Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Das Aus für das geplante Batteriezellwerk in Kaiserslautern ist ein Schock für die ganze Region. Noch immer diskutieren Politik und Beteiligte darüber, wie das Projekt vielleicht doch noch kommen kann. Wenn das nicht klappt, soll es in Kaiserslautern Turbo-Gewerbeflächen geben. Eine ähnliche Idee hat man in Hessen bereits umgesetzt: Nach dem Aus für das Continentalwerk in Karben will die Stadt das Gelände in Eigenregie vermarkten.
Die Schranken bleiben nicht dauerhaft geschlossen auf dem Continental -Gelände in Karben, nur wenige Autominuten nördlich von Frankfurt. Einen zweistelligen Millionenbetrag legt die Stadt für die zwölf Hektar hin, über die genaue Summe  haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart. Ein durchaus gewagter Schritt. Für den Karbener Bürgermeister  aber genau der richtige.

Guido Rahn (CDU), Bürgermeister Karben
„Bevor ich einen Leerstand, eine Industrie-Brache habe und auf der anderen Seite auf dem grünen Acker im Prinzip neue Gewerbegebiete erschließen muss – dann kaufe ich doch lieber so was und kann aktiv gestalten. Ich kann den Branchenmix hier reinbringen. Ein bisschen Industrielastigkeit beseitigen, was wir bisher hatten. Und kann mitbestimmen, wer hier reinkommt.“

Vor sechs Jahren ging es heiß her in Karben: Über 1.000 Continental-Mitarbeiter demonstrieren gegen die damals angekündigte Schließung des Werks. Für die Stadt in der Wetterau ein Desaster -mitten in der Corona-Krise.

Guido Rahn (CDU), Bürgermeister Karben, am 13. April 2021
„Es wäre ein schwerer Schlag für die Stadt Karben, weil zehn Prozent unserer Arbeitsplätze bei der Conti sind. Wobei nicht alle Arbeitnehmer aus Karben kommen. Aber für die Region ist es natürlich ganz wichtig, dass so ein Werk erhalten bleibt. Beziehungsweise eine Lösung gefunden wird dafür.“

Nach langen Verhandlungen gibt es einen Kompromiss: Die Continental-Tochter Aumovio bleibt mit 200 Mitarbeitern in Karben und behält knapp ein Drittel des Werkgeländes. Die restliche Fläche will die Stadt vermieten. Wo einst Autoschläuche hergestellt wurden, könnten nun Karbener Firmen und Start-ups einziehen. Die ehemalige Kantine würde sich auch für Veranstaltungen eignen.

Guido Rahn (CDU), Bürgermeister Karben
„Jetzt haben wir mit drei Firmen konkrete Gespräche geführt und auch schon die ersten Führungen durchgeführt. Wir sind jetzt dabei, in den nächsten 14 Tagen einen Mietvertrag abzuschließen. Und bis Ende des Jahres wollen wir 70, 80 Prozent vermietet haben. Und dann sind wir eigentlich gut aufgestellt.“

Nur Logistikfirmen will der Bürgermeister  auf dem Gelände nicht haben. Die würden zu wenig neue Arbeitsplätze bei viel Flächenbedarf mitbringen. Anfang Juli soll der Kaufvertrag mit dem Automobilzulieferer endgültig unterschrieben werden.