Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Kommentare zum Großstreiktag

März 27, 2023

Kommentare aus unserer Redaktion zum heutigen Streik der Superlative
Richard Kremershof, Chefredakteur:
Es ist die Maßlosigkeit, die einen nahezu wütend macht: Verdi und die Eisenbahner-Gewerkschaft legen das komplette Land lahm. Dieser Streik ist eine einzige Zumutung. Andere Branchen wie Metall und Chemie haben sich ohne großes Theater längst geeinigt – weil sie wissen: Arbeitgeber und Arbeitnehmer sitzen am Ende in einem Boot. In diesem Boot soll es zwar allen im Rahmen des Möglichen gut gehen. Aber alle sind sich einig: Das Boot darf nicht untergehen. Heißt: Keine Seite darf den Bogen überspannen. Streiks im öffentlichen Dienst sind mit denen in der freien Wirtschaft nicht zu vergleichen. Formal ist zwar der Staat der Arbeitgeber – aber am Ende ist es der Steuer- und Gebührenzahler, der die große Party schmeißen muss. Länder und Kommunen werden sich angesichts leerer Kassen ganz schnell an ihre Bürger wenden: Höhere Abgaben, höhere Gebühren, höhere Steuern. Und der einzige, der in diesem Spiel nicht streiken kann, das ist genau der Steuer- und Gebührenzahler. Öffentlicher Dienst und Eisenbahner erwarten von uns allen mehr Geld, mehr Anerkennung und mehr Respekt. Über Respekt vor dem Steuerzahler und letztlich den Bürgern, die dieser überzogene Streik trifft, redet dagegen keiner. Dies wiederum ist  – im besten Sinne – respektlos.
Marco Riehl, Chef vom Dienst / Redakteur:
Klar: Streiks nerven. Pendler, Reisende, Arbeitgeber – viele mussten heute umplanen. Klar ist aber auch: Ein Streik, der nicht nervt, bringt auch nichts. Ein Land einen Tag in den Ruhezustand zu versetzen, kann man als maßlos empfinden – die Forderungen der Arbeitnehmerseite nach 10,5 Prozent mehr Lohn sind es aber definitiv nicht. Angesichts von acht Prozent Inflation 2022 und voraussichtlich sechs Prozent in diesem Jahr. Alles wird teurer, die Steuereinnahmen sprudeln. Da ist es nur logisch, dass auch die Arbeitnehmer in ihrem Geldbeutel mehr sehen wollen.
Klar ist aber auch: Die Arbeitgeber, in diesem Fall oft klamme Kommunen, auch sie brauchen mehr Geld. Gerade in Hessen und Rheinland-Pfalz, wo es in den vergangenen Jahren trotz aller Krisen wirtschaftlich gut lief, sind Bund und Länder besonders gefragt. Sie müssen ihren Städten und Gemeinden unter die Arme greifen. Und mit ihrem Geld dafür sorgen, dass unsere Verwaltungen und Ämter modern und attraktiv sind. Denn klar ist auch: Wer zu wenig zahlt, für den will niemand arbeiten. Und wenn niemand mehr im öffentlichen Dienst arbeiten will, dann wird es sich für uns künftig bei jedem Behördengang anfühlen wie an einem Streiktag.
Marcel Gassan, Redaktionsvolontär:
So etwas gab’s noch nie: Bundesweit bleiben die Busse, Bahnen und Flugzeuge stehen – die meisten zumindest. Ich finde, das ist echt eine harte Nuss. Es sind so viele Menschen an die öffentlichen Verkehrsmittel gebunden. Ich zum Beispiel: Zur Arbeit fahre ich mit der Tram. Meine Heimat besuche ich mit der S-Bahn. Ohne Auto und nur mit den öffentlichen Verkehrsmitteln komme ich eigentlich ganz gut klar. Außer heute. Weil beinahe alles stillsteht. Natürlich nervt mich das, aber als genervt würde ich mich trotzdem nicht beschreiben. Denn: Der Warnstreik ist für mich nachvollziehbar. Der Warnstreik hat einen berechtigten Grund. Und: Welchen Sinn hätte ein Streik, wenn er nicht ein bisschen weh tut? Ich komme gut durch den Tag, weil ich weiß, dass er morgen wieder vorbei ist. Weil ich weiß, dass morgen die Busse und Bahnen wieder fahren und weil ich weiß, dass ich morgen wieder wie üblich unterwegs sein kann. Deswegen sage ich: Ein solcher Ausnahmetag geht für mich persönlich klar. Aber hoffentlich kommen nicht noch mehr solcher Ausnahmetage auf uns zu.
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