Was können wir von Tieren und Pflanzen lernen, die fast 50 Millionen Jahre alt sind? Es geht um das Weltnaturerbe Grube Messel bei Darmstadt und um eine neue Ausstellung im Frankfurter Senckenberg Naturmuseum.
Weit offene gelbe Augen, ein ziemlich großer Schnabel. Imposant war auch der dazugehörige flugunfähige Laufvogel. Stolze 1,70 Meter groß. Das Modell des Diatryma im Senckenberg Naturmuseum ist ganz neu. Etwas furchteinflößender wirkt der pflanzenfressende Urvogel im Diorama, das die Grube Messel vor über 47 Millionen Jahren darstellt. Dort ist der Abdruck eines Knochens des riesigen Vogels gefunden worden.
Maike Schlegel, Kuratorin der Ausstellung
„Es ist ja immer ein Glücksfall, was man so entdeckt. Den Diatryma, den großen Laufvogel, den haben wir so als volles Skelett noch nicht finden können in Messel, aber es gibt quasi den Nachweis von einem Knochen, den wir da entdecken konnten, und wir wissen, von anderen Fundstellen, dass dieser Vogel zu der Zeit dort gelebt hat.“
Das Zeitalter heißt Eozän. Die Grube Messel: damals ein Vulkansee. Das Klima in Südhessen: subtropisch bis tropisch. Hier lebten besonders viele Vögel. Aber auch Schildkröten, die in der Ausstellung „Ganz schön warm hier“ bei der Paarung zu sehen sind. Vor über 47 Millionen Jahren sind sie dabei gestorben. Genauso wie diese versteinerte schwangere Kuh. Die Fossilien, die in der Grube Messel gefunden werden, sind so gut erhalten, weil es in den Tiefen des Vulkansees keinen Sauerstoff gab.
Maike Schlegel, Kuratorin am Senckenberg Naturmuseum
„Es gibt keine Bakterien, die für eine Zersetzung sorgen und so lagern sich die Fossilien ab, werden mit Sediment bedeckt und haben dieses erstaunlichen Erhaltungszustand.“
Dieser nahezu perfekte Erhaltungszustand, macht die Grube Messel zu einer weltweit einzigartigen Fossilien-Fundstätte. Mittlerweile können die Forscher ganz genau herausfinden, welches Tier von einem anderen gefressen wurde und auch, was das aufgefressene Tier vor seinem Tod verspeist hat.
Hagen von Klopotek, Kurator am Senckenberg Naturmuseum
„Wir haben hier zum Beispiel das Skelett eines Scheinraubtieres, was von einer Schlange gefressen worden ist und in dem Magen dieses Tieres finden sich noch weitere Knöchelchen, die man nur mit einem Mikro CT-Scanner finden konnte, wie wir vergrößert 3D gedruckt haben und so die Nahrungsketten in der Grube Messel vor 47 Millionen Jahren rekonstruieren kann. Das ist wirklich was Besonderes, so fein in die Fossilien schauen zu können.“
Damit der Besucher, die Arbeit der Forscher gut nachvollziehen kann, gibt es in der Ausstellung viele Modelle und Filme. „Ganz schön warm hier! Leben und Sterben in Messel“ bleibt bis zum 30. August im Frankfurt. Auch ein schwangeres Urpferd gibt es im Senckenberg Naturmuseum zu sehen. Im dazugehörigen Modell ist der Nachwuchs bereits frisch geschlüpft.
