Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Rund zwei Kilo Altkleider wirft jeder Deutsche pro Jahr in Sammelcontainer – doch die Sortierung ist mühsam und aufwendig. Ein Darmstädter Unternehmen automatisiert diesen Prozess jetzt mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz und Robotik. Das bisher einzigartige System könnte die Altkleidersortierung in Deutschland komplett verändern.
Das alte Shirt, die viel zu enge Jeans oder das ausrangierte Hemd – alles landet irgendwann im Altkleidercontainer. Nach der Leerung geht es direkt in die Sortieranlage, wo jedes Stück geprüft wird. Genau hier setzt Desion an. Das Darmstädter Unternehmen automatisiert die Sortierung mit Computer Vision, Robotik und Künstlicher Intelligenz – und ersetzt damit die bisherige Handarbeit.

Dirk Siegmund, Geschäftsführer Desion GmbH
„Wir wollen den Prozess automatisieren, weil die Textilsortierer wie auch die Wäscherein haben halt einfach das Problem Fachkräfte zu finden, die den Job noch machen wollen. Das ist eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, die körperlich hart ist.“

Zunächst greifen Roboter jedes Textil einzeln und prüfen es im freien Fall. Kleidungsstücke, die eine genauere Analyse brauchen, werden im nächsten Schritt ausgebreitet. Kameras erfassen die Kleidung aus mehreren Perspektiven und liefern die Daten an eine KI-Software. Sie erkennt Kategorie, Material, Qualität und mögliche Defekte. So entscheidet die Künstliche Intelligenz, ob ein Kleidungsstück weiter als Secondhand genutzt wird oder in die Materialverwertung geht.

Dirk Siegmund, Geschäftsführer Desion GmbH
„Wir wollen möglichst viel der Wertschöpfungskette in Deutschland behalte. Das wir eben nicht dahin kommen, dass wir unsere Altkleider ins Ausland exportieren müssen, sondern wir wollen die hier in Deutschland sortieren. Und möglichste auch dafür sorgen, dass viel Kleidung wieder genutzt werden kann. Also wiederverkauft werden kann in Deutschland.“

Das Inspektionssystem soll vor allem in Textilsortierern und Wäschereien eingesetzt werden. Das Land Hessen unterstützt das Projekt mit 160.000 Euro.

Kristina Sinemus (CDU), Digitalministerin Hessen
„Es ist eine Arbeitserleichterung, die einerseits Textilkreislaufwirtschaft optimiert, auf der anderen Seite, aber auch das Thema Nachhaltigkeit, CO2-Einsparung in den Mittelpunkt stellt und am Ende des Tages noch eine herausragende Technologie.“

Mit der Technik können bis zu 600 Artikel pro Stunde analysiert werden – ein System, das es so bisher in Deutschland nicht gibt. Noch handelt es sich um einen Prototyp – bis zum breiten Einsatz in Unternehmen wird es etwas dauern, aber das Interesse ist schon jetzt groß.