Ihr SAT.1 Regionalmagazin für Rheinland-Pfalz und Hessen

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Die Diskussion um ein Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige nimmt Fahrt auf.
Markus Appelmann, Moderator:
Und darüber sprechen wir jetzt mit der Marburger Professorin Susanne Lin-Klitzing. Sie ist die Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes. Guten Abend, Frau Lin-Klitzing.
Susanne Lin-Klitzing, Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes:
Ich grüße Sie.
Appelmann:
Aus Ihrer Erfahrung als Lehrerin: Wie schädlich sind Soziale Medien?
Lin-Klitzing:
Es sind die Algorithmen in bestimmten Social-Media-Anwendungen wie TikTok. Die überemotionale und sensationslüsterne Inhalte versuchen uns und insbesondere die Kinder lange in der Plattform zu halten und sie abhängig zu machen. Das ist für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, für ihr Selbst und Weltbild schädlich.

Appelmann:
Wir haben es im Beitrag gesehen, sowohl CDU als auch SPD sind sich einig darüber, dass ein Verbot für unter 14-jährige kommen soll. Was sagen Sie: Ist das ein sinnvoller Vorstoß?
Lin-Klitzing:
Ich unterstütze den politischen Vorstoß eines solchen Social-Media-Verbots, aber es greift zu kurz. Wir brauchen viel mehr. Wir brauchen die Altersbegrenzung, die man aber auch umgehen kann. Wir brauchen auf jeden Fall eine harte Regulierung der Plattformen. Die harte Regulierung der Algorithmen. Und wir brauchen eine umfassende Medienerziehung, die zu Hause beginnt und in der Schule fortgeführt wird.
Appelmann:
Wäre das Social-Media-Verbot überhaupt machbar? Wäre es durchsetzbar?
Lin-Klitzing:
Das ist genau der Punkt. Die Juristen sagen, dass ein Social-Media-Verbot nur auf EU-Ebene umsetzbar wäre und die nationale Wirksamkeit begrenzt wäre. Und das heißt umso mehr, wir müssen für eine kluge Altersbeschränkung eintreten und die Kinder und Jugendlichen nicht außen vor lassen.

Appelmann:
Haben Sie das Gefühl, dass den Lehrern immer mehr aufgehalst wird? Mit anderen Worten: Haben Lehrer überhaupt genug Kompetenzen und vor allem Zeit, um ihre Schüler in Medienkompetenz zu unterrichten?
Lin-Klitzing:
Ja, wir müssen immer mehr machen. Wir haben das höchste Unterrichtsdeputat, die höchste Unterrichtsverpflichtung seit 100 Jahren, und wir müssen zusätzlich Gewaltprävention, Prävention gegen Rechtsextremismus, Medienerziehung und Ähnliches machen. Wir tun das gerne. Wir haben einen Erziehungs- und Bildungsauftrag, aber wir brauchen Unterstützung. Und wir brauchen bessere Arbeitsbedingungen.
Appelmann:
Social-Media-Verbot für Jugendliche Ja, aber auch mehr Medienkompetenz braucht es. Danke an die Marburger Professorin Susanne Lin-Klitzing.