Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Energiepreis verschärft Chemiekrise

Apr. 16, 2026

Das Ifo-Wirtschaftsinstitut schlägt Alarm: In der Chemiebranche sieht es düster aus. Schon lange kämpft die Branche mit hohen Energiekosten – seit dem Krieg im Nahen und Mittleren Osten sind jetzt noch hohe Öl- und Rohstoffpreise dazugekommen. Für Rheinland-Pfalz ist die Chemiebranche einer der wichtigsten Industriezweige: Das größte Chemieunternehmen der Welt, die BASF, hat hier ihren Stammsitz, außerdem viele kleine und mittelständische Unternehmen. Wir werfen einen Blick auf die aktuelle Lage.
Martina Nighswonger ist im Krisenmodus. Sie ist Geschäftsführerin des mittelständischen Chemiebetriebes Gechem in Kleinkarlbach in der Pfalz. Das Unternehmen produziert unter anderem Tabs zum Reinigen von Spül- und Kaffeemaschinen. Im vergangenen Jahr ist Gechem zum ersten Mal seit langer Zeit in die roten Zahlen gerutscht. Der Grund ist für Nighswonger klar: Die Standortbedingungen hier in Deutschland.

Martina Nighswonger, Geschäftsführende Gesellschafterin GECHEM
„Überbordende Bürokratie – insbesondere im Mittelstand – macht uns fertig, weil wir kriegen das gar nicht mehr gestemmt. Ja, dazu kommt dann halt, wir fallen von einer Krise in die nächste. (…) Meine Strompreise haben sich seit 2022 etwa verdoppelt und die Gaspreise eben auch. Und das steckt man nicht einfach so weg.“

Die Chemische Industrie ist mit rund 45.000 Menschen der umsatzstärkste Industriezweig in Rheinland-Pfalz.
In Ludwigshafen hat das weltgrößte Chemieunternehmen, die BASF, ihren Hauptsitz. Im Februar hat der Konzern Bilanz gezogen. Eine düstere Bilanz.
Der Chemie-Riese kämpft vor allem mit hohen Personalkosten und hohen Energiepreisen. Schon seit Jahren schreibt die BASF an ihrem Stammsitz rote Zahlen.
Eine Konsequenz: Stellenabbau. Rund 4.800 Stellen wurden allein in den vergangenen zwei Jahren gestrichen. Rund die Hälfte davon in Deutschland.
Und auch für dieses Jahr sei keine Verbesserung der Geschäfte in Sicht.

Markus Kamieth, Vorstandsvorsitzender BASF, am 27.02.26
„Aus heutiger Sicht rechnen wir kurzfristig weder mit einer nennenswerten Markterholung noch mit einer deutlichen Entspannung der geopolitischen Lage.“

Das war am 27. Februar. Wenige Stunden nach dieser Pressekonferenz beginnen Israel und die USA den Iran anzugreifen.
Eine Folge: Die Ölpreise steigen deutlich.
Der Krieg verschlechtert die ohnehin schon angespannte Lage der Chemiebranche weiter.
Laut aktueller Konjunkturumfrage des ifo-Instituts beurteilen die Chemie-Unternehmen ihre Geschäftslage im März deutlich schlechter als noch im Februar. Und auch die Erwartungen für die kommenden Monate haben sich merklich eingetrübt.
Das kann auch Martina Nighswonger bestätigen. Auch für ihre Firma haben sich unter anderem die Preise für Rohstoffe deutlich erhöht.
Kriege und Krisen, dazu schlechte Standortbedingungen – eine mehr als harte Zeit für deutsche Mittelständler, sagt die Geschäftsführerin aus der Pfalz.

Martina Nighswonger, Geschäftsführende Gesellschafterin GECHEM
„Mein Eindruck ist: Die größeren Mittelständler, die versuchen zu verlagern, wenn sie das können und haben im Ausland noch irgendwelche Möglichkeiten. Die mittleren verkaufen und die kleinen verabschieden sich.“

Verlagern, verkaufen, verabschieden. Düstere Aussichten für den Mittelstand – auch im wohl wichtigsten rheinland-pfälzischen Industriezweig: der Chemiebranche.