Rauchwolke aus Kanada über Rheinland-Pfalz und Hessen
Markus Appelmann, Moderator: Und dazu spreche ich jetzt mit Dominik Jung, er ist Diplom-Meteorologe vom Wetterdienst Q-Met aus Wiesbaden. Guten Abend, Herr Jung!
Dominik Jung, Diplom-Meteorologe: Guten Abend, Herr Appelmann.
Appelmann: Herr Jung, die kanadischen Waldbrände sind ja tausende Kilometer entfernt, wie ist das möglich, dass der Rauch trotzdem bis zu uns kommt?
Jung: Ja, im Grunde haben die unsere Tiefdruck-Autobahn genommen. Die Tiefs kommen von Westen über den Atlantik zu uns nach Europa gezogen und auf diesem Weg haben diese Tiefs den Rauch mitgenommen und die Rauchschwaden, also die kleinsten Rauchpartikel, haben den weiten Weg zurückgelegt, mehrere tausend Kilometer über den Atlantik bis zu uns, erst nach Westeuropa und nun auch nach Mitteleuropa. Bei uns in Deutschland sind sie auch angekommen und hier und da kann man das sogar ein bisschen sehen.
Appelmann: Wie gefährlich ist denn die Rauchwolke für uns Menschen? Bestehen da irgendwelche Gesundheitsgefahren?
Jung: Also zunächst mal ist die Rauchwolke ja in großer Höhe. Wir reden da von 6 bis 7000, 8000 Metern Höhe. Und dort oben ist erst mal überhaupt keine Gefahr gegeben. Aber diese Rauchpartikel, diese kleinen Staubpartikel, die können ausfallen, durch Regen ausgeregnet werden, runter auf den Erdboden, bringen dort eher positive Effekte für die Landwirtschaft. Das ist wie ein Düngemittel auf dem Erdboden. Für uns unten, die Feinstaubbelastung, für uns Menschen ist da eigentlich nichts Dramatisches zu erwarten und es kommt ja auch immer wieder mal vor, dass Rauchschwaden uns erreichen. Selbst vor einem Jahr, der Vulkan auf den Kanaren, da brachte uns auch Vulkanasche nach Deutschland. Auch das war im Grunde keine Gefahr.
Appelmann: Hat die Rauchwolke sonst noch irgendwelche Auswirkungen, beispielsweise auf das Wetter in den nächsten Tagen?
Jung: Ja, also ohne kleinste Staubteilchen der Luft würde es bei uns überhaupt keinen Regen geben. Wir brauchen sogenannte Kondensationskerne und kleine Staub- und Sand- und Rußpartikel sind eben solche kleinen Kerne. Und an diesen kleinen Rußpartikeln lagert sich Feuchtigkeit an und je mehr Feuchtigkeit sich anlagert, umso mehr wächst so ein Regentröpfchen heran. Das heißt, es kann durchaus mehr Regen geben als üblich. Das heißt, hier und da bilden sich öfters mal Schauer. Aber natürlich auch, das Ganze ist natürlich auch für die Atmosphäre etwas verdunkelnd. Das heißt, die kleinen Partikel in der Atmosphäre, die brennen das Sonnenlicht aus und die dämpfen die Erwärmung auf die Erdoberfläche und damit Anlass zu einer kleinen leichten Abkühlung in der höheren Atmosphäre sorgen. Was genau das aber am Ende für Auswirkung haben wird, das kann man jetzt noch nicht genau abschätzen.
Appelmann: Die Waldbrände in Kanada haben also Auswirkungen auch bei uns. Bis heute Nacht soll die Rauchwolke dann aber weitergezogen sein. Vielen Dank erstmal für ihre Einschätzung, Wetterexperte Dominik Jung.
Jung: Gerne. Einen schönen Abend.









