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Viessmann will Wärmepumpen-Geschäft verkaufen

Apr. 26, 2023

Wärmepumpen sollen künftig Deutschland in eine klimaneutrale Zukunft bringen. Das Geschäft mit der Wärmepumpe brummt also. Da fragt man sich, warum sich der nordhessische Heizungsbauer Viessmann gerade jetzt vom Geschäft mit der Wärmepumpe trennt. Für 12 Milliarden werden die Anteile der Klimasparte an den US-Konkurrenten Carrier Global verkauft. Eine Entscheidung, die nicht nur bei den Menschen vor Ort in Allendorf für gemischte Gefühle sorgt.
Am Ende ging alles ganz schnell. Was gestern Mittag noch als Gerücht durch die Medien geistert, ist seit dem späten Abend Gewissheit: Viessmann verkauft seine Klimasparte zum Teil an den US-Konzern Carrier Global. Die Stimmung bei der Belegschaft am Firmensitz Allendorf – zwischen Hoffen und Bangen.
Mitarbeiter
„Wie geht’s weiter? Meine Zukunft steht auf dem Spiel. Und ich bin auch nicht mehr der Jüngste. Und ich bin schon lange genug hier.“
„Erst mal war ich überrascht. Aber eigentlich eine gute Sache für uns, denke ich. Und das sichert natürlich auch den Standort hier. Und das ist eigentlich wichtig.“
Aus unternehmerischer Sicht ist die Entscheidung zum Verkauf durchaus nachvollziehbar. Das Geschäft mit der Klimatechnik und vor allem mit Wärmepumpen brummt. Gleichzeit wächst der Konkurrenzdruck aus Ländern wie China, Japan und Korea. Durch die Beteiligung von Carrier Global stelle man das Geschäft nun breiter auf, um auch in Zukunft im internationalen Wettbewerb zu bestehen.
Max Viessmann, Geschäftsführer Viessmann Group
„Das bedarf vieler, vieler fianzieller Ressourcen in einem sehr kurzen Zeitabstand. Und eine Familie, die zu 120 Prozent in ihr Familienunternehmen investiert ist, kann nur so viel investieren, wie sie auch selber erwirtschaftet. Oder wie sie in Verschuldung als langfristig erträglich und nachhaltig erachtet.“
Für die 7.500-Seelen-Gemeinde Allendorf (Eder) ist der Familienkonzern Viessmann mehr als nur ein bloßes Unternehmen. Von den weltweit rund 14.500 Mitarbeitern arbeiten alleine am Stammsitz in Allendorf etwa 5.500 – also fast so viele, wie der Ort Einwohner hat. Trotzdem sei der Teilverkauf kein Grund zur Beunruhigung, sagt der Bürgermeister. Auch, weil die Kaufvereinbarungen zwischen Viessmann und Carrier Global eine Standortgarantie für Allendorf für die kommenden zehn Jahre enthielten.
Claus  Junghenn, parteilos, Bürgermeister Allendorf (Eder)
„Dass man sich da jetzt vernünftig aufstellt und zukunftsfähig aufstellt, halte ich für eine richtige unternehmerische Entscheidung. Und ich sehe auch nicht die Gefahr, dass jetzt durch den Verkauf hier am Standort unmittelbar Nachteile entstehen werden.“
Auch der Betriebsrat ist durch die Vereinbarungen im Kaufvertrag zumindest teilweise beruhigt. Nicht nur wegen der Standort-Garantie.
Matthias Godzik, Betriebsratsvorsitzender Viessmann Group
„Wir haben jetzt eine Reihe an Absicherungen erst mal in der Vereinbarung. Das bedeutet: Für die nächsten drei Jahre sind betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen.“
Unklar bleibe allerdings, wie es nach diesen Jahren weitergehe. Und auch andere wichtige Fragen seien noch unbeantwortet.
Dennis Schindehütte, IG Metall Nordhessen
„Wir haben eine Standortsicherung, wo keine Beschäftigtenzahl dahintersteht. Da ist die Wertigkeit für uns schwer erkennbar, wenn es erst mal bei dem einen Satz bleibt. Aber das werden wir uns in den nächsten Tagen angucken. Und wenn es hier langfristige Beschäftigung zur Folge hat, dann wäre das erst mal positiv.“
Die IG Metall werde nun gemeinsam mit dem Betriebsrat darauf schauen, welche Folgen der Teilverkauf für die Beschäftigten am Standort Allendorf haben könnte und wie es mit den Tarifverträgen der Mitarbeiter weitergehe.
Auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat sich heute zu Wort gemeldet. Man werde die geplante Übernahme des Wärmepumpen-Geschäfts durch Carrier Global sehr genau prüfen.
Robert Habeck, Bündnis 90 / Die Grünen, Bundeswirtschaftsminister
„Gerade deutsche Unternehmen haben die Technologie nach vorn gebracht. (…) Wichtig ist, dass die Vorteile unserer Energiepolitik und Gewinne, die damit erwirtschaftet werden, auch weiter dem Standort Deutschland zugutekommen. Darauf werden wir achten.“
Bereits im Jahr 2004 hatte Carrier Global den Bereich Kältetechnik der Linde AG übernommen. Zwei Jahre später stellte der neue Besitzer die Fertigung in Deutschland ein und verlagerte die Produktion nach Tschechien und Frankreich.
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