Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

Olivenernte statt Weinanbau

Aug. 11, 2026

Die Keller sind voll, die Lage ist ernst – der Weinbau ist in der Krise. Deshalb dürfen rheinhessische Weinbaubetriebe jetzt ihren überschüssigen Wein in hochprozentigen Industriealkohol umwandeln, andere Winzer suchen nach Alternativen zum Wein – in der Pfalz und im Zellertal setzen zwei Weinbauern auf Oliven.
Die Früchte sind noch klein und brauchen ein paar Monate, bis sie reif sind. Die Olivenbäume von Kristof Puder stehen erst seit rund 2 Wochen im Niefernheimer Boden. Neben seinen Reben. Aus einer, wie er selbst sagt, Bierlaune heraus kam der Winzer auf die Olive. Zusammen mit einem Freund, hat er herumgesponnen, was er alles mit seinen Traubenvollerntern noch ernten kann, um die Maschinen auszulasten.

Kristof Puder, Winzer aus dem Zellertal
„Und dann kam zur Sprache, dass Mandeln geerntet werden können, Oliven, mittlerweile fangen sie auch mit Orangen an. Und dann war das Thema Orangen noch ein bisschen sehr zukunftsträchtig in Deutschland. Mandeln wachsen bei uns schon, bin ich aber nicht so der Freund von. Aber: Oliven, lass das mal weiterverfolgen. Und dann haben wir Ende November einen Ausflug nach Portugal gemacht und haben uns das ganze Spektakel mal angeguckt. Wie die geerntet werden, wie die verarbeitet werden.“

Seine 925 Pflanzen hat Kristof Puder in Spanien persönlich abgeholt. Verschiedene Sorten, um auszuprobieren, welche im Zellertal am besten funktionieren. In drei Jahren will er zum ersten Mal ernten. Weil es so trocken ist, bekommen die jungen Bäume Wasser aus dem hauseigenen Brunnen.

Kristof Puder, Winzer aus dem Zellertal
„Primär steht die Ölgewinnung im Vordergrund. Wir werden auch den Versuch wagen, die ein oder anderen Gläser zu probieren, wie es sich entwickelt. Was muss man beachten, wie ist es mit der Haltbarkeit der Oliven dann? Also es sind alles noch so Erfahrungen, die gesammelt werden müssen.“

Ingo Hofen aus Mußbach, baut seit drei Jahren Oliven an. Er hat über 2000 Pflanzen. Dieses Jahr ist perfekt heißes Olivenwetter. Seine Sorten vertragen aber auch leichten Frost. Schon seit 15 Jahren interessiert sich der Winzer für den Olivenanbau.

Ingo Hofen, Winzer aus der Pfalz
„Das Problem war halt: Bei uns bekommst du relativ wenige Informationen auf Deutsch. In den letzten Jahren habe ich durch diverse Social Media und Übersetzungsprogramme in den Rest von Europa geguckt und mir halt die Informationen zusammengesucht.“

Im November will der Winzer zum ersten Mal ernten. Noch ist er auf der Suche nach einer Mühle für die Ölgewinnung. Eine Olivenpflanze kostet ungefähr so viel wie eine neue Weinrebe. Die Krise im Weinbau spürt auch der Pfälzer Winzer. Für ihn und seine Frau sind die neuen südländischen Nachbarn der Reben die Zukunft und die Erfüllung eines Traums.

Ingo Hofen, Winzer aus der Pfalz
„Also bei mir im Betrieb schon, ich habe schon lange nach einer Alternative zur Rebe gesucht, ganz unabhängig von der aktuellen Weinkrise, sage ich mal so. Dass jetzt halt gerade der Zeitpunkt ist, wo ich die Olive gepflanzt habe, dass alles zusammenkommt, das war totaler Zufall.“
Kristof Puder, Winzer aus dem Zellertal
„Für mich ist die Olive nur ein Zusatzprodukt. Wir kommen aus dem Bereich Weinbau und Ackerbau. Die Ackerflächen haben wir seit 20 Jahren verpachtet, haben hier noch Potenzial, einige Flächen, wo wir dann auch unseren Olivenanbau forcieren könnten. Am Ende wird es im Weinbau so weitergehen: Wachsen oder weichen.“

Ob zusätzliches Standbein oder komplette Umorientierung. Wenn der Olive das rheinland-pfälzische Klima zusagt, dann könnte ihr Anbau eine Alternative für Winzer werden, die Schwierigkeiten haben, ihren Wein zu verkaufen. „Olivenöl aus Pfalz“ klingt als Marke so schlecht auch nicht.