Streit um Schulfach „Digitale Welt“
Das Schulfach „Digitale Welt“ in Hessen steht vor dem Aus – zumindest in seiner bisherigen Form. Dabei galt das Fach bislang als Vorzeigeprojekt: Seit dem Schuljahr 2022/23 wurde es an rund 80 Schulen in den Klassen 5 und 6 unterrichtet.
Die Inhalte gingen dabei deutlich über klassischen Informatikunterricht hinaus. Es ging um den Umgang mit sozialen Medien, das Erkennen von Fake News, Datenschutz, erste Einblicke in Programmierung – und auch um die Funktionsweise von Künstlicher Intelligenz.
Ziel ist es, allen Schülern früh grundlegende digitale Kompetenzen zu vermitteln.
Ab dem Schuljahr 2026/27 soll das Fach aber nicht mehr fest im Stundenplan stehen, sondern nur noch als freiwilliges Ganztagsangebot unterrichtet werden.
Armin Schwarz (CDU), Kultusminister Hessen
„Mit der Überführung in den Ganztag ermöglichen wir zukünftig 600 Schulen ‚Digitale Welt‘ umzusetzen. Mit bewährten Konzepten, mit bewährten Materialien und mit bewährten Fortbildungen.“
Tatsächlich plant das Land, das Angebot flächendeckend auszuweiten. Kritiker bezweifeln jedoch, dass das in der Praxis funktioniert. Ohne feste Verankerung im Stundenplan drohe das Fach vielerorts schlicht wegzufallen – etwa, wenn Personal fehlt, denn zusätzliche Lehrstellen sind nicht vorgesehen. Auch die Opposition wirft der Regierung vor, ein wichtiges Zukunftsfach faktisch abzuschaffen.
Moritz Promny (FDP), Abgeordneter Landtag Hessen
„Das ist bildungspolitisch das falsche Signal der Landesregierung. Sie senden das Signal der Kürzungen und senden nicht das Signal, dass man digitale Skills ausbauen will. Ganz im Gegenteil, hier wird der Rotstift angesetzt und das ist falsch.“
Daniel May (Bündnis 90 / Die Grünen), Abgeordneter Landtag Hessen
„Man stelle sich vor wir würden so über den Mathematikunterricht reden. Wir würden sagen ‚naja dann machen wir jetzt in der fünften Klasse keinen Mathematikunterricht mehr, das kann man vielleicht am Ganztag so ein bisschen machen‘. Daran wird doch ganz deutlich, wie falsch die Entscheidung ist. Wir müssten doch viel mehr zu der Entscheidung kommen, dass digitale Bildung für alle Schülerinnen und Schüler nötig ist.“
Und genau diese seien am Ende auch die Leidtragenden. Viele befürchten, dass das Fach ohne festen Platz im Stundenplan an Bedeutung verliert.
Laurenz Spies, Landesschulsprecher Hessen
„Die digitale Welt ist zwar was Schönes, aber sie bietet eben auch viele Gefahren. Wir Schülerinnen und Schüler haben von Anfang an gesagt, dass dieses Fach „digitale Welt“ genau das ist was wir brauchen. Wir brauchen Medienbildung, am besten flächendeckend. Und wir sind einfach entsetzt, dass die Landesregierung jetzt entgegen unseren Willen das Fach im Prinzip einstampft, freiwillig macht und nicht auf unsere Wünsche und unsere Bedürfnisse hört.““
Die Debatte berührt eine grundsätzliche Frage: Welche Rolle soll digitale Bildung künftig in Schulen spielen? Fest steht: Die Entscheidung aus Hessen dürfte Signalwirkung haben – und die Diskussion über digitale Bildung in ganz Deutschland weiter verschärfen.









