Die Heiner-Rollis aus Darmstadt schreiben Sportgeschichte: Der inklusive Verein ist der Einzige im Umkreis von 220 Kilometern für Rollstuhlhandball. Vor zwei Jahren gegründet – haben sich die Darmstädter jetzt für die höchste deutsche Spielklasse qualifiziert: die Bundesliga. Wir haben die Heiner-Rollis bei einem Training besucht.
Samstagfrüh, 08:30 Uhr. Während andere noch schlafen heißt es hier in Darmstadt: Training! Zwei Mal die Woche üben die Heiner Rollis ihre Spielzüge – als einziger Rollstuhlhandball-Verein in ganz Hessen.
Martin Honcu, Spielertrainer Heiner-Rollis
„Wir spielen auf einem ganz normalen Handballfeld, 20 mal 40 Meter. Da gibt’s keine Unterschiede. Wir tun auch normal Dribbeln, wie ein normaler Handballer. Aber wir dürfen auch den Ball auf den Schoß nehmen, um dann mit beiden Händen Schwung zu holen. Weil wenn man dribbelt und mit einer Hand Schwung holt, dann fährt man automatisch eine Kurve und dann fährt man nicht mehr geradeaus.“
Die Tore sind 30 Zentimeter niedriger als sonst. Die Rollstühle: Sportgeräte der Spitzenklasse und ohne Bremsen, nicht für die Straße geeignet. Kostenpunkt rund 5.000,- Euro, finanziert durch Spenden. Spielertrainer Martin Honcu ist – seit 2024 – von Anfang an dabei.
Martin Honcu, Spielertrainer Heiner-Rollis
„Der Sport ist mir unheimlich wichtig, weil er bringt mir sehr viel auch mit meiner Krankheit. Ich habe MS, Multiple Sklerose. Bei mir sind die Spastiken überwiegend die Beine betroffen. Und durch den Sport konnte ich schon viele Medikamente absetzen. Also für mich hat der Sport nur Vorteile.“
Vorteile bringt der Sport auch für Außenspielerin Rita Klemens. Die 64-Jährige hatte vor drei Jahren einen schweren Motorradunfall.
Rita Klemens, 64 Jahre alt
„Vor allem Waden und Schienbein, die waren dermaßen zertrümmert, ja das war kurz vor der Amputation. Ich habe nicht mal gedacht, dass ich mit der rechten Hand schreiben kann, weil eigentlich alles kaputt war aber ja ich habe mich dann zurückgekämpft ins Leben und da habe ich meine Liebe zum Rollstuhl entdeckt. Ja, wenn man mich nicht Motorrad fahren lässt, dann fahre ich halt mit dem Rolli rum. Teilweise bis zu zwölf Kilometer am Tag, weil ein bisschen Sport muss ja sein.“
Jetzt fährt sie wieder Motorrad. Der Sport habe ihr dabei geholfen, wieder aktiv zu werden.
Rita Klemens, Rollstuhlhandballspielerin
„Ich habe gemerkt, dass meine Hand und meine Schulter besser wird. Auch durch die Bewegung, weil man gar nicht so drauf achtet, wie in der Physio, wo einer irgendwo einen rumzerrt. Hier machst du einfach zack und schießt und dann geht das so und da habe ich schon gemerkt, dass es schon besser geworden ist.“
Mitmachen kann hier jeder. Rollstuhlhandball ist inklusiv. Manche hier sind gar nicht auf einen Rollstuhl angewiesen und spielen trotzdem mit.
Olga Nazarova, Heiner-Rollis
„Weil ich finde, dass unsere Gesellschaft immer noch nicht so weit ist, was den Inklusionsgedanken betrifft. Und ich möchte das gerne unterstützen. Deswegen habe ich gedacht, das Einzige was du machen kannst, ist es, das selbst zu leben. Deswegen mache ich das.“
Die Heiner-Rollis haben sich frisch für die Bundesliga qualifiziert. Der erste Spieltag in Hannover vor einer Woche lief zwar weniger erfolgreich, doch weitermachen wollen die 16 Darmstädter auf jeden Fall.
