Kinderbuch-Ausstellung in Offenbach
Der aktuelle Zeitgeist. Was genau soll das eigentlich sein? Wer das wissen will, kann einfach ein Kinderbuch aufschlagen. Denn dort ist er ganz sicher zu finden. Wie soll Kindererziehung aussehen? Welche Themen beschäftigen unsere Gesellschaft und welche Werte wollen wir unseren Kindern vermitteln? All das verändert sich. Der Blick in die Kinderbücher verrät, was sich in den letzten Jahrzehnten getan hat. Ein Beispiel: die Rollenverteilung in der Familie.
Dr. Dorothee Ader, Museumsleiterin
„Also dass die Mama immer zuhause ist und den Haushalt regelt und der Papa ist nicht da. Das hat sich im Kinderbuch total verändert. Also es gibt viele, viele Kinderbücher, in denen der Papa eine große Rolle spielt, in denen die Mutter berufstätig ist. In denen die Eltern vielleicht getrennt sind und Patchwork-Familien auftauchen.“
Ein berühmter Kinderbuchautor ist Janosch. Seine Bücher und Figuren begeistern ganze Generationen von Kindern. Trotzdem: Auch ein Blick in sein Werk verrät, welche Rollenbilder Ende der 70er Jahre vermittelt werden. Vorhang auf für Anton und Adele:
Dr. Dorothee Ader, Museumsleiterin
„Also Anton kann lauter produktive, wilde Sachen. Wie zum Beispiel ‚boxen‘ oder ‚Eimer tragen‘ oder ‚Drachen bauen‘ oder ‚Fritz verprügeln‘. Und Adele ist natürlich die brave, die manchmal auch ein bisschen bescheuerte Sachen macht, wie ‚Christian küssen‘, ‚ganz dumm einen Knicks machen‘, ‚Engelchen spielen‘ oder ‚Frieden stiften‘.“
Ein paar Jahre zuvor, im Jahr 1971: Deutschland diskutiert über die Atomkraft. Kernkraftwerke sollen die Stromproduktion revolutionieren. Die Risiken? Kein Thema.
Stephanie Ehret-Pohl
„In diesem Buch ist es so, dass die Funktionsweise eines Kernkraftwerkes gut erzählt wird. Allerdings stammt es aus einer Zeit, wo die Gefahren uns noch nicht so bewusst waren. Und hier wird eher so geschildert: ‚Ja, es gibt Kontrollmechanismen, mit denen man gut umgehen kann‘. Und heutzutage würde man das Buch so nicht mehr machen.“
Dass das Leben hart sein kann, bleibt auch Kindern nicht verborgen. Und so finden auch schwere Themen ihren Weg in die Kinderbücher. Wie im Buch „Akim rennt“.
Dr. Dorothee Ader, Museumsleiterin
„Das ist ein Buch, das sich mit Krieg und Flucht beschäftigt. Also mit einem Thema, das erstmal schwergängig erscheint und von dem wir das Gefühl haben, dass es Kinder vielleicht nicht belasten sollte. Aber ein Kinderbuch bietet natürlich auch die Chance, solche schwierigen Themen aufzuarbeiten und Kindern verständlich zu machen.“
Immerhin: Akims Geschichte geht gut aus. Ob dramatisch oder leicht, lustig oder ernst: Kinderbücher sind kleine Kunstwerke, auch wegen der teilweise aufwendigen Illustrationen. Wer sich selbst davon überzeugen möchte, kann noch bis zum 15. März vorbeischauen.









