Steigende Leitzinsen belasten Immobilienmarkt
Die Europäische Zentralbank in Frankfurt – ein Mysterium für viele Bürger. Denn die Geldpolitik wirkt oft kompliziert und weit weg vom Alltag. Die EZB kann Geld aus dem Nichts schaffen, bestimmt, wie günstig man sich Geld bei der Bank leihen kann – und sie soll durch den Leitzins die Inflation bekämpfen, die jetzt bei fast 10% liegt. Dazu hat sie heute erneut den Leitzins erhöht. Aber die straffere Geldpolitik der Zentralbank hat auch negative Folgen – beispielsweise für Häuslebauer und die Baubranche.
Bezahlbares Wohnen – dazu muss man bauen, bauen, bauen. Aber hier wird gerade erstmal nicht gebaut. Auf diesem Grundstück in Bad Vilbel wollte Projektentwickler Joachim Pfeil ein Mehrfamilienhaus bauen, doch dann sind ihm alle Käufer der Wohnungen abgesprungen.
Joachim Pfeil, Geschäftsführer Xway Invest
„Bei allen Bauvorhaben ist es im Grunde genommen die gleiche Situation, dass das, was wir noch im letzten Jahr geplant hatten, kalkuliert hatten, von den Kosten her weggelaufen ist. Wir haben immense Steigerungen, wir reden hier von Kostensteigerungen von 20% in einem Jahr.“
Eine 100-Quadratmeter-Wohnung würde sich hier von rund 630.000 Euro auf 720.000 Euro verteuern – in einer Zeit, in der viele Menschen immer weniger Geld in der Tasche haben. Geplatzte Bauvorhaben seien kein Einzelfall, sagt uns der Vizepräsident vom Verband Baugewerblicher Unternehmer in Hessen, Thomas Reimann. Die Lage in der Baubranche sei …
Thomas Reimann, Vizepräsident Verband Baugewerblicher Unternehmer Hessen
„Ausgesprochen schwierig. Viele Bauvorhaben werden nicht angegangen, es bleibt vieles in der Schublade liegen. Somit kommen keine neuen Wohnungen an den Markt. Das liegt an den hohen Energiepreisen und der Verunsicherung aufgrund des Ukrainekrieges. Die Leute sind unsicher und wollen nicht investieren.“
Die Baubranche leidet schon seit letztem Jahr unter Lieferengpässen und steigenden Preisen für Baumaterialen. Ausgerechnet der Kampf gegen die Inflation könnte nun ein weiterer Hemmschuh für Häuslebauer werden, denn die Europäische Zentralbank hat heute den Leitzins um 0,75 Prozentpunkte auf 2% angehoben. Das hat Folgen.
Lange lag der Leitzins bei 0%. Bei einem niedrigen Leitzins können sich Banken günstig Geld von der EZB leihen, sie zahlen keine Zinsen.
Auch Häuslebauer profitieren von niedrigen Leitzinsen, denn die Banken können auch ihnen günstige Kredite für den Hausbau anbieten – bei niedrigen Leitzinsen, müssen Kreditnehmer weniger Zinsen an die Bank zahlen.
Steigt der Leitzins, können sich Banken nicht mehr so günstig Geld bei der EZB leihen. Sie müssen dann auch höhere Zinsen verlangen, wenn sie Geld verleihen.
Dadurch verteuern sich auch Kredite beim Hausbau: Personen entscheiden sich nun doch gegen die eigenen vier Wände oder können ihren Kredit wegen der höheren Zinsen nicht mehr bezahlen.
Wer vor einem Jahr ein Kredit für den Hausbau aufgenommen hat, konnte noch mit einem Zins von einem Prozent rechnen – nun liegen die Bauzinsen bei 4%. Im Monat kann das hunderte Euro an Mehrkosten bedeuten.
Dennoch sei die Entscheidung der EZB richtig, findet Jörg Krämer, Chefsvolkswirt der Commerzbank.
Jörg Krämer, Chefsvolkswirt Commerzbank
„Jetzt kommt es darauf an, dass sie Kurs hält, dass sie die Zinsen weiter deutlich anhebt, dass sie schnell in Richtung 4% kommt. Das ist notwendig, um zu verhindern, dass sich die hohe Inflationsrate festsetzt und wir dauerhaft ein Inflationsproblem bekommen.“
Auf kaum einem Feld wirkt sich der Leitzins so stark aus wie auf die Baubranche. Der Kampf gegen die Inflation könnte sich also mit einem anderen Kampf beißen: dem Kampf für bezahlbares Wohnen.
Bezahlbares Wohnen – dazu muss man bauen, bauen, bauen. Aber hier wird gerade erstmal nicht gebaut. Auf diesem Grundstück in Bad Vilbel wollte Projektentwickler Joachim Pfeil ein Mehrfamilienhaus bauen, doch dann sind ihm alle Käufer der Wohnungen abgesprungen.
Joachim Pfeil, Geschäftsführer Xway Invest
„Bei allen Bauvorhaben ist es im Grunde genommen die gleiche Situation, dass das, was wir noch im letzten Jahr geplant hatten, kalkuliert hatten, von den Kosten her weggelaufen ist. Wir haben immense Steigerungen, wir reden hier von Kostensteigerungen von 20% in einem Jahr.“
Eine 100-Quadratmeter-Wohnung würde sich hier von rund 630.000 Euro auf 720.000 Euro verteuern – in einer Zeit, in der viele Menschen immer weniger Geld in der Tasche haben. Geplatzte Bauvorhaben seien kein Einzelfall, sagt uns der Vizepräsident vom Verband Baugewerblicher Unternehmer in Hessen, Thomas Reimann. Die Lage in der Baubranche sei …
Thomas Reimann, Vizepräsident Verband Baugewerblicher Unternehmer Hessen
„Ausgesprochen schwierig. Viele Bauvorhaben werden nicht angegangen, es bleibt vieles in der Schublade liegen. Somit kommen keine neuen Wohnungen an den Markt. Das liegt an den hohen Energiepreisen und der Verunsicherung aufgrund des Ukrainekrieges. Die Leute sind unsicher und wollen nicht investieren.“
Die Baubranche leidet schon seit letztem Jahr unter Lieferengpässen und steigenden Preisen für Baumaterialen. Ausgerechnet der Kampf gegen die Inflation könnte nun ein weiterer Hemmschuh für Häuslebauer werden, denn die Europäische Zentralbank hat heute den Leitzins um 0,75 Prozentpunkte auf 2% angehoben. Das hat Folgen.
Lange lag der Leitzins bei 0%. Bei einem niedrigen Leitzins können sich Banken günstig Geld von der EZB leihen, sie zahlen keine Zinsen.
Auch Häuslebauer profitieren von niedrigen Leitzinsen, denn die Banken können auch ihnen günstige Kredite für den Hausbau anbieten – bei niedrigen Leitzinsen, müssen Kreditnehmer weniger Zinsen an die Bank zahlen.
Steigt der Leitzins, können sich Banken nicht mehr so günstig Geld bei der EZB leihen. Sie müssen dann auch höhere Zinsen verlangen, wenn sie Geld verleihen.
Dadurch verteuern sich auch Kredite beim Hausbau: Personen entscheiden sich nun doch gegen die eigenen vier Wände oder können ihren Kredit wegen der höheren Zinsen nicht mehr bezahlen.
Wer vor einem Jahr ein Kredit für den Hausbau aufgenommen hat, konnte noch mit einem Zins von einem Prozent rechnen – nun liegen die Bauzinsen bei 4%. Im Monat kann das hunderte Euro an Mehrkosten bedeuten.
Dennoch sei die Entscheidung der EZB richtig, findet Jörg Krämer, Chefsvolkswirt der Commerzbank.
Jörg Krämer, Chefsvolkswirt Commerzbank
„Jetzt kommt es darauf an, dass sie Kurs hält, dass sie die Zinsen weiter deutlich anhebt, dass sie schnell in Richtung 4% kommt. Das ist notwendig, um zu verhindern, dass sich die hohe Inflationsrate festsetzt und wir dauerhaft ein Inflationsproblem bekommen.“
Auf kaum einem Feld wirkt sich der Leitzins so stark aus wie auf die Baubranche. Der Kampf gegen die Inflation könnte sich also mit einem anderen Kampf beißen: dem Kampf für bezahlbares Wohnen.









