Gastronomen warnen vor höherer Mehrwertsteuer
Michael Emde leitet das Hagenbräu in Worms seit 13 Jahren. Jetzt macht er sich Sorgen um die Zukunft des Gasthauses. Durch die anstehende Erhöhung der Mehrwertsteuer am Ende des Jahres befürchtet er gravierende Verluste, denn die müsste er direkt an den Gast weitergeben.
Michael Emde, Hagenbräu Worms
„Für uns würde das bedeuten wenn man jetzt beim einfachen Schnitzel Wiener Art mit Pommes ohne Salat, würde die Preiserhöhung 1,50 € betragen. Das heißt, ich bin dann schon bei 15€. Oder beim Rumpsteak würde ich schon an die 30 € kommen. Und wir befürchten halt von der Gastronomie, dass die Gäste uns das irgendwann nicht mehr bezahlen wollen, sondern nicht bezahlen können.“
Die hohe Inflation und die gestiegenen Betriebskosten sorgen dafür, dass die Umsätze immer noch nicht auf das Vor-Corona-Niveau zurückgekehrt sind. Insbesondere die Preise für Lebensmittel sind gestiegen. So sind zum Beispiel Kartoffeln 80 Prozent teurer als vor einem Jahr. Diese Preissprünge kann man im Hagenbräu nicht einfach ausgleichen. Michael Emde war gezwungen, die Preise für einzelene Gerichte anzuheben. Die Mehrwertsteuererhöhung käme jetzt noch dazu.
Michael Emde, Hagenbräu Worms
„Es sind ja nicht nur die ständigen Preiserhöhungen. Es sind ja auch die Jobs, die fehlen – also die nicht besetzt werden können. Das führt bei vielen Gastronomen dazu – wie bei uns auch – , dass man zusätzliche Tage als Ruhetage einführen muss mitten in der Saison, wo man eigentlich das Geld für den Winter verdient. Und das tut richtig weh.“
Denn zusätzliche Ruhetage bedeuten weniger Einnahmen.
In der Politik sind die Probleme der Gastronomie bekannt. Einige Landesregierungen haben sich bereits für die dauerhafte Senkung der Mehrwertsteuer ausgesprochen. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer äußert sich zu dem Thema zurückhaltend.
Staatskanzlei Rheinland-Pfalz
„Es gilt, nach Ende der Pandemie den Einsatz von Hilfsmaßnahmen vor dem Hintergrund neuer Herausforderungen neu zu prüfen und zu bewerten.“
Bundeskanzler Olaf Scholz versprach noch im Wahlkampf 2021, sich für eine dauerhafte Senkung einzusetzen. Doch auch er rudert jetzt zurück.
Der Präsident des Hotel- und Gastronomieverbandes Gereon Haumann sieht die Politik in der Pflicht.
Gereon Haumann, Präsident DEHOGA Rheinland-Pfalz
„Wir appellieren an das Erinnerungsvermögen von Olaf Scholz, dass er dringend sich hier erinnert. Das ist sein Wahlversprechen gewesen, dass diese Reduzierung dauerhaft bleibt. Und an die Landesregierung appelliert: Wir kennen den Einfluss von unserer Ministerpräsidentin auch auf Bundesebene und daher die herzliche Bitte an die Ministerpräsidentin, ihre Betriebe im Gastgewerbe in Rheinland-Pfalz nicht im Regen stehen zu lassen.“
Auch Michael Emde ist sich sicher. Wenn sich nichts ändert, sieht es für die Gastronomie düster aus.
Michael Emde, Hagenbräu Worms
„Es spricht ja jeder darüber. Die Frage ist nur, ob richtig zugehört wird von Seiten der Politik. Weil das sind die einzigen, die es wirklich ändern können. Wenn sie die Vielfalt in der Gastronomie erhalten wollen, dann muss etwas getan werden. Ansonsten wird es ein Betriebssterben ohne Weiteres geben.“
Emde hofft jetzt, dass das Hagenbräu im restlichen Sommer ein gutes Geschäft macht. Doch er fürchtet: Bei einer Erhöhung der Mehrwertsteuer könnte es für viele Betriebe der letzte Sommer sein.









