Fast sechs Millionen Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig. Die meisten von ihnen werden zuhause versorgt – von Angehörigen. Aber wie pflege ich richtig? Und die wohl schwierigste Frage: Wie kümmere ich mich um einen Menschen, wenn er im Sterben liegt? Antworten gibt jetzt der Hospizverein Kaiserslautern im Letzte-Hilfe-Kurs.
Seit 13 Jahren pflegt Sabine Johannsen Ihre Mutter. Gemeinsam mit ihrem Bruder teilt sie sich die Aufgaben. Heute hat sie Frühschicht: Hilft ihrer demenzkranken Mutter aus dem Bett, wäscht sie, hilft ihr beim Frühstück.
Sabine Johannsen
„Das war für mich am Anfang auch eine Überwindung, weil man hat seine Mutter ja nie von Kopf bis Fuß geduscht. Aber sie hat mir dann gesagt: Das tut gut.“
Mittlerweile ist die Pflege für sie Routine geworden. Stolze 102 Jahre ist Sabine Johannsens Mutter – die alle nur liebevoll Winnie Puh nennen – alt. Das Thema Tod und Sterben hat die Familie lange verdrängt.
Sabine Johannsen
„Als jetzt unsere Mutter die Lungenentzündung und dieses Jahr diesen Infekt hatte und es wirklich ein schmaler Grat war, ob sie es schafft oder nicht, da wird man immer noch mitten ins Herz getroffen. Und trotzdem möchte man, dass es der Person so geht, wie sie es möchte.“
Ihre Mutter wünscht sich, zu Hause zu sterben. Sabine Johannsen möchte ihr diesen Wunsch erfüllen, stellt sich aber viele Fragen. Antworten findet die 72-Jährige beim Hospizverein Kaiserslautern. Dieser bietet einen sogenannten Letzte Hilfe Kurs an, der Angehörigen Orientierung geben soll im Umgang mit Sterben, Tod und Trauer.
Anette Borchers, Hospizverein Kaiserslautern
„Unruhe, veränderte Atmung, rasselnde Atmung, das ist das, was, man oft sieht am Ende des Lebens. Allein schon die Aufklärung darüber, was passiert in den letzten drei Tagen. Wann beginnt überhaupt das Lebensende, wann beginnt das aktive Sterben? Wann fängt man an zu sterben? Drei Monate vorher oder nur in den letzten drei Tagen, wo ich nicht mehr essen und trinken kann? Es ist so ein breites Thema, wo viele Facetten besprochen werden.“
Im Kurs lernen die Teilnehmenden praktisch, wie sie mit solchen Situationen umgehen können.
Anette Borchers, Hospizverein Kaiserslautern
„Die Unruhe in der Sterbephase hat verschiedene Facetten. Manchmal ist es auch so, dass Patienten anfangen zu nesteln, nach oben greifen, an der Bettdecke zupfen.“
Beruhigen lassen sich Sterbende dann durch Berührungen, Musik oder spezielle Kissen, erklärt Borchers. Sabine Johannsen gibt der Kurs vor allem Sicherheit.
Sabine Johannsen
„Wenn es auf das Ende zugeht, dass man Dinge, vor denen man selbst Angst hat, vielleicht gelassener sehen kann oder erklären kann, warum das so ist. Zum Beispiel, wenn ein Mensch nicht mehr essen oder trinken will, dann hat der das für sich entschieden. Das ist als Angehöriger unheimlich schwer, dass zu akzeptieren. Aber ich hoffe, dass uns das gelingt, wenn das bei meiner Mutter so sein sollte, dass wir das zulassen.“
Für sie geht es darum, vorbereitet zu sein. Damit am Ende die gemeinsame Zeit mit ihrer Mutter das Wichtigste bleibt.
