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Spezial-Ermittler für verdächtige Post

Juli 5, 2023

Seit dem Tod einer 13-Jährigen wächst die Sorge um die Ecstasy-Pille „Blue Punisher“. Sie gilt wegen ihrer hohen Konzentration als besonders gefährlich. Allerdings ist es oftmals leicht an solche Drogen zu gelangen – die synthetischen Pillen kommen einfach per Post nach Hause. Die Polizei ermittelt deshalb mit Hochdruck bei verdächtigen Briefen und Paketen: Können diese nicht zugestellt werden, weil etwa die Adresse nicht lesbar ist, darf die Post sie öffnen – und im Verdachtsfall der Polizei übergeben. Und die landet dann beim Zentrum der Postfahnder im hessischen Marburg.
Exklusiver Blick ins Labor der PEP – der Polizeilichen Ermittlungen Postversand. Hier landet alles, was dem Marburger Briefermittlungszentrum der Post verdächtig vorkommt. Bis zu 160 Briefe pro Tag, rund 12.000 im Jahr. Deutlich mehr, als man meinen könnte.
Manfred Scholz, Leiter Polizeiliche Ermittlungen Postversand
„Jedes inkriminierte Gut, das übers Internet, Darknet oder Messengerdienste verschickt wird, wird irgendwann ein Artikel im Postversand. Also wenn ich was im Darknet bestelle, der sagt ja nicht zu mir: ‚Ja, okay, dann hol’s dir mal in Buxtehude in der und der Straße ab.’“
Über 20 Spezialermittler der Polizei sind hier jeden Tag im Einsatz und müssen dabei allerhand analysieren: Kiloweise Drogen, Falschgeld, Waffen, Munition – und das aus dem gesamten Bundesgebiet. Dafür wird ihnen extra eine Task-Force der Staatsanwaltschaft zur Seite gestellt.
Roman Poseck (CDU), Justizminister Hessen
„Wir wollen keine rechtsfreien Räume, wir wollen hier auch so intensiv es geht untersuchen. Wir haben auch die Staatsanwaltschaft entsprechend verschärft, die Staatsanwaltschaft ist auch direkt vor Ort mit fünf Kräften unmittelbar neben der Polizei tätig. So haben wir kurze Wege, keine Reibungsverluste und schnelle Ermittlungen.“
Und das durchaus mit Erfolg: In den vergangenen anderthalb Jahren konnten über 9.000 Ermittlungsverfahren eingeleitet werden. Bei den genauen Analysetechniken will sich die Marburger Sondereinheit aber nicht in die Karten gucken lassen, nur so viel:
Manfred Scholz, Leiter Polizeiliche Ermittlungen Postversand
„Ein Brief bietet dem Ermittler viel, viel mehr Ermittlungsmöglichkeiten, als man das von außen glauben könnte. Also im ganz großen Maße können wir die Empfänger so gut wie immer ermitteln und auch die Versender.“
Einen Kritikpunkt hat die hessische Landespolitik allerdings: Die Deutsche Post betreibt in Nordrhein-Westfalen und Thüringen zwei weitere Paketermittlungszentren, die ihre Funde der örtlichen Polizei übergeben. Würden diese verdächtigen Pakete zentral in Marburg landen, könnte womöglich ein größerer Schlag gegen das organisierte Verbrechen gelingen.