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Einzelhandel leidet unter Energiepreisen

Okt. 20, 2022

Verdoppelung, Verdreifachung, Verfünffachung – wer bietet mehr? Bei den Kosten für Gas und Strom ist alles mittlerweile möglich, die ersten Energieversorger haben schon satte Nachzahlungen angekündigt. Auch die Unternehmer trifft die Energiekrise hart. Vor allem der von der Corona-Krise bereits geschwächte Einzelhandel – manche Geschäfte überlegen schon, die Öffnungszeiten zu kürzen, um Energie zu sparen. Aber kann das funktionieren?
Die Feinkost Metzgerei „Haxen-Reichert“ in Frankfurt-Höchst – auch sie trifft die Energiekrise. Der Strom hat sich hier monatlich von 8000 Euro auf 16.000 Euro verteuert, die Gas-Rechnung von 10.000 Euro auf 22.000 Euro. Inhaber Thomas Reichert greift jetzt zu einem drastischen Schritt – er nennt es Habeck-Tag.
Thomas Reichert, Inhaber „Haxen-Reichert“
„Wir haben vom Herrn Habeck kürzlich gesagt bekommen, wir sollen doch einfach mal nichts machen. Nun ist es so, dass die Preise für Energie dermaßen in die Höhe geschossen sind, dass es sich tatsächlich lohnt.“
Ab kommenden Montag bleibt der Laden erstmals geschlossen und spart 20% Energie. Schließen, um nicht ganz schließen zu müssen. Wie finden das potentielle Kunden?
Uwe Reinhardt
„Versteh ich. Der hat immense Kosten für Strom, für Material, für vorbereitende Produkte. Ohne Frage: Das kostet ein Haufen Geld.“
Omer Muratovic, Projektentwickler
„Man muss bedenken, die Leute arbeiten den ganzen Tag über, die arbeiten auch bis 18/19 Uhr, es wird schwierig einkaufen zu gehen.“
Rose B., Rentnerin
„Ich bin Rentnerin, also mir ist das egal, ich kann einkaufen, wenn ich möchte. Für die Berufstätigen ist es natürlich schwieriger, wenn sie nicht mehr genug Zeit zum Einkaufen haben.“

Die reduzierten Öffnungszeiten hat der Handelsverband Hessen vorgeschlagen – als eine mögliche Maßnahme, um Energie zu sparen. Aber man müsse differenzieren.
Sven Rohde, Hauptgeschäftsführer Handelsverband Hesse
„Jeder unserer Handelsunternehmen muss sich das genau anschauen und muss genau rechnen, ob es sich lohnt, was kann eingespart werden. Ganz wichtig ist, und das möchte ich unterstreichen, dass muss eine individuell unternehmerische Entscheidung sein.“
Eine solche Entscheidung gegen kürzere Öffnungszeiten hat Tatjana Steinbrenner vom Kaufhaus Ganz in Bensheim vorerst getroffen. Denn kürzere Öffnungszeiten könnten weniger Einnahmen bedeuten. Und wenn die Einnahmeausfälle zu groß sind, könne man sich das Energie-Sparen auch sparen.
Tatjana Steinbrenner, Geschäftsführerin Kaufhaus Ganz
„Das Thema verkürzte Öffnungszeiten ist auch für uns ein Thema, aber nicht jetzt im Weihnachtsgeschäft. Wir sind froh, dass wir nach zwei Jahren Pandemie hoffentlich ein Weihnachtsgeschäft wieder haben, also insofern werden wir die Öffnungszeiten lassen. Vielleicht im Januar oder Februar. Das erste Quartal wird hart, da haben wir uns Gedanken gemacht, ob wir eine Stunde früher schließen.“
Die Bedingungen für den Einzelhandel sind nach bald drei Jahren Pandemie schlecht: In der Corona-Krise waren die Geschäfte geschlossen, in der Energiekrise fehlt den Kunden das Geld zum Ausgeben. Ob kürzere Öffnungszeiten also wirklich zur Krisenbewältigung taugen, wird sich zeigen.