Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Chemieindustrie wegen Energiepreisen in großer Sorge

Dez. 8, 2022

Die Chemieverbände Rheinland-Pfalz haben heute in Ingelheim auf die schwierige Lage der Chemie-Unternehmen hingewiesen.
Eva Dieterle, Moderatorin: Von Januar bis Oktober habe deren Produktion insgesamt rund 11 Prozent niedriger gelegen als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Unternehmen seien durch die hohen Energiepreise und den Umstieg auf erneuerbare Energien stark belastet. Die Politik müsse deshalb helfen, die Kosten zu senken, die Bürokratie abbauen und die Regulierungswelle stoppen. Über die aktuelle Lage spreche ich deshalb jetzt mit Sabine Nikolaus, der Vorstandsvorsitzenden der Chemie-Verbände Rheinland-Pfalz, Guten Abend.
Sabine Nikolaus, Vorstandsvorsitzende Chemieverbände Rheinland-Pfalz: Guten Abend, Frau Dieterle.
Dieterle: Die Chemiebranche in Rheinland-Pfalz wird von der Energiekrise gerade hart getroffen. Bei vielen Unternehmen gibt es Existenzängste. Zeichnen Sie uns mal ein Bild, wie schlimm ist die Situation?
Nikolaus: Ja, in der Tat ist es so, dass viele Unternehmen sehr kämpfen momentan mit der Energiekrise und viele Unternehmen wirklich sich Sorgen machen. Wie kommen Sie über die nächsten Monate? Wie kommen Sie über die nächsten Jahre? Wir haben tatsächlich eine Situation, dass die Industrie hier mit diesen hohen Preisen – Gas und Strom – und auch mit der entsprechenden Versorgungssicherheit, um die wir bangen, zurechtkommen muss.
Dieterle: Jetzt wird die Chemiebranche auch mit der Energiewende zurechtkommen müssen. Also mit dem Umstieg auf erneuerbare Energien. Wie groß sind Ihre Befürchtungen, dass das zu dauerhaft hohen Energiepreisen führen und am Ende dann die Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigen könnte?
Nikolaus: Ja, ich habe gerade ja schon über die jetzige Krise gesprochen, die die Chemieindustrie in Rheinland-Pfalz hart trifft und zudem, also zusätzlich noch, arbeiten wir natürlich an der Zukunft unserer energetischen Versorgung, an der Transformation. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, wir sind überzeugt, dass das tatsächlich der Weg in die Zukunft ist und wir möchten die Transformation auf jeden Fall auch unterstützen. Aber das alles muss mit Augenmaß passieren und in einer Geschwindigkeit, wie wir sie eben auch in der chemischen Industrie in Rheinland Pfalz stemmen können. Das heißt also, in einem Tempo, in der tatsächlich die energetische Versorgung umgebaut werden kann, sodass wir die Transformation erfolgreich bewältigen können.
Dieterle: Was fordern Sie von der Politik, damit auch Ihrer Branche der Umstieg auf erneuerbare Energien und mehr Klimaschutz gelingen kann?
Nikolaus: Nun, das sind im Prinzip genau zwei Dinge. Zum ersten Mal in der momentanen Krise, dass die Industrie auch an der Gas- und Strompreisbremse beteiligt wird. Das heißt, dass diese auch der Industrie zugute kommt, dass wir zunächst mal diese schwierige Zeit überstehen. Und für die Zukunft ist, dass wir die Transformation gemeinsam gestalten. Das heißt also, dass die Politik und die Industrie an einem Tisch sitzen, um die Transformation in einem Tempo und in einem Ausmaß zu gestalten, dass wir sie gemeinsam auch erfolgreich bestreiten können.
Dieterle: Sehr harte Zeiten für Ihre Branche, Frau Nikolaus, vielen Dank für das Interview.
Nikolaus: Gerne.