Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Streit um Atommüll aus Biblis

Nov. 29, 2022

„Atomkraft? Nein danke.“ Dieses Motto kennen viele. In Hessen heißt es aktuell eher: „Atommüll? Nein danke.“ Denn irgendwie will keine Gemeinde den radioaktiven Abfall aus dem früheren Kernkraftwerk in Biblis annehmen. Für die Entsorgung des radioaktiven Bauschutts ist aktuell eine Deponie in Groß-Gerau vorgesehen. Aber auch hier regt sich Widerstand durch den Kreis und dessen Bürger.
Es geht um etwa 3.200 Tonnen schwach radioaktiven Bauschutt – entstanden beim Rückbau des Atomkraftwerks Biblis. Mehrere Jahre wurde nach einem Abnehmer gesucht, aber keine der 200 Deponien in Deutschland zeigte sich bisher bereit. Und deshalb, so ließ das zuständige Regierungspräsidium Darmstadt Mitte November verlauten, soll der primär aus Beton, Ziegeln und Fliesen bestehende Abfall auf einer Deponie in Büttelborn gebracht werden.
Der Kreis Groß-Gerau will sich das aber nicht gefallen lassen und hat sich deshalb gestern einstimmig gegen die Annahme von Müll aus dem ehemaligen AKW Biblis ausgesprochen.
Thomas Will, SPD, Landrat Kreis Groß-Gerau:
„Wir sehen nicht ein, dass wir Müll aus einem anderen Landkreis, der noch dazu belastet ist, bei uns aufnehmen sollen. Sprich, wir die Nachteile haben, während beispielsweise der Landkreis Bergstraße oder Biblis über Jahrzehnte von den Gewerbesteureinnahmen aus dem AKW profitiert haben.“
Sollte die endgültige Wahl auf die Deponie in Büttelborn fallen, will der Kreis Groß-Gerau Klage einreichen. Und auch unter den Bürgern regt sich Widerstand.
Bei einer Demo vor einer Woche vor der Deponie in Büttelborn lautet die klare Message: „Bleibt mit dem Dreck weg!“
Bei den 3.200 Tonnen Abfall wird aktuell noch in einem technischen Verfahren geprüft, ob die Strahlenwerte tatsächlich unterhalb der Grenze von 10 Mikrosievert liegen. Laut dem Regierungspräsidium Darmstadt gälte der Müll dann als „freigemessen“ und könne auf einer normalen Bauschutt- und Erddeponie, wie die in Büttelborn, entsorgt werden.
Regierungspräsidium:
„(…) Das Freigabeverfahren ist ein aufwändiger Prozess mit messtechnischen Nachweisen unter der Aufsicht der zuständigen Behörde und beteiligter Sachverständiger. Mit der Freigabe wird festgestellt, dass von den Materialien keine Gefahr ausgeht. Durch dieses aufwändige Verfahren wird sichergestellt, dass für die Bürgerinnen und Bürger eine Gesundheitsgefährdung ausgeschlossen wird.“
Derzeit sind in Deutschland noch drei Atomkraftwerke in Betrieb: Emsland, Neckarwestheim 2 und Isar 2. Ursrpünglich sollten sie Ende des Jahres heruntergefahren werden. Um der Energiekrise entgegenzuwirken, werden sie aber vorerst bis zum 15. April 2023 weiterlaufen.
Wann auch immer die drei letzten AKW in Deutschland letztlich abgeschaltet werden – das Beispiel Biblis zeigt: Die Frage „Wohin mit dem Atommüll?“ wird auch über Hessens Grenzen hinaus noch für viel Diskussionsstoff sorgen.