Seit gut fünf Jahren ist der Jüdische Friedhof in Mainz UNESCO-Weltkulturerbe. Die jahrhundertealten Grabsteine dokumentieren die Geschichte des einstigen Zentrums des Judentums. Doch der Zahn der Zeit nagt an ihnen, ein Großteil muss aufwändig restauriert werden. Ein Langzeitprojekt, für das die Stadt jetzt weitere finanzielle Unterstützung erhält.
Der Alte Jüdische Friedhof in Mainz, er gilt als einer der ältesten in ganz Europa. Die hebräischen und deutschen Inschriften bezeugen Leben, Wirken und religiöse Traditionen der jüdischen Gemeinde, vor und nach ihrer Vertreibung im 15. Jahrhundert. Die ältesten Grabsteine stammen aus dem 11. Jahrhundert und haben ebenfalls eine bewegte Geschichte hinter sich.
Aharon Ran Vernikovsky, Rabbiner Jüdische Kultusgemeinde Mainz – Rheinhessen
„Dann wurden sie Jahrhunderte später weggetragen, zweckentfremdet, geschändet. Sie dienten als Baumaterial. Und dann wurden sie gefunden, gesichert und durch meinen Vorvorgänger, kann man sagen, Rabbiner Sali Levi, Rabbiner der jüdischen Gemeinde Mainz, in den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts, von ihm wurden sie dann wieder hier aufgestellt.“
Insgesamt 1.700 Grabsteine stehen hier, viele sind aus Sandstein und mittlerweile stark verwittert. Damit sie wieder sicher stehen und ihre Inschriften erhalten bleiben, lässt die Stadt Mainz einen Großteil bis 2033 restaurieren. Geschützt unter Hauben, damit sie trocknen und nach fachgerechter Behandlung aushärten können. 150 Steine sind bereits gesichert, weitere 70 sollen in diesem Jahr folgen.
Nino Haase (parteilos), Oberbürgermeister Mainz
„In Zeiten, wo wir viele Konflikte auf der Welt haben, wo auch Antisemitismus und generell das Thema Ausgrenzung an vielen Stellen hochkocht, ist es wichtig, die gemeinsame kulturelle Herkunft zu betonen. Und das tun wir hier, zusammen mit dem Besucherzentrum, mit der Restaurierung des Friedhofs, ihn mehr in unsere Stadtöffentlichkeit wieder zu ziehen.“
Die spendenfinanzierte Deutsche Stiftung Denkmalschutz fördert die Arbeiten an den Grabsteinen mit 85.000 Euro. Das deckt ein Drittel der Kosten für dieses Jahr, den Rest teilen sich Stadt und Land. Noch im Bau ist dieses Besucherzentrum, das im Spätsommer eröffnet werden soll. Dann können sich Besucher auch abseits von Führungen über die Geschichte des Friedhofs und des Judentums in Mainz informieren.
