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Postkarte kommt nach 87 Jahren zurück

Juli 25, 2023

Dass die Post manchmal etwas länger braucht, daran hat man sich ja schon gewöhnt. Aber dass bei Familie Reimers aus Offenbach eine Ansichtskarte aus dem Jahr 1936 im Briefkasten landet ist mehr als ungewöhnlich. Für Jutta Reimers-Gruhn und ihre Mutter beginnt mit der mysteriösen Karte eine Reise in die Vergangenheit.
 
Absender: Villa Reimers, Offenbach. Empfänger: Herr und Frau Bodenbender, Moline, Illinois. Poststempel: 05.10.1936. An diesem Datum tritt diese Karte ihre Reise von Offenbach nach Amerika an und wirft jetzt, fast 90 Jahre später, viele Fragen auf. Wer hat sie verschickt? Ist sie jemals in den USA angekommen? Und wie ist sie jetzt, nach all der Zeit, wieder bei Jutta Reimers-Gruhn gelandet?

Jutta Reimers-Gruhn
„Uns hat natürlich seht umgetrieben, wer hat uns die Karte eingeworfen? Wir wollten uns gerne bedanken. Es ist ja unüblich, dass so eine Karte einfach ohne Umschlag oder Grüße im Briefkasten liegt. Im ersten Moment haben wir damals gedacht: ‚Ja gut, unsere Post ist nicht immer die schnellste, vielleicht ist sie in irgendeinem Sack liegengeblieben‘.“

Die Sütterlin-Schrift auf der Karte ließ sich mit Hilfe eines Übersetzers entziffern und so können Jutta Reimers und ihre Mutter zumindest das Rätsel um die Absenderin lüften. Luise Bichmann war die Hausdame von Reimers-Gruhns Urgroßvater und schrieb die Karte an ihre Eltern, die Verwandtschaft in Übersee besuchen wollten.

„Wir haben uns über Ihren Gruß aus fernem Land sehr gefreut […] Sie sind ein treues Elternpaar, dass sich so den doch sehr großen Strapazen aussetzt seiner Kinder diese große Freude zu machen.“

Die Haushälterin war damals nach dem Tod der Urgroßmutter ein enger Teil der Familie und eine wichtige Person in der alten Stadtvilla, die Familie Reimers auch heute noch bewohnt.
Wie die Karte wieder in Deutschland gelandet ist, dass kann Christoph Nufer beantworten. Er sammelt selbst alte Karten aus Offenbach, hat sogar eine in seiner Sammlung, die die Reimers-Villa zeigt.

Christoph Nufer, Postkartensammler
„Es gibt Händler im Internet, Privathändler, die Nachlässe aufkaufen, die Karten nach Bundesländern, nach Städten sortieren und wieder weiterverkaufen.“

Dass eine Karte nach so vielen Jahren allerdings wieder in dem Haus landet, in dem sie verschickt wurde, das hat auch Nufer noch nicht erlebt.

Christoph Nufer, Postkartensammler
„Das ist natürlich  äußerst ungewöhnlich, eigentlich fast unglaublich, dass so etwas passiert. Das gibt es bestimmt nicht besonders häufig, denn es gehört ja auch dazu, dass die Familie ja eben über einen extrem langen Zeitraum an der gleichen Adresse wohnen bleibt.“

Jutta Reimers-Gruhn
„Die hat schon ihren Ehrenplatz, die ist auch normalerweise in einem Rahmen und steht auf dem alten Arbeitszimmerschrank meines Urgroßvaters und die wird schon weiter übertragen werden auf die nächste Generation.“

Wer die geschichtsträchtige Karte im Internet ersteigert und in Offenbach eingeworfen hat, wird wohl ein Mysterium bleiben. Für die Reimers ist aber eines sicher: Ab jetzt ist sie Teil der Familiengeschichte.