Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Kloster Jakobsberg wird aufgelöst

Feb. 2, 2023

Die katholische Kirche sieht sich seit Jahren in der Krise. Die Zahl der Kirchenaustritte steigt stetig an, aber auch intern hakt es. Denn immer weniger Gläubige entscheiden sich für ein Leben im Kloster. Und das hat jetzt auch Folgen für eine seit 1961 bestehende Benediktiner-Gemeinschaft im rheinland-pfälzischen Ockenheim. Darunter auch ein Mönch, der Deutschland zu seiner Wahlheimat gemacht hat, um sich hier dem Glauben an Gott zu widmen.
Pater Otto, Mönch im Kloster Jakobsberg
„Wir haben eine sehr enge Beziehung mit Ockenheim, mit den Leuten unten und mit den Schwestern. Also wegzugehen ist traurig.“
Pater Otto an seinem Lieblingsort – dem Kloster-Innenhof samt Kreuzgang. Hier kommt er zur Ruhe, findet Zeit zum Beten. Aber nicht mehr lange: Nach mehr als 60 Jahren verlässt der Benediktinerorden das Kloster Jakobsberg. Der Grund: Dem Orden fehlt es an Nachwuchs und das stimmt den 61-jährigen US-Amerikaner nachdenklich.
Pater Otto, Hausoberer & Direktor Jungenbildungshaus
„Die Gesellschaft ist mehr und mehr egoistisch geworden. Und Religion – ob es Katholismus oder Christenismus oder Buddhismus – ist eine Bewegung gegen Egoismus oder Narzissmus. Wenn wir zu egoistisch als eine Kultur handeln, dann ist alles kaputt, für alle Menschen.“
Pater Otto zieht mit seiner nur noch vierköpfigen Mönchgemeinschaft in das Klosterdorf Sankt Ottilien bei München, um sich dort etwa 100 Benediktinern anzuschließen. Mit dem Jakobsberg verliert einmal mehr ein Kloster seine Ordensgemeinschaft und damit seine ursprüngliche Funktion.
Diese Entwicklung bedrückt auch das Bistum Mainz.
Elisabeth Eicher, stellv. Bildungsdezernentin Bistum Mainz
„Ich muss heute eine Überzeugung haben ein Leben zu führen, das ich dem Gebet widme, der Kontemplation, des Engagements für die Nachfolge Jesu Christi. Das sind Berufungen, die heute in diesem Alltag nicht mehr so massenhaft vorkommen, das ist nicht mehr alltäglich.“
Die Hauptursache sei Überalterung. Von den insgesamt noch etwa 20.000 Ordensmitgliedern in Deutschland stürben jedes Jahr etwa 1000.
Die nachlassende Religiösität zeigt sich auch in der ansteigenden Zahl der Kirchenaustritte. Im Jahr 2021 haben mehr als 350.000 Katholiken ihrer Kirche den Rücken gekehrt. Die Missbrauchsskandale machen der katholischen Kirche weiterhin schwer zu schaffen.
Elisabeth Eicher, stellv. Bildungsdezernentin Bistum Mainz
„Wir sind ganz aktiv in der Frage auch von Aufarbeitung und stellen uns den Fragen der Menschen. Ich glaube aber auch, dass es darüber hinaus wichtig sein wird, dass Menschen Erfahrungen machen können, die ihrem Leben nochmal eine andere Ausrichtung geben.“
Deshalb wird das Bistum Mainz den Jakobsberg weiterhin als Bildungseinrichtung betreiben.
Trotz der schwierigen Zeiten – den Glauben an die katholische Kirche und damit auch an die Zukunft der Ordensgemeinschaften hat Pater Otto nicht verloren.
Pater Otto, Hausoberer & Direktor Jungenbildungshaus
„Es kann sein in den nächsten fünf oder zehn Jahren kommt eine Blase und viel mehr Leute kommen. Das war immer so über die Jahrhunderte. Manchmal haben Kloster nur zwei Mönche und dann zehn Jahre später 50 Mönche. Es hängt davon ab was für Kriege und Ökonomie und was für Glaubensänderung es gibt.“
Trotz seiner Hoffnung überwiegt bei Pater Otto in diesen Tagen die Wehmut: Den schönen Blick, weit über Ockenheim hinaus, wird er vermissen.
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