Zu Gast im Studio: Bildungsministerin Ute Eiling-Hütig (CDU)
Markus Appelmann spricht mit ihr über ihre Pläne und mögliche Veränderungen ib der rheinland-pfälzischen Bildunspolitik.
Markus Appelmann, Moderator:
Und jetzt ist die neue Bildungsministerin von Rheinland-Pfalz bei uns im Studio. Ute Eiling-Hütig, ich grüße Sie.
Ute Eiling-Hütig (CDU), Bildungsministerin RLP:
Grüß Gott!
Appelmann:
Ja, wir haben gerade eben gesehen. Viele waren überrascht, dass die CDU für das Bildungsministerium kämpft und dann keine eigene Bildungsministerin hat. Sie dürften auf der anderen Seite aber auch überrascht gewesen sein über den Anruf, oder?
Eiling-Hütig:
Ja, der hat mich tatsächlich überrascht. Es war auch für mich gleich eine große Ehre, gefragt zu werden. Und deswegen bin ich auch sehr dankbar, denn das ist mein Lieblingsthema, was ich bisher immer bearbeitet habe und auch weiterhin gerne machen möchte.
Appelmann:
Wenn man so einen Anruf bekommt, sagt man dann direkt zu oder muss man dann auch ganz kurz mit der Familie sprechen?
Eiling-Hütig:
Also auf jeden Fall ein kurzes Gespräch mit der Familie. Die Entscheidung ist nach 24 Stunden gefallen.
Appelmann:
Okay, Sie haben zugesagt. Sie stehen jetzt hier bei uns im Studio zum Antrittsbesuch. Fünf Wochen sind Sie jetzt Bildungsministerin von Rheinland-Pfalz. Sie hatten also die Möglichkeit, so ein bisschen Ihr Haus zu durchleuchten. Welche Note würden Sie der Bildungspolitik der Vorgänger-, der Ampelregierung geben?
Eiling-Hütig:
Ich gebe keine Noten. Ich schaue mir das jetzt in Ruhe an und wir werden sicherlich einiges anders machen. Aber die Grundvoraussetzung ist, dass wir für die Kinder und Jugendlichen das beste System schaffen.
Appelmann:
Und Sie wissen, dass da viel Luft nach oben ist.
Eiling-Hütig:
Unter Umständen, ja.
Appelmann:
Und diese Herausforderung, die schauen wir uns jetzt gemeinsam an in Sachen Bildungspolitik in Rheinland-Pfalz.
———-
Schwächere Leistungen, mehr Kinder mit Förderbedarf, mehr Wiederholer: Das Bildungssystem in Rheinland-Pfalz steht vor großen Herausforderungen.
Besonders kritisch ist die Lage bei den Jüngsten: Mehr als 3.000 Erstklässler müssen inzwischen die erste Klasse wiederholen – fast jedes zwölfte Kind. Vielen fehlen grundlegende Sprach-, Motorik- und Konzentrationsfähigkeiten.
So berichtet auch Barbara Mächtle, die Leiterin der Gräfenau-Grundschule in Ludwigshafen. Dort müssen jedes Jahr ungewöhnlich viele Kinder die erste Klasse wiederholen – dieses Jahr sind es 41. Sie sieht dringenden Handlungsbedarf:
Barbara Mächtle, Leiterin Grundschule Gräfenau Ludwigshafen
„Wir wünschen uns ja schon lange, dass die Kinder entweder mit besseren Voraussetzungen in die Schule kämen, was den Vorschulbereich betrifft, das würde uns Lehrkräfte entlasten, weil die Kinder selbstständiger sind, mehr Sprachkenntnisse haben, mehr Kenntnisse in den vorläufer Fähigkeiten, was natürlich die Arbeit mit ihnen vereinfacht. Wenn das nicht der Fall ist benötigen wir tatsächlich in den Klassen mehr Personal, um diese Kinder auffangen zu können.“
Um solche Defizite zu verringern, plant die neue Landesregierung ein verpflichtendes Vorschuljahr. Wie das Modell aussehen soll und wann es startet, ist noch offen. Kritik kommt von der GEW.
Christine Herz, GEW RLP
„Es muss von Anfang an genug Zeit, genug Ressourcen, genug Personal in den Kitas vorhanden sein, damit die Kinder von Anfang an gute frühkindliche Bildung erfahren können. Deswegen haben wir immer gesagt wir halten nichts von einem plötzlichen Sprint am Ende mit einem verpflichteten Jahr, sondern es muss von Anfang an hier endlich auf die Wissenschaft gehört werden und die Ressourcen müssen bereitgestellt werden.“
Zusätzlich plant die Landesregierung verpflichtende Sprachtests ab viereinhalb Jahren und eine Grundschulgarantie mit Unterricht und Betreuung von 8 bis 14 Uhr, zunächst an ausgewählten Modellschulen.
Auch an den Schulen selbst soll sich etwas ändern. Die neue Bildungsministerin Ute Eiling-Hütig will private Handys im Unterricht verbieten. Damit verfolgt sie einen strengeren Kurs als ihr Vorgänger Sven Teuber, der den Schulen diese Entscheidung selbst überlassen hatte.
Und auch nach der Schulzeit bleiben die Herausforderungen groß: Vielen Jugendlichen fällt der Übergang von der Schule in den Beruf immer schwerer.
Arne Rössel, IHK Arbeitsgemeinschaft RLP
„Wir haben eine Standortumfrage bei den Betrieben gemacht zur Standortqualität in Rheinland-Pfalz und das war ein ausreichend. Und ich glaube das ist auch das, was die Unternehmer für die Schulpolitik an Note vergeben würden, weil sie zunehmend immer berichten über die Defizite, die viele junge Leute aus der Schule mitbringen, das man Grundrechenarten, Lesen, Schreiben, Rechnen, soziale Tugenden stark nacharbeiten muss beim Ausbildungsbeginn.“
Während für die Schüler jetzt die erste Ferienwoche beginnt, wartet auf die neue Bildungsministerin ein voller Stundenplan.
———-
Appelmann:
Viel zu tun für die neue Bildungsministerin. Wir haben gerade eben gehört, ein “Ausreichend” gibt Ihnen die Wirtschaft. Da müssen Sie viel tun, damit der Übergang zwischen Schule und Beruf besser klappt.
Eiling-Hütig:
Also was wichtig ist, dass die Jugendlichen sich auch selber besser einschätzen können. Das, glaube ich, ist ein Ding, was wir angehen sollten. Dass man nachhalten kann, wo stehe ich, und daran werden wir arbeiten.
Appelmann:
Wir haben gerade eben gehört , das große Thema: ein verpflichtendes letztes. Kitajahr, das fordert ja auch Barbara Mächtle, die Leiterin der Gräfenau-Grundschule. Im Koalitionsvertrag ist von einem “verbindlichen letzten Kitajahr” die Rede. Wird es denn kommen? Wie wird es kommen?
Eiling-Hütig:
Also es wird auf jeden Fall etwas kommen. Ob man nun das ein verbindliches letztes Kitajahr nennt oder vielleicht eine Art Vorschuljahr und dann mit einer höheren Verpflichtung. Richtig ist, dass anderthalb Jahre vorm Grundschulalter, vorm Grundschuleinstieg geprüft wird., wie sind die Sprachkenntnisse? Und deswegen ist es sehr wichtig, dann im letzten Jahr vor der ersten Klasse auch wirklich diese 15 Wochenstunden mitzunehmen, zu lernen und dann mit einem relativ homogenen Niveau Sprachniveau auch in die Schule starten zu können, damit man nicht gleich am Anfang schon abgehängt wird. Wie das ausgestaltet wird, das überlegen wir jetzt und werden wir dann auf den Weg bringen.
Appelmann:
Sie werden 1000 Sprachbeauftragte einstellen, aber Sie können momentan die Eltern nicht anweisen, ihre Kinder in die Kita zu schicken. Das funktioniert ja momentan noch nicht so richtig.
Eiling-Hütig:
Es gehen bereits 98 % der Kinder in die Kita. Wir reden also von 2 %, die dort nicht sind.
Appelmann:
Die aber eher das Problem dann darstellen.
Eiling-Hütig:
Genau, deswegen wird man überlegen, wie man das gestaltet. Ob es eher eine Verpflichtung wird, dass man es als Vorschuljahr nimmt von der Seite aus, oder ob man eben sagt, ein letztes verbindliches Kitajahr, aber das sind wie gesagt Dinge, die wir jetzt in den nächsten Monaten uns genau anschauen müssen.
Appelmann:
Aber Gordon Schnieder, der Ministerpräsident, hat bei uns im Sommerinterview gesagt, er will, dass es kommt, und es wird kommen.
Eiling-Hütig:
Kommen tut es auf jeden Fall. Die Frage ist halt, wie.
Appelmann:
Sie kämpften schon in Bayern für ein Handyverbot an Schulen. Jetzt steht im Koalitionsvertrag auch drin, dass es kommen soll in Rheinland-Pfalz. Wie sieht es da aus momentan?
Eiling-Hütig:
Auch das planen wir im Augenblick. Es geht vor allen Dingen und das möchte ich deutlich machen, um die private Handynutzung während der Schulzeit. Das heißt, vor allen Dingen auch in den Pausen, auch auf dem Schulhof. Ich glaube, dass das da nicht hingehört und wir die Kinder etwas entlasten sollten. Der Druck soll etwas gesenkt werden, was die Bildschirmzeiten anbelangt. Deswegen: Das wird definitiv kommen. Auch das überlegen wir im Augenblick, wie wir das ausgestalten werden.
Appelmann:
Das heißt also weniger Bildschirmzeit, mehr Pausenhof. Gilt das dann auch für Kinder, die 16, 17, 18 Jahre alt sind?
Eiling-Hütig:
Wir überlegen ja gerade, bis zu welchem Schuljahr es gelten sollte. Sie haben ja Bayern erwähnt. Da ist es jetzt bis Ende der siebten Klasse eingeführt. Wir werden schauen, wie weit wir das hier machen. Wichtig ist, dass Sie die Bildschirmzeit in der Unterrichtszeit nutzen können. Wenn es darum geht, wirklich Dinge zu lernen.
Appelmann:
Also auch Medienkompetenz aufzubauen.
Eiling-Hütig:
Selbstverständlich. Also das muss natürlich parallel laufen, auch zu wissen, auf was man sich einlässt. Was sind Fake News? Wie entstehen Dinge durch KI, ChatGPT etc. Das müssen die Kinder können, wenn sie später ins Berufsleben starten. Aber sie brauchen keine private soziale Teilhabe, denn die entsteht doch eher über Präsenz und direkte Ansprache gegenseitig.
Appelmann:
Dann war noch ein Thema drin. Ihr Vorgänger hat unangekündigte Hausaufgabenüberprüfungen verboten. Das fand die CDU im Wahlkampf nicht so richtig gut und hat gesagt: Das drehen wir zurück. Wird’s jetzt wirklich zurückgedreht?
Eiling-Hütig:
Das schauen wir uns auch an! Ich bin, wie gesagt, erst fünf Wochen dabei. Aber das ist ein ganz wichtiger Punkt für mich, weil ich Stegreifaufgaben und unangekündigte oder auch mündlichen Prüfung durchaus eine hohe Bedeutung beimesse jetzt im Zeitalter von KI und ChatGPT. Auch diese Prüfungskultur werden wir uns im Einzelnen anschauen. Es wird jetzt keine Schnellschüsse geben, sondern wir werden genau überlegen, welche Instrumente brauchen auch die Lehrkräfte, um wirklich zu wissen, was in den Köpfen der Schülerinnen und Schüler los ist.
Appelmann:
Sie schauen sich das an und wir schauen dann an, was Sie sich anschauen und werden Sie dann hier wieder begrüßen im Studio. Danke für den Antrittsbesuch, Ute Eiling Hüttig, die Bildungsministerin von Rheinland-Pfalz.
Eiling-Hütig:
Vielen Dank Ihnen.
Markus Appelmann, Moderator:
Und jetzt ist die neue Bildungsministerin von Rheinland-Pfalz bei uns im Studio. Ute Eiling-Hütig, ich grüße Sie.
Ute Eiling-Hütig (CDU), Bildungsministerin RLP:
Grüß Gott!
Appelmann:
Ja, wir haben gerade eben gesehen. Viele waren überrascht, dass die CDU für das Bildungsministerium kämpft und dann keine eigene Bildungsministerin hat. Sie dürften auf der anderen Seite aber auch überrascht gewesen sein über den Anruf, oder?
Eiling-Hütig:
Ja, der hat mich tatsächlich überrascht. Es war auch für mich gleich eine große Ehre, gefragt zu werden. Und deswegen bin ich auch sehr dankbar, denn das ist mein Lieblingsthema, was ich bisher immer bearbeitet habe und auch weiterhin gerne machen möchte.
Appelmann:
Wenn man so einen Anruf bekommt, sagt man dann direkt zu oder muss man dann auch ganz kurz mit der Familie sprechen?
Eiling-Hütig:
Also auf jeden Fall ein kurzes Gespräch mit der Familie. Die Entscheidung ist nach 24 Stunden gefallen.
Appelmann:
Okay, Sie haben zugesagt. Sie stehen jetzt hier bei uns im Studio zum Antrittsbesuch. Fünf Wochen sind Sie jetzt Bildungsministerin von Rheinland-Pfalz. Sie hatten also die Möglichkeit, so ein bisschen Ihr Haus zu durchleuchten. Welche Note würden Sie der Bildungspolitik der Vorgänger-, der Ampelregierung geben?
Eiling-Hütig:
Ich gebe keine Noten. Ich schaue mir das jetzt in Ruhe an und wir werden sicherlich einiges anders machen. Aber die Grundvoraussetzung ist, dass wir für die Kinder und Jugendlichen das beste System schaffen.
Appelmann:
Und Sie wissen, dass da viel Luft nach oben ist.
Eiling-Hütig:
Unter Umständen, ja.
Appelmann:
Und diese Herausforderung, die schauen wir uns jetzt gemeinsam an in Sachen Bildungspolitik in Rheinland-Pfalz.
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Schwächere Leistungen, mehr Kinder mit Förderbedarf, mehr Wiederholer: Das Bildungssystem in Rheinland-Pfalz steht vor großen Herausforderungen.
Besonders kritisch ist die Lage bei den Jüngsten: Mehr als 3.000 Erstklässler müssen inzwischen die erste Klasse wiederholen – fast jedes zwölfte Kind. Vielen fehlen grundlegende Sprach-, Motorik- und Konzentrationsfähigkeiten.
So berichtet auch Barbara Mächtle, die Leiterin der Gräfenau-Grundschule in Ludwigshafen. Dort müssen jedes Jahr ungewöhnlich viele Kinder die erste Klasse wiederholen – dieses Jahr sind es 41. Sie sieht dringenden Handlungsbedarf:
Barbara Mächtle, Leiterin Grundschule Gräfenau Ludwigshafen
„Wir wünschen uns ja schon lange, dass die Kinder entweder mit besseren Voraussetzungen in die Schule kämen, was den Vorschulbereich betrifft, das würde uns Lehrkräfte entlasten, weil die Kinder selbstständiger sind, mehr Sprachkenntnisse haben, mehr Kenntnisse in den vorläufer Fähigkeiten, was natürlich die Arbeit mit ihnen vereinfacht. Wenn das nicht der Fall ist benötigen wir tatsächlich in den Klassen mehr Personal, um diese Kinder auffangen zu können.“
Um solche Defizite zu verringern, plant die neue Landesregierung ein verpflichtendes Vorschuljahr. Wie das Modell aussehen soll und wann es startet, ist noch offen. Kritik kommt von der GEW.
Christine Herz, GEW RLP
„Es muss von Anfang an genug Zeit, genug Ressourcen, genug Personal in den Kitas vorhanden sein, damit die Kinder von Anfang an gute frühkindliche Bildung erfahren können. Deswegen haben wir immer gesagt wir halten nichts von einem plötzlichen Sprint am Ende mit einem verpflichteten Jahr, sondern es muss von Anfang an hier endlich auf die Wissenschaft gehört werden und die Ressourcen müssen bereitgestellt werden.“
Zusätzlich plant die Landesregierung verpflichtende Sprachtests ab viereinhalb Jahren und eine Grundschulgarantie mit Unterricht und Betreuung von 8 bis 14 Uhr, zunächst an ausgewählten Modellschulen.
Auch an den Schulen selbst soll sich etwas ändern. Die neue Bildungsministerin Ute Eiling-Hütig will private Handys im Unterricht verbieten. Damit verfolgt sie einen strengeren Kurs als ihr Vorgänger Sven Teuber, der den Schulen diese Entscheidung selbst überlassen hatte.
Und auch nach der Schulzeit bleiben die Herausforderungen groß: Vielen Jugendlichen fällt der Übergang von der Schule in den Beruf immer schwerer.
Arne Rössel, IHK Arbeitsgemeinschaft RLP
„Wir haben eine Standortumfrage bei den Betrieben gemacht zur Standortqualität in Rheinland-Pfalz und das war ein ausreichend. Und ich glaube das ist auch das, was die Unternehmer für die Schulpolitik an Note vergeben würden, weil sie zunehmend immer berichten über die Defizite, die viele junge Leute aus der Schule mitbringen, das man Grundrechenarten, Lesen, Schreiben, Rechnen, soziale Tugenden stark nacharbeiten muss beim Ausbildungsbeginn.“
Während für die Schüler jetzt die erste Ferienwoche beginnt, wartet auf die neue Bildungsministerin ein voller Stundenplan.
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Appelmann:
Viel zu tun für die neue Bildungsministerin. Wir haben gerade eben gehört, ein “Ausreichend” gibt Ihnen die Wirtschaft. Da müssen Sie viel tun, damit der Übergang zwischen Schule und Beruf besser klappt.
Eiling-Hütig:
Also was wichtig ist, dass die Jugendlichen sich auch selber besser einschätzen können. Das, glaube ich, ist ein Ding, was wir angehen sollten. Dass man nachhalten kann, wo stehe ich, und daran werden wir arbeiten.
Appelmann:
Wir haben gerade eben gehört , das große Thema: ein verpflichtendes letztes. Kitajahr, das fordert ja auch Barbara Mächtle, die Leiterin der Gräfenau-Grundschule. Im Koalitionsvertrag ist von einem “verbindlichen letzten Kitajahr” die Rede. Wird es denn kommen? Wie wird es kommen?
Eiling-Hütig:
Also es wird auf jeden Fall etwas kommen. Ob man nun das ein verbindliches letztes Kitajahr nennt oder vielleicht eine Art Vorschuljahr und dann mit einer höheren Verpflichtung. Richtig ist, dass anderthalb Jahre vorm Grundschulalter, vorm Grundschuleinstieg geprüft wird., wie sind die Sprachkenntnisse? Und deswegen ist es sehr wichtig, dann im letzten Jahr vor der ersten Klasse auch wirklich diese 15 Wochenstunden mitzunehmen, zu lernen und dann mit einem relativ homogenen Niveau Sprachniveau auch in die Schule starten zu können, damit man nicht gleich am Anfang schon abgehängt wird. Wie das ausgestaltet wird, das überlegen wir jetzt und werden wir dann auf den Weg bringen.
Appelmann:
Sie werden 1000 Sprachbeauftragte einstellen, aber Sie können momentan die Eltern nicht anweisen, ihre Kinder in die Kita zu schicken. Das funktioniert ja momentan noch nicht so richtig.
Eiling-Hütig:
Es gehen bereits 98 % der Kinder in die Kita. Wir reden also von 2 %, die dort nicht sind.
Appelmann:
Die aber eher das Problem dann darstellen.
Eiling-Hütig:
Genau, deswegen wird man überlegen, wie man das gestaltet. Ob es eher eine Verpflichtung wird, dass man es als Vorschuljahr nimmt von der Seite aus, oder ob man eben sagt, ein letztes verbindliches Kitajahr, aber das sind wie gesagt Dinge, die wir jetzt in den nächsten Monaten uns genau anschauen müssen.
Appelmann:
Aber Gordon Schnieder, der Ministerpräsident, hat bei uns im Sommerinterview gesagt, er will, dass es kommt, und es wird kommen.
Eiling-Hütig:
Kommen tut es auf jeden Fall. Die Frage ist halt, wie.
Appelmann:
Sie kämpften schon in Bayern für ein Handyverbot an Schulen. Jetzt steht im Koalitionsvertrag auch drin, dass es kommen soll in Rheinland-Pfalz. Wie sieht es da aus momentan?
Eiling-Hütig:
Auch das planen wir im Augenblick. Es geht vor allen Dingen und das möchte ich deutlich machen, um die private Handynutzung während der Schulzeit. Das heißt, vor allen Dingen auch in den Pausen, auch auf dem Schulhof. Ich glaube, dass das da nicht hingehört und wir die Kinder etwas entlasten sollten. Der Druck soll etwas gesenkt werden, was die Bildschirmzeiten anbelangt. Deswegen: Das wird definitiv kommen. Auch das überlegen wir im Augenblick, wie wir das ausgestalten werden.
Appelmann:
Das heißt also weniger Bildschirmzeit, mehr Pausenhof. Gilt das dann auch für Kinder, die 16, 17, 18 Jahre alt sind?
Eiling-Hütig:
Wir überlegen ja gerade, bis zu welchem Schuljahr es gelten sollte. Sie haben ja Bayern erwähnt. Da ist es jetzt bis Ende der siebten Klasse eingeführt. Wir werden schauen, wie weit wir das hier machen. Wichtig ist, dass Sie die Bildschirmzeit in der Unterrichtszeit nutzen können. Wenn es darum geht, wirklich Dinge zu lernen.
Appelmann:
Also auch Medienkompetenz aufzubauen.
Eiling-Hütig:
Selbstverständlich. Also das muss natürlich parallel laufen, auch zu wissen, auf was man sich einlässt. Was sind Fake News? Wie entstehen Dinge durch KI, ChatGPT etc. Das müssen die Kinder können, wenn sie später ins Berufsleben starten. Aber sie brauchen keine private soziale Teilhabe, denn die entsteht doch eher über Präsenz und direkte Ansprache gegenseitig.
Appelmann:
Dann war noch ein Thema drin. Ihr Vorgänger hat unangekündigte Hausaufgabenüberprüfungen verboten. Das fand die CDU im Wahlkampf nicht so richtig gut und hat gesagt: Das drehen wir zurück. Wird’s jetzt wirklich zurückgedreht?
Eiling-Hütig:
Das schauen wir uns auch an! Ich bin, wie gesagt, erst fünf Wochen dabei. Aber das ist ein ganz wichtiger Punkt für mich, weil ich Stegreifaufgaben und unangekündigte oder auch mündlichen Prüfung durchaus eine hohe Bedeutung beimesse jetzt im Zeitalter von KI und ChatGPT. Auch diese Prüfungskultur werden wir uns im Einzelnen anschauen. Es wird jetzt keine Schnellschüsse geben, sondern wir werden genau überlegen, welche Instrumente brauchen auch die Lehrkräfte, um wirklich zu wissen, was in den Köpfen der Schülerinnen und Schüler los ist.
Appelmann:
Sie schauen sich das an und wir schauen dann an, was Sie sich anschauen und werden Sie dann hier wieder begrüßen im Studio. Danke für den Antrittsbesuch, Ute Eiling Hüttig, die Bildungsministerin von Rheinland-Pfalz.
Eiling-Hütig:
Vielen Dank Ihnen.









