Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Darmstädter Tafel hat Probleme

Aug. 15, 2023

Das ehrenamtliche Engagement in Deutschland ist groß. Keine Frage. Wenn Politik sich aber aus immer mehr Handlungsfeldern zurückzieht, dann kann das ehrenamtliche Kräfte überfordern. Beispiele bei der Integration von Flüchtlingen hatten wir schon oft in der Sendung. Heute melden sich die Tafeln zu Wort. „Wir sind am Limit“, sagen die Ehrenamtler dort. Die Nachfrage bei den Tafeln ist so groß wie seit Langem nicht mehr.
Neuaufnahme bei der Tafel Darmstadt. Einmal pro Woche können sich Bedürftige hier für die Lebensmittelausgabe registrieren. Seit Monaten stehen fast 40 Personen in der Schlange, um einen der begehrten Plätze zu bekommen. Denn das wird immer schwieriger. So verbreitet sich immer mehr Frust unter den Menschen.
Alessa
„Weil ich jetzt schon seit der dritten Woche hier bin, um mich anzumelden, wieder neu. Und einfach gar nichts vorwärts geht, was das betrifft. Und letzte Woche wurde mir gesagt, ich soll um halb zehn da sein und bis jetzt warte ich schon seit Stunden.“
Wolfgang hat Glück gehabt. Der Langzeitarbeitslose kauft schon seit zweieinhalb Jahren Lebensmittel bei der Tafel ein. Zwei Euro bezahlt er für einen Wochenvorrat. Doch seit letztem September darf er nicht mehr wöchentlich sondern nur alle zwei Wochen vorbei kommen. Die Tafel Darmstadt hat ihr Ausgabesystem umgestellt. Jetzt werden zwar täglich 80 Menschen versorgt. Die bekommen aber weniger Lebensmittel.
Wolfgang
„Das wirkt sich finanziell erheblich aus, weil ich halt jede Menge mehr zukaufen muss als vorher. Mit der wöchentlichen Ausgabe war das eine wunderbare Sache. So konnte ich mir noch irgendwas leisten nebenbei, was sich halt ein normaler Mensch leisten kann.“
Doch die Tafel sieht sich zu dem Schritt gezwungen, denn seit der Corona-Pandemie kommen immer mehr Kunden.
Gert Hauschild, 2. Vorsitzender Tafel Darmstadt
„Vor fünf, sechs Jahren war es so. Wir hatten nur zwei Mal Ausgabe in der Woche. Haben dann gesagt, wir machen noch einen Tag mehr. Wir hatten noch keinen Unterstand zum Sortieren, wir hatten noch keinen Aufzug und sind dann praktisch von zwei auf drei auf vier mittlerweile auf fünf Tage übergegangen. Montag bis Samstag ist Ausgabe und es tut uns natürlich weh, wenn wir Leute wegschicken müssen. Aber wir können nur das geben, was wir eben von den Märkten bekommen.“
Und das ist der zweite Grund warum das Vorratslager im Keller so gut wie leer ist. Die Tafel bekommt von den Supermärkten immer weniger Lebensmittel, denn diese kalkulieren die Menge der eingekauften Waren heute sorgfältiger als früher. Ein weiteres Problem: die Konkurrenz zwischen den Lebensmittelrettern.
Foodsharing Darmstadt berichtet, dass nicht mehr genug Waren für alle Organisationen in den Supermärkten abgeholt werden können. Dazu kommen immer mehr Trittbrettfahrer.
Thomas Hahn, 2. Vorsitzender Foodsharing Darmstadt
„Die Tafel hat das gleiche Problem wie wir. Sie fahren einen Supermarkt an, wollen die Lebensmittel abholen und kriegen gesagt: ‚Die Tafel war doch vor einer halben Stunde schon da‘, und das gleiche haben wir auch. Wir gehen zu einem Bäcker hin und der sagt: ‚Ja Foodsharing hat schon abgeholt.‘ Es gibt Leute, die sich auch als Foodsharer oder Tafelmitarbeiter ausgeben, weil sie kriegen ja Lebensmittel, ist ja schön.“
Und so bekommen, die die es am nötigsten haben, immer seltener und weniger Lebensmittel. Wenn überhaupt. Denn einen freien Platz bei der Tafel Darmstadt zu ergattern ist gerade fast unmöglich.