Streaming, Online-Shopping, Künstliche Intelligenz – all das braucht große Internet-Leistung und Rechenzentren. Der weltweit größte Knotenpunkt ist Frankfurt-Rhein-Main, doch der scheint nun sein Limit zu erreichen. Denn der benötigte Strom ist Mangelware, wie unser Beispiel zeigt.
Bis zu 1.000 Serverschränke passen in das Firstcolo-Rechenzentrum im Frankfurter Osten, das entspricht dem Stromverbrauch von zehnmal so vielen Haushalten. Firmengründer Jerome Evans will die Leistungsstärke gern noch erhöhen und das Rechenzentrum ausbauen. Doch das geht nicht, denn: In Frankfurt gibt es für die kommenden zehn Jahre nicht genug Strom für neue Rechenzentren.
Jerome Evans, Geschäftsführer Firstcolo
„Wir haben teilweise große Lagerhallen leer stehen, die wir nicht bestromen können und die Center -Infrastruktur ausbauen können. Das ist für mich extrem frustrierend, das ist für unsere Kunden auch sehr frustrierend.“
Der Frankfurter Stromversorger Mainova stößt an seine Grenzen. Zuletzt hat die Stadt einen neuen Rekord von über 850 Megawatt an einem Tag verbraucht, sonst sind es unter 800 Megawatt. Pro Jahr würden bis zu zehn Betreiber neue Rechenzentren in Frankfurt bauen wollen, das sei einfach zu viel.
Mainova AG
„Vor diesem Hintergrund ist korrekt, dass neu angemeldete, große Anschlussleistungen – wie sie Rechenzentren typischerweise benötigen – voraussichtlich erst ab der Mitte der 2030er wieder vollumfänglich bereitgestellt werden können.“
In den kommenden Jahren will die Mainova die Netzkapazität schrittweise verdoppeln, zehn neue Umspannwerke sollen entstehen – doch die Maßnahmen laufen erst an. Rechenzentrumsbetreiber Jerome Evans macht auch die Politik verantwortlich, die habe den digitalen Trend verschlafen. Parallel stellt die hessische Digitalministerin Kristina Sinemus eine neue Rechenzentren-Agenda vor: Kommunen sollen bei der Planung unterstützt und Bürokratie abgebaut werden – das Stromproblem rückt aber erst auf Nachfrage in den Vordergrund.
Kristina Sinemus (CDU), Digitalministerin Hessen
„Wenn sich die unterschiedlichen Betreiber, Kommunen und Abnehmer zusammensetzen und von vornherein diese Themen als Herausforderung mitdenken, werden wir in eine andere Planung kommen in Zukunft.“
Die Ministerin verweist auf Gespräche mit dem hessischen Wirtschaftsministerium, Ergebnisse sollen im Sommer vorgestellt werden. Solange will Firstcolo nicht warten und hat außerhalb Frankfurts gesucht. Doch auch dort ist es schwierig.
Jerome Evans, Geschäftsführer Firstcolo
„Ich habe mir in den letzten zwölf Monaten allein 50 Grundstücke angeguckt. Davon hatten im Prinzip 48 keinen Strom.“
In Maintal östlich von Frankfurt plant ein Betreiber schon ein eigenes Gaskraftwerk für sein neues Rechenzentrum. Soweit denkt Jerome Evans noch nicht, sagt aber auch: Angesichts der aktuellen Situation kommen Rechenzentren künftig nicht um eine eigene Stromversorgung herum.
