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Erneut Streik von Lkw-Fahrern in Gräfenhausen

Juli 19, 2023

Es scheint eine Never-Ending-Story zu sein. Im April haben mehr als 60 LKW-Fahrer für mehrere Wochen an der Raststätte Gräfenhausen an der A5 gestreikt. Ein Protest gegen ihren Arbeitgeber, eine polnische Spedition: ausbleibende Löhne und schlechte, teils widerrechtliche Arbeitsbedingungen. Am Ende kam es zu einer Einigung, doch offenbar nur zu einer kurzfristigen. Seit gestern Abend wird auf der Raststätte wieder gestreikt.
Sie fordern das, was ihnen zusteht. Seit Mai warten diese LKW-Fahrer auf ihren Lohn. Doch ihr Arbeitgeber, eine polnische Spedition, stellt sich quer. Zehn Fahrer aus Georgien haben sich deshalb hier versammelt. Bereit so lange zu bleiben wie nötig. Erneut.
Aleksandre Chachanidze, streikender LKW-Fahrer
„Wir haben entschieden, uns wieder zu versammeln, weil sie ignorieren unser Problem einfach und wir wollen darauf aufmerksam machen, denn alleine können wir das Problem nicht lösen.“
Unterstützung bekommen die Fahrer von Edwin Atema vom Europäischen Gewerkschaftsbund der Transportarbeiter. Er telefoniert mit der Spedition, vermittelt. Aufmerksamkeit von außen – in seinen Augen dringend nötig.
Edwin Atema, Verhandlungsführer
„Das sind alle große, starke Männer, aber die haben Angst vor ihrem Arbeitgeber. Es ist 2023 und wir haben Fahrer, die haben Angst vor dem eigenen Arbeitgeber.“
Es sind nicht nur die ausbleibenden Löhne und Nichteinhaltung von Arbeitsschutzgesetzen – auch Bedrohungen sind an der Tagesordnung. Einen Vorgeschmack gab es beim letzten Streik im April, der fast sechs Wochen gedauert hat. Das polnische Speditionsunternehmen war mit gepanzerten Fahrzeugen und einer privaten Sicherheitsfirma angerückt, um die Lastwagen vom Streikort zu holen. Die Polizei konnte eine gewaltsame Auseinandersetzung verhindern. Die Staatsanwaltschaft Darmstadt ermittelt.
Aleksandre Chachanidze, streikender LKW-Fahrer
„Aus dem letzten Streik haben sie gelernt, dass sie uns nicht mit Gewalt kommen können, das werden sie verlieren.“
Diesmal sind die LKW der Streikenden beladen, um den Druck zu erhöhen. Eine Reaktion des Arbeitgebers kam deutlich schneller als letztes Mal.
Edwin Atema, Europäische Transportarbeiter-Föderation
„Die meisten Fahrer haben auch Geld überwiesen bekommen, 3, 4, 5, 6000 Euro, aber bei einigen Fahrern fehlt es noch und das sind auch größere Beträge. Das ist der Stand der Dinge, aber positiver als letztes Mal.“
Und tatsächlich: Im Laufe des Nachmittags haben alle zehn Fahrer ihr Geld bekommen. Währenddessen haben sich fünf weitere Streikende angeschlossen. Auch sie wolle die Spedition bis morgen auszahlen.