Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Freie Wähler wollen erstmals in hessischen Landtag einziehen

Sep. 4, 2023

Die Freien Wähler haben in den letzten Tagen für viele Schlagzeilen gesorgt. Genauer gesagt: EIN Freier Wähler – und zwar der stellvertretende bayerische Ministerpräsident Hubert Aiwanger. Ihm wird vor allem von politischen Gegnern vorgeworfen, als Schüler ein antisemitisches Flugblatt verfasst zu haben. Dafür gibt es zum jetzigen Zeitpunkt jedoch keinen Beweis. Für die Freien Wähler kommt das ganze jedoch zur Unzeit, denn sie stehen am Beginn der Landtagswahlkämpfe – in Bayern wie auch in Hessen. Dort – in Hessen – will die Partei im Oktober erstmals über die Fünf-Prozent-Hürde in den Landtag springen. Bei einer Wahlkampfveranstaltung am Wochenende in Mittelhessen gab es dazu prominente Unterstützung – ausgerechnet aus Bayern!
Hubert Aiwanger – er kommt tatsächlich. Sein Besuch war bis zuletzt unklar, wegen der Diskussionen um die Flugblattaffäre. Die überschattet auch seinen Besuch in Hessen. Doch zu den Vorwürfen kein Wort von Aiwanger, stattdessen Angriffsmodus, die Landtagswahlen Blick.

Hubert Aiwanger (Freie Wähler), Bundesvorsitzender
„Ich will auch in Bayern ab Herbst keine Grünen in der Landesregierung. Und ich hoffe, dass in Hessen (Applaus), ich hoffe, dass in Hessen die Freien Wähler so stark sind, dass sie auch dort so viele Menschen überzeugen, dass sie wieder aus der Mitte heraus Politik gestalten können. Wir brauchen dann dringend nach dem Landtagseinzug der FW in Hessen im Jahr 2025 auch die FW im Deutschen Bundestag.“

Sie hörten aufmerksam zu: Engin Eroglu, Chef der hessischen Freien Wähler und Vize Laura Schulz. Umfragen sehen ihre Partei in Hessen derzeit bei um die 4 Prozent, der Sprung ins Parlament scheint möglich.
2009 gegründet, gelten die Freien Wähler Hessen als parteilicher Arm des älteren Landesverbandes FWG, der sich aus mehreren parteiunabhängigen Wählergruppen zusammensetzt. Eine bewusste Abgrenzung von klassischen Parteistrukturen.

Engin Eroglu (Freie Wähler), Landesvorsitzender Hessen
„Wir sind ja die etwas andere Partei. Wir sind der wählbare Unterschied und wir werden eine neue Kultur in den Hessischen Landtag bringen, eine neue Stimmung – ob in der Regierung, was unser Ziel ist, oder, wenn es nicht reicht, in der Opposition Hessen verbessern und die Probleme der Menschen lösen.“

Ansetzen will der Spitzenkandidat insbesondere bei Bildung, bezahlbaren Mieten und der Förderung von regionalen Lebensmitteln.
Wertkonservativ und bürgerlich-liberal – so bezeichnen sich die Freien Wähler selbst und sehen ihre Stärken vor allem im ländlichen Raum. Im Werra-Meißner-Kreis stellen sie die Landrätin.
Ein Posten, den auch Joachim Streit einst in Rheinland-Pfalz innehatte, bis der Einzug in den Landtag gelang.

Joachim Streit (Freie Wähler), Fraktionsvorsitzender Landtag Rheinland-Pfalz
„Nun, ich muss Engin Eroglu keine Tipps geben, er ist ja Europaparlamentarier, von daher parlamentserfahren. Bei uns war das anders, wir waren ja alles Newcomer, wir mussten uns vollkommen neu einrichten, die parlamentarischen Gepflogenheiten kennenlernen, Engin kann das schon. Von daher toi toi toi nach Hessen.“

Von den rheinland-pfälzischen Parteifreunden also gedrückte Daumen und von den Bayern ordentlich Aufmerksamkeit, auf die man nicht verzichten wollte.

Joachim Streit (Freie Wähler), Fraktionsvorsitzender Landtag Rheinland-Pfalz
„Warum sollte man seinen Bundesvorsitzenden verstecken, wenn jetzt die See mal etwas rauer wird? Hubert Aiwanger hat sich erklärt, dass er nicht der Verteiler, Urheber des Flugblatts war, von daher ist für mich das Ganze erledigt.“
Engin Eroglu (Freie Wähler), Landesvorsitzender Hessen
„Und man muss sagen, im persönlichen Gespräch hat Hubert Aiwanger uns glaubwürdig versichert, dass er‘s nicht war, da gibt es kein Grund für mich, daran nicht zu glauben, zumal ja jetzt auch der Autor des Flugblatts bekannt ist.“

Wem die hessischen Wähler Glauben schenken, wird am 8. Oktober bekannt sein. Für die Kandidaten nicht mehr viel Zeit, um Vertrauen zu gewinnen und vielleicht auch mal über Inhalte zu sprechen.