Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

Über 150 Bewerbungen auf zwei Stellen – das klingt nach einem ziemlich begehrten Job. Konkret geht es um zwei Ausbildungsplätze als Bühnenmaler am Staatstheater Wiesbaden. Und diese hohen Bewerberzahlen sind dort absolut keine Ausnahme. Höchste Zeit also, sich diesen beliebten Ausbildungsplatz genauer anzuschauen.
Präzision, Fingerspitzengefühl und eine ruhige Hand sind hier täglich gefragt. Statt am Tisch zu sitzen, arbeiten die Bühnenmaler im Großformat – mit langen Pinseln und Kohle verlängert durch einen Zeichenstock.
Natalie Steinmetz ist im dritten Lehrjahr. Ihre Leidenschaft für Theater und Kunst hat sie damals zu diesem Beruf geführt.

Natalie Steinmetz, Auszubildende im 3. Lehrjahr
„Ich glaube das besondere an unserem Beruf ist, dass es so vielfältig ist. Natürlich hat man Sachen, die man öfter macht, zum Beispiel Backstein. Aber es ist immer irgendwie eine andere Anwendung oder andere Sachen, die so ein bisschen tricky sind. Und das fordert einfach und ist immer irgendwie spannend und interessant.“

Was Nathalie macht, wollen auch Cara und Emely schaffen. Sie arbeiten gerade zur Probe  und gehören zu den letzten sechs Bewerbern. Schon jetzt wissen sie: Bühnenmaler setzen die Ideen der Bühnenbildner ins Großformat um.
Wichtig ist da – Zeichnen nach Vorlage. Dafür wird zuerst mit Kohle vorgemalt, dann grundiert – und am Ende folgt die Ausarbeitung mit Farbe.
Veronika Moos arbeitet seit 44 Jahren im Malsaal des Staatstheater Wiesbaden – hier hat sie selbst ihre Ausbildung begonnen und ist dem Theater bis heute treu. Die neuen Bewerber müssen vielfältige Malkenntnisse mitbringen.

Veronika Moos, Malsaalchefin Staatstheater Wiesbaden
„Im allergünstigsten Falle sollten sie künstlerisch begabt sein, zeichnen können, ein gutes Farbgefühl haben, vor allen Dingen auch Ahnung von Anatomie. Also anatomische Grundkenntnisse im Zeichnen sind absolut notwendig, weil wir natürlich auch viel Figurenmalerei und klassische Malerei betreiben. Also es ist jetzt nicht so, dass wir frei vor uns hinmalen, wie wir wollen.“

Derzeit wird an dem Prospekt für die Oper „Die Vögel“ von Walter Braunfels gearbeitet, die noch Ende März Premiere feiert. Bühnenbilder entstehen  in Teamarbeit: Acht  Leute  setzen hier gemeinsam jedes Detail um.

Veronika Moos, Malsaalchefin Staatstheater Wiesbaden
„Unsere größte Herausforderung, die wir haben ist, dass wir zu wenig Leute, zu wenig Geld, zu wenig Platz und im Vergleich dazu sehr viele Aufgaben, die innerhalb einer kurzen Zeit gelöst und umgesetzt werden müssen. Das ist zu weilen ein bisschen tricky, aber das ist eigentlich so die Hauptherausforderung., wie man das irgendwie dann doch noch managen, dass es klappt.“

Weniger Sorgen macht sich die Malsaalchefin da über Künstliche Intelligenz oder neue Druckverfahren, die das Handwerk ersetzen könnten.

Veronika Moos, Malsaalchefin Staatstheater Wiesbaden
„Die gedruckte Oberfläche braucht erstmal eine gute Vorlage, die überhaupt druckfähig ist, dann haben ganz häufig die Druckergebnisse nicht die Tiefenwirkung wie die Malerei, das ist eigentlich das Hauptproblem, das ist ganz oft schlimm pixelig und damit verliert es jede Form der Tiefenschärfe, da sind wir als Bühnenmaler einfach viel besser und das Wissen auch tatsächlich alle Bühnenbildner.“

Bühnenmalerei also ein Beruf mit Zukunft – so lange es Theater gibt, bleibt das Handwerk unverzichtbar.