Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Neuwied braucht Containerdorf für Flüchtlinge

Apr. 14, 2023

2015 darf sich nicht wiederholen, hieß es oft, nachdem viele Menschen vor allem aus Syrien nach Deutschland geflohen sind. Doch 2015 hat sich wiederholt: 2022 sind über eine Million Ukrainer vor dem russischen Angriffskrieg nach Deutschland geflohen. Viele Städte sind mit der Aufnahme von Geflohenen am Limit – wie etwa das rheinland-pfälzische Neuwied. Dort soll ein Containerdorf für Flüchtlinge entstehen. Um die Bürger mitzunehmen, haben gestern Vertreter der Stadt das Gespräch gesucht.
Es geht nur um ein kleines Stück Feld am Stadtrand von Neuwied. Die Stadt will hier sieben Wohn-Container für rund 130 Flüchtlinge errichten. Doch gestern Abend ist das Stück Feld Gesprächsthema im Bürgerhaus. Denn Neuwied hat im vergangenen Jahr bereits mehr als 1200 Flüchtlinge aufgenommen.
Jan Einig (CDU), Oberbürgermeister Neuwied: „Es ist eine absolute Herausforderung, besonders für die Kommunen (…) Wir sind hier einfach an einer Kapazitätsgrenze. Vor diesem Hintergrund sind wir jetzt gezwungen, ein Container-Dorf zu errichten. Wir hatten schon mal ein Containerdorf 2016. Das ist zwischenzeitlich rückgebaut worden. Jetzt sehen wir aber keine andere Möglichkeit, ein neues zu errichten.“
Der Oberbürgermeister gibt zu: Container isolieren Menschen. Sie sind schlecht für die Integration. Aber die schiere Zahl der Menschen lasse eine dezentrale Unterbringung nicht mehr zu. So lautet eine Frage eines Bürgers.
„Wie ist die konzeptionelle Idee gedacht, die betroffenen Menschengruppen in das Leben der Stadt zu integrieren?“
Mehr als 45000 Flüchtlinge sind allein aus der Ukraine nach Rheinland-Pfalz gekommen. Den Behörden fehlt Personal, der Wohnungsmarkt ist leergefegt. Ein Bürger sieht die Aufnahme weiterer Flüchtlinge deshalb kritisch.
„Ich will nicht rassistisch klingen, um Gottes willen, aber irgendwo hab da Angst, ich hab auch Kinder.“
Auch das häufig vorgebrachte Argument, Flüchtlinge könnten den Fachkräftemangel beheben, lässt er nicht gelten.
„Wir haben in Deutschland 85 Millionen Menschen mittlerweile. Langsam dürfte der Fachkräftemangel mal zu Ende sein.“
Die Menschen, die sich schon seit 2015 für Flüchtlinge engagieren, bestätigen: Integration ist Arbeit.
Helmut Bach, Ehrenamtlicher Helfer: „Wir erinnern uns immer noch daran an die viele Arbeit, die wir machen mussten. Beispielsweise: Wir haben die Leute begleitet nach Trier. Dort mussten sie beim Bamf Fingerabdrücke geben. (…) Auch zu Gerichtsverwaltungen, Integrationsverhandlungen.“
Von dieser Integrationsarbeit hat Bilal Almasri profitiert: Der Syrer ist 2015 geflohen, hat selbst in Wohncontainern gelebt. Heute engagiert er sich als Integrationshelfer. Nach der Flut im Ahrtal hat er auch bei Aufräumarbeiten geholfen – denn er wisse, wie es sei, sein Zuhause zu verlieren. Dennoch versteht er Bedenken von Bürgern.
Bilal Almasri, Ehrenamtlicher Integrationshelfer: „Ich verstehe das ganz klar. Und ich sage immer, die geschlossene Tür schließt aus, die offene Tür lädt ein – ich kann zum Beispiel, die Sprache sehr gut und ich klopfe an der Tür und keiner öffnet die Tür für mich, wie soll ich dann rein? (…) Deswegen sage ich immer, wir müssen miteinander reden.“
Nur dann könne Migration und Integration gelingen. Die schwerste gesellschaftliche Aufgabe, sei nicht für Flüchtlinge eine Unterkunft zu bauen, sondern ihre Zukunft zu gestalten.

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