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Schulleiter beklagen Überlastung

Sep. 26, 2023

„Lehrer müsste man sein“ – hörte man früher immer wieder: Früh Feierabend machen, außerdem die meisten Urlaubstage haben. Doch dieses Bild hat sich gewandelt. Seit längerem machen Lehrer ihrem Ärger lautstark Luft und demonstrieren zu Tausenden gegen Überlastung und den Lehrermangel. Besonders betroffen scheinen Schulleiter zu sein. Die Bildungsgewerkschaft GEW schlägt in Rheinland-Pfalz nun Alarm.
Einerseits Schüler unterrichten, oftmals als Klassenlehrer, andererseits den gesamten Schulalltag organisieren, sich um die Verwaltung kümmern und das teils ohne Sekretärin. Für Schuldirektoren eine Doppelbelastung mit erhöhtem Burnout-Risiko. Sabine Müller leitet eine Grundschule in Koblenz und stand schon zweimal kurz davor, alles hinzuschmeißen.

Sabine Müller, Schulleiterin Grundschule Am Löwentor
„Man nimmt viel Arbeit mit nach Hause, man kommt nicht hinterher. Man arbeitet abends, man arbeitet am Wochenende. In der Schule zerreißt man sich zwischen Schulleitungsbüro und Klassenraum.“

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft belegt die hohe Belastung nun mit einer Studie. Von knapp 800 befragten Schulleitern klagt ein Großteil, neben der Verwaltung kaum Zeit für eine gründliche Unterrichtsvorbereitung zu finden. Dreiviertel von ihnen könne selten oder nie Pausenzeiten einhalten, rund die Hälfte sei körperlich erschöpft und komme selbst im Krankheitsfall in die Schule. Die Gewerkschaft fordert vom Land, solche Belastungsstudien selbst regelmäßig durchzuführen und die Schulleiter zu entlasten.

Klaus-Peter Hammer, Vorsitzender GEW Rheinland-Pfalz
„Belastungsfaktoren reduzieren, z.B. keine Klassenleitung mehr übernehmen müssen. Mehr Freistellungsstunden bekommen für Schulleitungstätigkeiten. Und ganz dringend auch mehr Unterstützung bei Verwaltungsaufgaben.“

Soll heißen: Mehr Personal und bessere Ausstattung für die Schulen sowie eine höhere Bezahlung für Schulleiter. Bei den jüngsten Demos haben die Lehrer bundesweit ein Sondervermögen von 100 Milliarden für die Bildung gefordert. Die GEW Rheinland-Pfalz mahnt zudem, sogenannte Brennpunktschulen mehr in den Fokus zu nehmen.

Klaus-Peter Hammer, Vorsitzender GEW Rheinland-Pfalz
„Das sind Kinder, die mit mangelnden Sprachkenntnissen in die Schule gehen, die keine Kita besucht haben und auch andere Schwierigkeiten haben. Auch aus familiären Verhältnissen stammen, wo wenig Geld vorhanden ist. Die Probleme kommen ganz stark an den Grundschulen an. Es sind Kinder, die lernwillig sind, aber die besonders begleitet werden müssen.“

Das rheinland-pfälzische Bildungsministerium verweist angesichts der Gewerkschaftsforderungen auf knapp 2.000 neue Lehrer im aktuellen Schuljahr, schiebt die Verantwortung aber auch teils weiter.

Ministerium für Bildung RLP
„Bei der Entlastung von Verwaltungstätigkeiten sind insbesondere auch die Schulträger gefordert, weil diese die Sekretariatskräfte in eigener Zuständigkeit beschäftigen.“

Die Diskussion dürfte also noch weitergehen.
Für Schulleiterin Sabine Müller wäre es schon eine Entlastung, wenn ihre Sekretärin sie nicht nur in Teilzeit unterstützen könnte.