Wer psychische Probleme hat, sucht sich am besten Hilfe bei einem ausgebildeten Psychologen. Und die gibt es in Deutschland auch für besonders sensible Tiere – und zwar Pferde. Michael Weil ist einer von ihnen. Sein Leben lang arbeitet er als Unfall-Forensiker, bis er in der Rente zum Pferdepsychologen umschult. Wir haben ihn bei seiner Arbeit begleitet
Hengst „Impi“ ist unruhig. Die Situation ist neu für ihn, der aufgebaute Parcours macht ihn nervös. So ist es schwer, mit Impi zu arbeiten. Pferdepsychologe Michael Weil bleibt ganz ruhig und hält sich erst mal an die Basics: In Bewegung bleiben, dem Pferd Raum lassen, aber trotzdem Grenzen setzen. Kein Druck und schon gar keine Gewalt. Aber eine Sache muss Impi verstehen lernen:
„Ich werde nicht aufgeben. Ich stehe über ihm.“
Wenig später dann tatsächlich der Schulterschluss.
„Alles gut. Alles gut, alles gut. Alles gut mein Süßer. Alles gut, alles gut. Jajaja. Alles gut mein Schatz. Du bist ein ganz toller. Komm wir gehen. Ganz toll mein Süßer.“
Eigentlich interessiert sich nur Michael Weils Frau für Pferde. Erst als sie ihm erzählt, dass ihre Stute panische Angst vor Männern habe, horcht er auf. Aus Interesse fährt Weil zum Stall, will sich das Tier ansehen. Die Begegnung verläuft anders als erwartet.
Michael Weil, Pferdepsychologe
„Da waren halt fünf Stück, so nebeneinander. Und für mich haben die alle gleich ausgesehen. Ich konnte die gar nicht auseinanderhalten. Waren alle braun, haben alle so eine weiße Blesse gehabt. Dann habe ich gedacht: Die Céline, die wird sich gleich präsentieren, ich werde gleich wissen, wer das ist. Es hat sich dann aber keiner so auffällig verhalten, dass man gemerkt hat: Das kann sie ja eigentlich nur sein. Das war so wie jetzt eigentlich. Sie hat so den Kopf rausgestreckt, ich hatte ihr eine Karotte gegeben und dann hat sie so wie jetzt den Kopf an mich angelehnt und hat mal tief durchgeschnauft. Ich hab dann gesagt: Hier bist du am falschen Stall, also das ist sie auf jeden Fall nicht.“
Seine Frau erkennt seine Gabe und ermuntert ihn mit 63 Jahren noch für ein Studium: „Pferdepsychologie.“ Michael Weil lernt, die Körpersprache der Tiere zu verstehen. Und mit seinem eigenen Körper Signale zu senden.
Michael Weil, Pferdepsychologe
„Also er weiß zum Beispiel, wenn ich auf ihn zugehe und ich tipp ihn kurz an: Er soll einen Schritt zurückgehen. Das muss man einem Pferd nicht beibringen, Pferde kennen das. Weil ein anderes Pferd hätte das jetzt mit den Nüstern gemacht. Wenn er nicht zurückgegangen wäre, einfach mal ganz kurz mit den Nüstern angetippt.“
Michael Weil gibt sein Wissen an andere weiter, zeigt wie der Umgang zwischen Mensch und Pferd harmonisch verläuft. Seine Philosophie:
Michael Weil, Pferdepsychologe
„Dass wir unser Vokabular den Pferden nicht beibringen können, ist klar. Aber wir können deren Sprache lernen, weil sie ist einfach. Und die kann jeder lernen. Und du lernst die vor allem, wenn du Pferde einfach beobachtest.“
Michael Weil ist sicher: Man muss kein Pferdepsychologe sein, um Pferde wie Hengst „Impi“ zur Ruhe zu bringen. Geduld, Ruhe und grundlegende Basics reichen, um am Ende des Tages mit einem gemeinsamen Spaziergang belohnt zu werden.
