Menschen steigen freiwillig in Wasser, das kälter ist als ihr Kühlschrank. Manche nennen es Wahnsinn – andere nennen es Gesundheit.
Das Thermometer zeigt: Nur 8 Grad Wassertemperatur. Für die meisten viel zu kalt – für diese Schwimmer nicht. Sie steigen in den See, Woche für Woche, bei jedem Wetter. Eisbaden gehört für sie einfach dazu. Entscheidend ist die richtige Vorbereitung.
Monika Thurner, Eisschwimmerin
„In die Atmung einzutauchen, also schon außerhalb in so eine entspannte vier auf vier einatmen, bisschen die Atmung halten, auf acht ausatmen, da kann ich den Parasympathikus beruhigen.“
Der sogenannte Parasympathikus – auch „Ruhenerv“ genannt – sorgt dafür, dass der Körper herunterfährt und neue Energie aufbaut. Die Durchblutung wird angeregt, das Immunsystem aktiviert und Entzündungen können gehemmt werden. Adrenalin und Endorphine schießen in die Höhe – viele berichten von einem regelrechten Glücksgefühl nach dem Bad.
Monika Thurner, Heilpraktikerin für Psychotherapie und Eisschwimmerin
„Der Körper reguliert die Stresshormone mit Glückshormone. Das ist ein Vorgang das macht der ganz automatisch, wenn du eben nicht in dieser Schockgeschichte hängen bleibst, sondern aus eigener Kraft diesen Zustand bewältigst, du bist nicht mehr ohnmächtig. Das Gehirn merkt sich diesen Vorgang und kann sich auch in anderen Situationen regulieren.“
Wie weit man ins Wasser geht, entscheidet jeder selbst. Manche schwimmen ein paar Meter und bleiben in Bewegung, andere verharren ruhig im Wasser. Hände und Kopf bleiben dabei oft über Wasser, denn hier verliert der Körper besonders schnell Wärme.
Eisbaden ist längst mehr als ein Nischensport. Die Community wächst stetig – sogar international. Bei der Weltmeisterschaft in Finnland wagen sich rund 1700 Teilnehmer aus 50 Ländern ins eiskalte Wasser – bei minus 1 Grad, ohne Neoprenanzug. Mit dabei: Simone und Saimir aus Hessen.
Saimir Karaj, Eisschwimmer
„Freistil war da 50m und da hab ich unerwartet Platz 1 gemacht in meinem Rennen.“
Simone Flügge, Eisschwimmerin
„Es sind nur verrückte Leute da. Jeden Tag wird gefeiert, egal wer als Erster ins Ziel kommt oder als Letzter, jeder ist da der Held, der überhaupt in dieses Wasser geht.“
Simone leidet unter einer chronischen Erkrankung. An manchen Tagen schmerzt ihr ganzer Körper. Im regelmäßigen Eisbaden findet sie Linderung.
Simone Flügge
„Im Wasser hab ich keine Schmerzen mehr, die Schmerzen sind weg. Das ist unglaublich. Und wenn ich aus dem Wasser rauskomme, geht’s mir auch seelisch so gut. Man schüttet ja diese bestimmten Hormone aus, diese Glückshormone und es ist einfach ein ganz anderes Lebensgefühl. Seit ich schwimme, ich bin ein ganz anderer Mensch geworden.“
So positiv die Effekte auch sind – Eisbaden ist nicht für jeden geeignet. Vor allem für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen kann der plötzliche Kältereiz gefährlich werden, weil der Blutdruck stark ansteigt.
Umso wichtiger ist danach der richtige Umgang mit dem Körper: langsam wieder aufwärmen und zur Ruhe kommen. Denn erst in der Erholung entfaltet das kalte Bad seine Wirkung und bringt ein Gefühl von Wärme, Stärke und innerer Ausgeglichenheit.
