Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Wenn Sie schnelle medizinische Versorgung brauchen, rufen Sie selbstverständlich den Notarzt. Der fährt so schnell wie möglich an und kann in den meisten Fällen eine ausreichende Erstversorgung leisten. Doch nicht alle Krankenwagen sind für jeden Notfall ausgestattet. In Gießen gibt es jetzt ein neues Fahrzeug, das genau solche Versorgungslücken schließen soll.
Wenn das Gießener „Medical Intervention Car“ ausrückt, geht es um besonders kritische Notfälle. Stationiert am Universitätsklinikum Gießen bringt das sogenannte MIC hochspezialisierte Notfallmedizin direkt zum Einsatzort.

Jon Magnus, Notfallsanitäter
„Das besondere an unserem Medical Intervention Car sind zum einen unsere Transfusionsbox, die Notfallblutkonserven mitführt. Das ist etwas was der normale Regelrettungsdienst nicht dabei hat. Des weiteren haben wir ein Kinderbeatmungsgerät dabei oder auch einen REBOA-Katheter, der Patienten die eine sehr schwere Verletzung erlitten haben das Leben retten kann.“

Dazu kommen noch jede Menge weiterer Gerätschaften, um unter anderem auch Notfälle bei kleinen Kindern behandeln zu können. Und auch die Besatzung des Fahrzeugs ist speziell.

Dr. Alexander Schlier, Sektionsleiter Notfallmedizin
„Bei uns werden nur Fachärzte auf dem Auto eingeteilt. Das sind alles Kollegen, die jahrelang in der Notfallmedizin tätig sind und auch spezielle Maßnahmen in der Klinik durchführen. Also das sind Kollegen, die dort im Schockraum arbeiten, dort die Maßnahmen erlernt haben und dann diese Maßnahmen auf der Straße durchführen.“

Medical Cars kommen eigentlich aus dem Motorsport. Im Zuge eines Pilotprojektes kommt es jetzt aber auch im Landkreis Gießen zum Einsatz. Zu welchen Einsätzen es ausrückt, bewertet die Leitstelle bei jedem Notruf neu.

Anita Schneider (SPD), Landrätin Gießen
„Es gibt ja eine standardisierte Abfrage in der Leitstelle und in diese Abfrage wurden eben auch nochmal Punkte übernommen, die dazu dienen können eine Entscheidung herbeizuführen das Medical Intervention Car einzusetzen.“

Das Johanniter-Fahrzeug kam im vergangenen Jahr über 50 mal zum Einsatz. In nicht wenigen Fällen konnten so Leben gerettet werden. Deshalb haben sich die beteiligten Institutionen  dazu entschieden, das Pilotprojekt zu verlängern. Der Standort Gießen spielt dabei eine wichtige Rolle.

Prof. Dr. Michael Sander, Chefarzt Anästhesie UKGM
„Es leben eben nicht die meisten Menschen in Europa in Metropolen, sondern in quasi Räumen wie diesen. Und wir versuchen hier eben in dieser Modellregion Erfahrungen zu sammeln, die dann für ganz Deutschland und letztendlich auch für Europa entsprechend denkbar sind und Zahlen liefert.“

So sammeln die Wissenschaftler der Justus-Liebig-Universität zugleich Daten darüber, wie oft zum Beispiel Blutkonserven bei Einsätzen hilfreich sind. Der Regelrettungsdienst soll durch das Medical  Interventon  Car  nicht ersetzt werden. Es soll unterstützend zum Einsatz kommen. Durch die Fachärzte vor Ort wird Expertise aus dem Krankenhaus dorthin gebracht, wo sie gebraucht wird.