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Die Frankfurter Zeil im Wandel der Zeiten

Juni 30, 2023

Die Zeil. Wir kennen sie als die Einkaufsmeile in der Frankfurter Innenstadt. Mehr noch: Die Zeil ist wohl eine der berühmtesten Einkaufsstraßen Deutschlands. Doch das war nicht immer so. In ihrer jahrhundertelangen Geschichte, hat die Zeil oft ihr Gesicht verändert. Wir lassen uns von Historiker Mirco Becker mitnehmen auf eine historische Stadtführung über die Zeil – Frankfurts Lebensader.
Die Zeil um das Jahr 1900 herum.
Mirco Becker, „Damals in Frankfurt“
„Das Bild, was wir eben gesehen haben, das ist genau an dem Standort, wo ich gerade stehe. Die Zeil war im stetigen Wandel. Zu Beginn war sie eine Straße, in der Viehmärkte abgehalten worden waren. Später dann wurde sie zum beliebten Wohnstraße und zum europäischen Großstadtboulevard. Hier haben Menschen mit hohem Rang gewohnt. Zum Beispiel auch der ehemalige Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt.“
Der Wahl-Frankfurter Mirco Becker ist hier viel unterwegs. Als Stadtführer. Und mit seinem Instagram-Account „Damals in Frankfurt“ widmet er sich der Geschichte Frankfurts.
Die Zeil kennt er wie kaum ein Zweiter.
Mirco Becker, „Damals in Frankfurt“
„Zu Beginn des 18. Jahrhunderts ist an der Stelle, wo wir stehen, im Hintergrund das Palais Barkhaus entstanden. Das Palais Barkhaus war eine wohlhabende Familie. Zeigt auch so ein bisschen, dass die Straße vorher eine Straße war, wo man gelebt und gewohnt hat, und noch nicht übliche Geschäftsstraße, die wir heute hier sehen. In den 1740er Jahren war in dem Palais Barkhaus hinter uns auch ein Kaiser untergebracht und damit wurde die Zeil dann zur Regierungsmeile und einem europäischen Großstadtboulevard.“
Doch der große Wandel kommt dann im 19. Jahrhundert. Es kommen immer mehr Geschäfte auf die Zeil.
Mirco Becker, „Damals in Frankfurt“
„Ende des 19. Jahrhunderts kam das Kaufhaus Wronker auf die Zeil. Wurde immer größer, hat immer mehr an Fläche dazugewonnen. Häuser links und rechts wurden dazugewonnen, die Fassade wurde vereinheitlicht. In den 1920er Jahren war das Kaufhaus Wronker sehr erfolgreich. Mehrere tausend Mitarbeiter haben dafür gearbeitet. Dann kam die Weltwirtschaftskrise. Das Unternehmen kam ins Schlingern. Es kam zum Führungswechsel. Und dann aber auch der Nationalsozialismus. Das Kaufhaus Wronker wurde enteignet und arisiert. Der Gründer Hermann Wronker ist später nach Auschwitz deportiert worden und dort auch ermordet.“
Vieles hat sich auf der Zeil verändert. Wo einst der russische Hof stand, befindet sich heute das „MyZeil’“-Einkaufszentrum.
Ein weiteres wichtiges Gebäude: Die Hauptwache – hier zu sehen auf einer Fotografie aus dem Jahr 1846. Das älteste erhaltene Foto Frankfurts.
Die Hauptwache sieht zwar so aus, als habe sie sich nicht verändert, aber der Eindruck trügt.
Mirco Becker, „Damals in Frankfurt“
„Was wir hier sehen ist nicht mehr das Original-Gebäude von 1730, sondern im Zweiten Weltkrieg ist das Gebäude zerstört worden und danach dann wieder aufgebaut, in den 1950er Jahren. Dann kam der U-Bahn-Bau in den 1960er Jahren. Dafür wurde die komplette Hauptwache abgetragen und nachdem die U-Bahn fertig war, wurde sie so rekonstruiert, wie man sie von 1730 kennt und ein bisschen im Winkel gedreht. Also dieses Gebäude ist nicht mehr als ein paarundsechzig Jahre alt.“
Immerhin: Der Autoverkehr direkt an der Hauptwache, das ist jetzt Vergangenheit.
Jetzt ist die Hauptwache der zentrale Blickfang am westlichen Ende der Zeil.
Umrahmt von den Giganten der Neuzeit. Ein Symbol für die wechselhafte Geschichte der Zeil.
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