Urteil gefallen – Lange Haftstrafe im Prozess um getöteten Zugbegleiter
Zehn Jahre Haft wegen Körperverletzung mit Todesfolge.
Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass der 26-jährige Iovanni V. den Zugbegleiter Serkan Çalar bei einer Fahrkartenkontrolle mit mehreren Faustschlägen getötet hat. Einen Tötungsvorsatz sieht das Gericht aber nicht. Entscheidend war unter anderem das Verhalten des Täters nach der Tat.
Corinna Zellmann, Sprecherin des Landgerichts Zweibrücken
„Schließlich äußerte der Angeklagte gegenüber dem Zugbegleiter etwas in der Art wie ‚das wird ihm eine Lehre sein‘, was denklogisch voraussetzt, dass er davon ausging, dass der Zugbegleiter das Geschehen überlebt.“
Die Staatsanwaltschaft hatte zwölf Jahre Haft gefordert, die Nebenklage sogar eine Verurteilung wegen Mordes.
Yalçın Tekinoğlu, Anwalt der Nebenklage
„Serkan Çalar wurde mit mindestens vier Schlägen niedergestreckt und getötet. Und das Urteil heute ist für die Angehörigen und für die Familie ein weiterer Schlag ins Gesicht.“
Während der Anwalt der Nebenklage von einem „klaren Fehlurteil“ spricht, empfindet die Verteidigung das Strafmaß für den Angeklagten als zu hoch.
Barbara Schamma Verteidigerin
„Also sachlich ist es richtig. Es ist der richtige Strafrahmen, angenommen die Tat wurde sachlich richtig bewertet. Das Strafmaß ist in unseren Augen zu hoch.“
Dimitrios Giannadakis, Verteidiger
„Wir haben plädiert auf minderschwerer Fall. Minderschwerer Fall der Körperverletzung mit Todesfolge fängt bei einem Jahr an.“
Ein emotionaler Prozess, der bundesweit für Aufsehen sorgte, geht damit zu Ende. Zum Prozessauftakt waren viele Angehörige des Opfers erschienen. Heute blieb die Familie der Urteilsverkündung fern.
Yalçın Tekinoğlu, Anwalt der Nebenklage
„Die Familie hatte hier sechs Hauptverhandlungstage sehr aufmerksam, sehr geduldig zugehört. Hatte dem Täter unmittelbar gegenüber gesessen und musste leider ertragen, wie der Täter nicht eine Reaktion, nicht ein Anzeichen von Reue gezeigt hat. Selbst als wir uns das Video von der Tat unzählige Male angeschaut haben, hat sich beim Täter überhaupt nichts geregt.“
Einige Kollegen des getöteten Zugbegleiters verfolgen heute den letzten Prozesstag im Gerichtsaal. Das Urteil für sie: zu milde.
Lejla Kamencic
„Dass wir im Stich gelassen werden von jedem. Das ist wie ein Freifahrtschein für alle anderen, die uns weiterhin attackieren können. Die wissen ja, es passiert eh nichts. Nach ein paar Jahren bin ich draußen.“
Thomas Löffler, Security Manager der DB Regio Mitte
„Die Übergriffszahlen steigen und steigen und steigen. Also man merkt wirklich eine Verrohung der Gesellschaft und da bin ich vom heutigen Urteil schon enttäuscht, weil ich mir erhofft habe – ja, ich muss ganz ehrlich sagen – eine Signalwirkung, ein hohes Urteil, ein hohes Strafmaß, dass man sagt: ‚So geht’s nicht. Der Staat steht hinter euch.‘ Aber das Gegenteil ist der Fall mit zehn Jahren leider.“
Rechtskräftig ist das Urteil noch nicht. Die Familie von Serkan Çalar will vor den Bundesgerichtshof ziehen und den Schuldspruch prüfen lassen.









