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Krankenhäuser melden „Alarmstufe Rot“

Juni 20, 2023

Wenn immer mehr Kliniken schließen, wenn Intensivmediziner von einer katastrophalen Situation sprechen, wenn immer mehr Operationen verschoben werden – dann merken wir, dass grundsätzlich etwas schief läuft. Alarmstufe Rot bei unseren Krankenhäusern. Auf 10 Milliarden summiert sich das Defizit bis Ende des Jahres bei allen Häusern. Finanzielle Verluste, Fachkräftemangel – die Liste an Problemen ist lang. Deshalb hat die Krankenhausgesellschaft heute zum bundesweiten Protesttag aufgerufen.
Die Krankenhäuser schlagen Alarm. In Hessen beschreiben 64 Prozent der Kliniken ihre Lage als „kritisch“. Tendenz: Steigend!
Am Klinikum Darmstadt beteiligen sich die Mitarbeitenden am bundesweiten Protest.
Clemens Maurer, Sprecher Klinikum Darmstadt
„Das ist ein Bekenntnis für die gesamte Krankenhauslandschaft in Deutschland. Wir brauchen einen geordneten Übergang, eine geordnete Transformation. Und die Sorgen und Ängste, die gerade herrschen, ist, dass durch die finanziellen Schieflagen Häuser in die Insolvenz gehen – ungeplant, unstrukturiert – und da kein Plan hinter steht. Und das ist die Sorge, die uns alle umtreibt.“
Das Problem für die Krankenhäuser: Die Fallpauschalen begrenzen ihre Einnahmen. Die Preise für Behandlungen werden fürs Jahr im Voraus festgelegt.
Das bedeutet: Kommt es zu höheren Ausgaben, wie zum Beispiel durch die Inflation, bleiben die Einnahmen gleich.
Dr. Steffen Gramminger, Geschäftsführer Hessische Krankenhausgesellschaft
„Wir können eben nicht den Preis erhöhen und sagen: ‚Na ja, okay, der Blinddarm, da schlagen wir jetzt mal 150 Euro drauf, weil der Strom teurer geworden ist‘. Sondern, das hat feste Rahmenbedingungen, sind sehr träge und können eben auf solche schnellen Veränderungen, wie wir sie gerade erleben, nicht reagieren.“
Diese Rahmenbedingungen sind das Kernproblem.
Die Politik hat zwar reagiert. Bundes-Gesundheitsminister Karl Lauterbach hat eine Reform vorgelegt. Noch ist unklar, wie sie genau im Detail aussieht. Doch bis die Reform überhaupt greift, vergehen einige Jahre.
Das wird für viele Kliniken zu spät sein. Sie brauchen jetzt eine Finanzspritze, sagt der Präsident der Hessischen Krankenhausgesellschaft.
Dr. Christian Höftberger, Präsident Hessische Krankenhausgesellschaft
„Die Zeit jetzt ist die kritische. Jetzt wissen Krankenhaus-Geschäftsführer und damit Mitarbeiter in ihren Krankenhäusern nicht, ob diese morgen ausreichend über Liquidität verfügen oder in die Insolvenz gehen müssen, wie sie morgen und übermorgen Versorgung gewährleisten können. Und deswegen geht’s uns heute darum, aufmerksam zu machen: Wir brauchen jetzt Unterstützungsmaßnahmen, um das kurzfristige Überleben des kranken Patienten Krankenhaus zu sichern.“
Die Krankenhausgesellschaft fordert deshalb vom Bund jetzt eine Finanzunterstützung.
Eine Forderung, die vom Land unterstützt wird.
Kai Klose (BÜNDNIS/90 GRÜNE), Sozialminister Hessen
„Wie sieht es damit aus, wenn statt der reinen Fallpauschalen-Finanzierung auch eine Vorhalte-Finanzierung dazu tritt? Meines Erachtens wird es nicht gehen, ohne, dass während der Transformationsphase zusätzliches Geld gegeben wird, denn eine Reform dieser Größenordnung hat noch nie ohne frisches Geld wirklich funktioniert.“

Die Krankenhausgesellschaft macht deutlich: Ohne schnelle Unterstützung würden nach Alarmstufe Rot die Lichter ausgehen.

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