Seit Tagen ist draußen herrlicher Sonnenschein, da kommen so langsam auch die Fledermäuse aus ihren Winterquartieren. Im ehemaligen Steinbruch Kalkofen in Wiesbaden denkt man schon an den nächsten Winter: dort entsteht Hessens größtes Fledermaus-Winterquartier.
Herzlich willkommen in der Winterresidenz „Fledermaustunnel“. Kühl, dunkel und feucht – Der ideale Ort für einen langen tiefen Schlaf. Zumindest, wenn man die Fledermäuse fragen könnte. Denn im Winter brauchen die genau diese Bedingungen.
Olaf Godmann, Arbeitsgemeinschaft für Fledermausschutz
„Diese kalte Jahreszeit gibt’s ja keine Nahrung. Von daher müssen sie in den Winterschlaf. Und sie suchen sich das Quartier, das sie über den Sommer kennengelernt haben. Die brauchen ein sicheres Quartier, das auch ne hohe Luftfeuchtigkeit hat und zugluftfrei ist. Und sie schlafen hier einfach. Sie senken ihre Körpertemperatur, passen das der Umgebungstemperatur an und verbrauchen so quasi fast keine Energie.“
Momentan ist niemand zuhause, für den Winterschlaf ist es den Fledermäusen inzwischen zu warm. Wohnungsbesichtigungen können sie hier im Tunnel aber auch im Sommer machen. Und sich dabei zwischen drei Wohnungstypen entscheiden. Beliebt bei den kleinen Zwergfledermäusen sind die Hohlblocksteine und die Porotonsteine. In den Hohlräumen lässt es sich ungestört überwintern. Für andere Fledermausarten, sind die Spaltenquartiere ideal.
Olaf Godmann, Arbeitsgemeinschaft für Fledermausschutz
„Manche Arten kriechen gerne rein, haben so einen Bauch-Rücken-Kontakt, andere Arten hängen frei, die würden sich dann eher außen an die Steine hängen. Und vor allem diese hohe Luftfeuchtigkeit, das ist ganz wichtig, was die Tiere halt brauchen.“
Der 300 Meter lange Tunnel ist dafür perfekt. Wo bis 2003 LKW Gestein transportiert haben, haben diesen Winter tatsächlich schon die ersten Zwergfledermäuse gewohnt. Mit zwei Wänden gegen die Zugluft und Hängemöglichkeiten hat das Umweltamt Wiesbaden den Tunnel im vergangenen Jahr für die Fledermäuse hergerichtet
Alina Singer, Umweltamt Wiesbaden
„Sogenannte Primärlebensräume werden zerstört. Deshalb ist es sehr wichtig, dass wir als Menschen, die ja teilweise oder größtenteils eben die Verantwortung für diese Zerstörung tragen, auch gegensteuern, indem wir solche Sekundärlebensräume zur Verfügung stellen.“
Den Sommer über will das Umweltamt die Winterresidenz noch optimieren. Luftfeuchtigkeit regulieren und nach Bedarf noch mehr Hängemöglichkeiten schaffen. Ab Oktober können dann mehrere hundert Fledermäuse verschiedener Arten in die Winterresidenz „Fledermaustunnel“ einziehen.
