Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Stromnetz bremst Windradbau aus

Apr. 13, 2026

Rheinland-Pfalz hinkt seinen eigenen Zielen beim Ausbau von Wind- und Solarenergie seit Jahren hinterher. Ein zentraler Grund: die Stromnetze. In vielen Regionen sind sie bereits ausgelastet – neuer Ökostrom kann oft gar nicht mehr aufgenommen werden. Besonders deutlich zeigt sich das Problem aktuell in der Westpfalz.
Auf diesem Feld in Mehlingen sollen eigentlich drei Windräder entstehen. 15.000 Haushalte könnten so mit grünem Strom versorgt werden. Der Gemeinderat hat dem Projekt bereits zugestimmt. Trotzdem glaubt Mehlingens  Bürgermeisterin Kristina Zick nicht, dass das Projekt noch umgesetzt wird. Denn: Aktuell könnten die Windräder nicht an das Stromnetz angeschlossen werden. Nach über 6 Jahren Planung für die Gemeinde frustrierend.

Kristina Zick (SPD), Ortsbürgermeisterin Mehlingen
„Das war einfach auch sehr viel Arbeit, die Menschen davon zu überzeugen, weil es gibt ja nicht nur Menschen, die Windräder gut finden. Das darf man einfach nicht unterschätzen, wie viel hinter diesen Genehmigungsverfahren steckt, bis man mal so ein Windrad bauen darf. Und dass es dann letztendlich an der Einspeisung scheitert, ist natürlich super ärgerlich.“

Deutschlandweit wächst der Ausbau erneuerbarer Energien schneller als die Stromnetze. In der Westpfalz ist das Problem besonders stark, denn hier wird mehr Strom produziert als verbraucht.
Laut Pfalzwerken, dem zuständigen Netzbetreiber in der Region, fehlt aktuell für mehrere dutzend Projekte, wie hier in Mehlingen, der Netzanschluss.

Pfalzwerke
„Die Netzsituation in der Region ist angespannt. In den vergangenen Jahren sind zahlreiche neue Erzeugungsanlagen – Wind & PV – in Betrieb gegangen. (…) Eine zusätzliche uneingeschränkte Einspeisung an der genannten Infrastruktur wäre derzeit nicht möglich, ohne die Netz- und Versorgungssicherheit zu gefährden. (…) Wir arbeiten daher an der Verstärkung unseres Netzes.“

Doch genau dieser Ausbau dauert. Für Henrik te Heesen, Professor für Erneuerbare Energien an der Hochschule Trier müssen insbesondere Genehmigungsverfahren für den Netzausbau vereinfacht werden.

Henrik te Heesen, Professor für Erneuerbare Energien Hochschule Trier
„Bei den Windenergieanlagen haben wir jetzt eine Beschleunigung durch den Bürokratieabbau. Da dauert es jetzt statt fünf nur noch drei Jahre, um einen Windpark zu planen und zu errichten. Der Netzausbau ist deutlich komplexer. Also bei Hochspannungsleistungen beispielsweise dauert es zwischen acht und zwölf Jahren, bis die Leitungen gezogen werden.“

In Mehlingen könnten die Stromnetze frühstens bis 2032 ausreichend ausgebaut sein. Für Mehlingens Bürgermeisterin schwer nachvollziehbar.

Kristina Zick (SPD), Ortsbürgermeisterin Mehlingen
„Es ist total frustrierend, weil man sich überlegt: Sind die Problematiken, die wir in unserem Land haben, nicht zu Ende gedacht?“

Das Energieunternehmen Vattenfall will weiterhin an seinen Plänen in Mehlingen festhalten. Klar ist aber: Ohne schnelleren Netzausbau werden viele Vorhaben in der Westpfalz weiter auf der Strecke bleiben.