Immer mehr Waldbrände
Am Altkönig im Taunus, heute vor einer Woche: Rund vier Hektar Wald stehen lichterloh in Flammen. Bis zu 300 Feuerwehrleute sind rund um die Uhr im Einsatz, um den Brand unter Kontrolle zu bringen. Es dauert drei Tage lang, bis die letzten Glutnester gelöscht sind. Die Polizei geht von Brandstiftung aus.
Auch in Südhessen hat es in diesem Jahr bereits mehrfach gebrannt. So wie hier im Wald bei Rüsselsheim. Zum Glück geht die Sache glimpflich aus – die Feuerwehr ist schnell vor Ort und kann den Waldbrand im Keim ersticken. Doch Förster Klaus Velbecker weiß: Der Wald ist derzeit so trocken, dass ein einziger Funke ausreicht, um eine Katastrophe auszulösen. Und das nicht nur, weil es seit fünf Wochen nicht geregnet hat.
Klaus Velbecker, Leiter Forstamt Groß-Gerau
„Das hängt damit zusammen, dass wir seit dem Jahr 2018 ja eine Abfolge von sehr trockenen und warmen Sommern haben. Mit Ausnahme mal des Jahres 2021, wo eigentlich ein regulärer Sommer zu verzeichnen war.“
Denn nach wie vor sei der Waldboden immer noch nicht bis in tiefere Schichten durchnässt – selbst das verregnete Frühjahr habe nicht ausgereicht, um die Dürreschäden auszugleichen. Zwar habe es auch früher immer wieder mal Waldbrände gegeben, doch so früh, so oft und so heftig – das sei für die Region etwas völlig Neues.
Klaus Velbecker, Leiter Forstamt Groß-Gerau
„Im letzten Jahr sind in Hessen alleine um die 120 Hektar, sprich um die 160 Fußballfelder verbrannt. Also, das ist eine Anzahl, die wir bisher noch nie hatten.“
Das einzige, was jetzt helfen kann, um die Lage zu entschärfen, ist Regen. Kein Gewitter, sondern ausgiebiger Landregen, am besten mehrere Wochen am Stück. Doch der ist in Hessen vorerst nicht in Sicht.
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Markus Appelmann, Moderator: Wenn, sind höchstens kurze Schauer gemeldet. Ich bin jetzt verbunden mit Sebastian Vocilka, dem Leiter des Forstamtes Dieburg. Herr Vocilka , guten Tag.
Sebastian Vocilka, Forstamtsleiter Dieburg: Guten Abend.
Appelmann: In den letzten Wochen gab es viele Waldbrände und viel Regen ist nicht in Sicht. Mit wieviel Sorgen schauen Sie denn in die nächsten Wochen?
Vocilka: Das hängt natürlich stark vom Wetter ab, wie sich das entwickelt. Wenn es noch eine Weile so bleibt wie jetzt die letzten Wochen, also warm und vor allem sehr, sehr trocken, dann ist da natürlich eine große Sorge. Ich gucke defintiv angespannt auf den Wetterbericht jeden Tag, aber hoffe natürlich, dass auch mal wieder ein bisschen Entspannung kommt in Form von Regen.
Appelmann: Jetzt gab’s viele Waldbrände bei uns: Wie lange braucht denn ein verbranntes Waldstück um sich zu erholen?
Vocilka: Bäume haben sehr lange Wachstumszeiten. Bis so ein Baum seine Endhöhe erreicht, vergehen mal locker mehr als 100 Jahre. Da können Sie sich ungefähr einen Zeitraum vorstellen. Sehr schnell wachsende Bäume brauchen auch schon einige Jahrzehnte.
Appelmann: Haben denn die Waldbrände bei uns manchmal auch natürliche Ursachen oder ist am Ende meistens der Mensch dran schuld?
Vocilka: Natürliche Ursachen kann es durchaus geben. Weltweit, vor allem aber in Deutschland, gehe ich davon aus, dass es fast ausschließlich auf menschliche Ursachen zurückzuführen ist. Natürliche Waldbrände sind in Deutschland sehr, sehr selten.
Appelmann: Das heißt, die weggeworfene Kippe oder grillen, wo man nicht sollte?
Vocilka: Einfach Unachtsamkeit, eventuell auch direkt Brandstiftung. Aber ja, rauchen im Wald, grillen im Wald, das können sicherlich oder werden sicherlich typische Ursachen sein.
Appelmann: Letzte Frage: Was können denn Sie als Förster tun um den Wald in Zukunft widerstandsfähiger zu machen?
Vocilka. Wir müssen ihn vor allem an das zukünftige Klima anpassen. Das heißt, Wälder entwickeln, die gemischt sind, die stabil sind, die einen guten Anteil Klimawandel angepasster Baumarten haben, die mit Trockenheit gut klarkommen. Diese Wälder sind dann stabiler, sie produzieren damit, oder sie führen zu weniger Absterbenprozessen, weniger Totholz. Sie haben ein Waldinnenklima, halten mehr Bodenfeuchte. Das ist also sehr, sehr relevant, dass wir den Wald einfach umbauen, hin von gleichaltrigen Beständen, von Baumarten, die vielleicht nicht mehr so gut hierher passen und ihn fit machen für das künftige Klima.
Appelmann: Er macht den Wald fit für das künftige Klima, Förster Sebastian Vocilka aus Dieburg, vielen Dank Ihnen.
Vocilka: Gern geschehen.









