer: Also ich glaube, das Thema Medienkompetenz wird immer wichtiger in der Zukunft werden, weil einfach, ich sage sehr bewusst, Menschen heute direkt mit Informationen konfrontiert werden und keine Qualitätsjournalisten auch wie hier in ihrem Medienhaus entsprechend die Sachen filtern, einordnen können. Sie müssen es teilweise selbst machen und deswegen muss man zwischen Wahrheit und Fake News unterscheiden und man muss im Endeffekt auch genau mit den Medien umgehen können und kritische Bürger sein. Deswegen haben wir dieses Strategieforum Medienkompetenz gegründet. Wir bündeln dort die bisherigen schon guten Maßnahmen der hessischen Landesregierung. Wir bauen sie aus, gemeinsam übrigens auch mit Medien, mit Funkhäusern, mit Rundfunk, aber auch mit Zeitungen, der Landesanstalt für privaten Rundfunk, also unserer neuen Medienanstalt, und auch mit der Landeszentrale für politische Bildung. Also es sind alle Player dabei, die wir haben, die versuchen, möglichst breit über alle Generationen hinweg Medienkompetenz zu stärken.
Und diese Angebote haben wir auch sehr, sehr stark mit Finanzmitteln unterfüttert. Jetzt im Doppelhaushalt sind es etwa 18 Millionen €, die wir dafür zur Verfügung stellen, um Menschen fit für die Digitalisierung und zwar nicht wie sie einen Computer bedienen, sondern für die Messages, die dort und teilweise auch Fake News kommen, zu machen.
Dieterle: Gerade jetzt vor der Wahl in Hessen fürchten ja nicht nur Politiker, dass jemand von außen Einfluss auf die Wahl und auf den Wahlausgang nimmt. Gibt es denn da konkrete Anzeichen in Hessen oder ist das mehr so eine theoretische Gefahr, die eigentlich immer da ist?
Wintermeyer: Nein, wir haben es eben gerade, Frau Dieterle, im Beitrag ja schon gehört aus dem Hessischen Landtag. Es gibt sogar Staaten, die ganz von außen versuchen, Einfluss zu nehmen. Wir haben im Übrigen in der Pandemie die Situation gehabt, dass mit entsprechenden Chatbots das Ganze bearbeitet worden ist und auch Stimmung gemacht wurde. Und auch gerade im Ukrainekrieg oder seit dem Ukrainekrieg merken wir sehr stark, dass dort über das Internet Falschinformationen gestreut werden.
Ich sage das mal ganz einfach und zum Mitschreiben im weitesten Sinne: Putin hat ein Interesse Europa zu destabilisieren und er schickt derzeit – er öffnet die Grenzen in Weißrussland für viele, viele Flüchtlinge, die dort jetzt momentan kommen. Das ist ein riesiges Problem. Gleichzeitig lässt er aber über seine digitalen Chatbots Stimmung gegen Flüchtlinge in Europa, nicht nur in Deutschland machen, um nationalistische Parteien zu stärken, um Europa einfach mehr oder weniger auseinanderzunehmen.
Da müssen wir was gegen tun. Und das wichtigste, was man dagegen tun kann ist, dass man die Menschen so hinbekommt und auch so interessiert, dass sie wirklich kritisch mit diesen Informationen umgehen und nicht, wie wir im Beitrag gesehen haben, Falschmeldungen einfach rauskloppen und die ganze Welt damit überschwemmen.
Dieterle: Und Sie sagen, das fängt auch schon bei den Kleinsten an. Medienkompetenz bei Kindern, bei Jugendlichen ist ihnen auch sehr wichtig. Jetzt könnte man ja meinen, das ist die Generation, die mit Medien groß geworden ist. Oft hat man den Eindruck, die kennen sich sehr viel besser aus als wir Erwachsenen in diesem Gebiet.
Wintermeyer: Ja, aber es ist so, die Medienkompetenz ist bei jungen Menschen stärker als bei älteren. Definitiv. Aber es ist ja nicht die Frage des Umgangs mit dem Computer oder mit dem Smartphone, sondern es geht ja darum: Was mache ich damit, was kriege ich an Informationen raus? Und wir haben dort ein neues Schulfach, das ist einzigartig in der Bundesrepublik Deutschland, in Hessen, das nennt sich “Digitale Welt”, wo junge Menschen auch an kritische Fragestellungen gewöhnt werden. Wie gehe ich mit den Informationen um, die ich bekomme? Auf der anderen Seite – wir haben es eben gerade im Beitrag gesehen – wir haben Digi-Lotsen, das sind entsprechend, ich glaube 300 Stück jetzt derzeit in Hessen ausgebildet an 50 Standorten, die insbesondere älteren Mitmenschen natürlich auch kritischen Umgang im Internet beibringen, aber gleichzeitig sozusagen als Kollateraleffekt auch noch zeigen, wie Sie zum Beispiel bei Ihrem Arzt die App laden können, um sich einen Termin zu organisieren.
Also wir versuchen da wirklich auf breiter Ebene alle Generationen anzusprechen. Ich halte das für essenziell, weil dort geht es um mündige Menschen, die wir alle sein wollen. Wenn wir unsere freiheitlich demokratische Grundordnung sichern wollen, müssen wir das können und dürfen nicht einfach irgendwelchen Menschen die Fake News schicken im weitesten Sinne oder Maschinen, die Fake News schicken, auf den Leim gehen.
Dieterle: Medienkompetenz – Ihr Thema, ein sehr wichtiges Thema. Herr Wintermeyer, vielen Dank, dass Sie dazu heute bei uns waren.
Wintermeyer: Gerne, Frau Dieterle.









