Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Vor fast vier Jahren erschütterte ein Antisemitismus-Skandal die Kasseler documenta, eine der weltweit wichtigsten Ausstellungen für zeitgenössische Kunst. Und der hat nun ein juristisches Nachspiel: Eine jüdische Klägerin fordert vor dem Kasseler Amtsgericht Schmerzensgeld von der documenta; wegen „anti-jüdischer Beleidigung“.
Es geht vorrangig um dieses Bild: „People‘s Justice“ des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi. Das Werk fällt auf – durch seine antisemitische Bildsprache, die jüdisches Leben diffamiert und stark an NS-Propaganda erinnert. Prominent ausgestellt bei der documenta fifteen im Jahr 2022, mitten in Kassel. Nach heftiger öffentlicher Kritik wird das Banner zunächst verhüllt, dann ganz abgebaut. Vor dem Amtsgericht Kassel fordert Bernadette Gottschalk heute 1500 Euro Schmerzensgeld von der documenta. Die 77-jährige Jüdin fühlt sich von den Karikaturen in ihrer Persönlichkeit tief verletzt.

Bernadette Gottschalk, Klägerin
„Sie haben mich wieder spüren lassen, dass es wieder soweit ist: Man kann in Deutschland gegen Juden öffentlich hetzen. Dieses Hetze-Gesicht, ich bin nicht so. Aber ich soll so gesehen werden.“

Dagegen wehrt sie sich juristisch, die documenta hätte das Bild nicht öffentlich ausstellen dürfen. Fast ihre gesamte Familie sei von den Nazis ermordet worden. Sie selbst habe jahrelang Drohbriefe bekommen, ihr Wohnhaus sei mit schwarzer Farbe beschmiert worden und mehr.

Bernadette Gottschalk, Klägerin
„Ich habe die Verantwortung, auch für meine Verwandten, dass ich jeder Judenhetze entgegentrete. Deswegen bin ich auch hier. Kunstfreiheit ist kein Freibrief für Judenhetze und Diffamierung von Juden.“

Vor Gericht schlagen Bernadette Gottschalk und ihr Anwalt einen Vergleich vor: Die documenta solle sich bei ihr und dem jüdischen Volk entschuldigen und einen symbolischen Betrag an eine jüdische Gemeinde spenden. Die documenta lehnt das ab. Man habe mehrfach Bedauern ausgedrückt, juristisch sei man aber anderer Auffassung und wolle für die Zukunft Rechtssicherheit. Das Urteil wird für den 15. April erwartet.