Hessischer Datenschutzbericht vorgestellt
Ein Mann wird vorübergehend festgenommen. In der Zelle der Polizeistation beginnt er mit sexuellen Handlungen an sich selbst. Drei Polizisten machen Fotos vom Überwachungsvideo und verbreiten die Aufnahmen in privaten WhatsApp-Chats. Eine eindeutige Verletzung des Datenschutzes. Es sind Fälle wie dieser, um die sich der hessische Datenschutzbeauftragte Alexander Roßnagel kümmert. Und immer mehr Menschen wenden sich an seine Behörde. So steigt die Zahl der Beschwerden im vergangenen Jahr auf ein Allzeithoch von über 6.000. Ein sprunghafter Anstieg im Vergleich zum Vorjahr, der laut Roßnagel auch darauf zuzuführen ist, dass …
Alexander Roßnagel, Hessischer Datenschutzbeauftragter
„… viele KI-Bots nutzen, um ihre Beschwerde zu schreiben. Also sich nicht mehr mühsam hinsetzen müssen und sich überlegen müssen, wie melde ich diesen Fall der Datenschutzaufsicht. Sondern die lassen das von KI schreiben.“
Roßnagel geht davon aus, dass mit der weiter zunehmenden Digitalisierung die Zahl der Beschwerden noch weiter steigen wird.
Alexander Roßnagel, Hessischer Datenschutzbeauftragter
„Wenn die Steigerung der Fälle noch weitergeht, dann ist es ohne zusätzliches Personal nicht mehr möglich, die Aufgaben der Datenschutzaufsicht zu erfüllen.“
In den vergangenen vier Jahren habe sich das Arbeitsaufkommen seiner Behörde mehr als verdoppelt. Die Pläne der schwarz-roten Bundesregierung, den Datenschutz in einer zentralen Bundesbehörde zu bündeln, sieht Roßnagel jedoch kritisch.
Alexander Roßnagel, Hessischer Datenschutzbeauftragter
„Wenn man alles zusammenzählt, dann sind das etwa hunderttausend Beschwerden, die von den Landesdatenschutzbeauftragten im Jahr bearbeitet werden. Wollte man von denen einen sehr großen Teil auf die Bundesebene verlagern, hieße das, man müsste auf Bundesebene 500 neue Stellen schaffen. Das ist kein Beispiel für Bürokratieabbau.“
Besonders besorgniserregend sei, dass auch Cyberangriffe auf Dienstleister immer häufiger und raffinierter werden. Ein gelungener Angriff bedeute gleich hunderte Fälle von Datenschutzverletzungen.
Wie die wachsende Zahl an Beschwerden künftig bewältigt werden soll, bleibt heute offen. Klar ist aber: Mit der fortschreitenden Digitalisierung wird künftig mehr in den Datenschutz investiert werden müssen.









