Tausende Asylbewerber aus Aufnahmeeinrichtungen verschwunden
Die Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende, kurz AfA, in Trier. Insgesamt 10.120 Menschen wurden hier und in den anderen fünf Einrichtungen des Landes in den vergangenen eineinhalb Jahren aufgenommen. Doch fast jeder Zehnte ist mittlerweile verschwunden. 923 Menschen werden als „abgängig“ bezeichnet. Heißt: Sie sind einfach weg.
Asylbewerber dürfen die Aufnahmeeinrichtungen für kurze Zeit verlassen, müssen dafür aber ihren Hausausweis an der Pforte abgeben.
Fehlt ein Flüchtling länger als drei Tage, dann wird das den zuständigen Behörden gemeldet. 923-mal musste diese Meldung in den vergangenen eineinhalb Jahren in Rheinland-Pfalz also gemacht werden.
In Hessen ist die Zahl der verschwundenen Asylbewerber noch höher. Hier sind im gleichen Zeitraum 1.763 Menschen verschwunden.
Beim hessischen Integrationsministerium erhalten wir auf unsere Interviewanfrage eine Absage. Ministerin Heike Hofmann hätte zu viele andere Verpflichtungen. Unsere Fragen beantwortet man nur schriftlich.
Heike Hofmann (SPD), Integrationsministerin Hessen
„Sollte es zu unbegründeten Abwesenheiten von über 72 Stunden kommen, hat das unmittelbare Konsequenzen auf den Leistungsbezug und kann auch das Asylverfahren beeinflussen.“
Nicht „kann“, sondern „muss“, sagt die FDP-Fraktion in Rheinland-Pfalz. Und damit schaltet der kleinste Koalitionspartner der Ampelregierung in den Angriffsmodus.
Steven Wink (FDP), Fraktionsvorsitzender Landtag RLP
„Wer nach drei Tagen abgängig ist, der hat die Mitwirkungspflichten zu seinem Asylverfahren selbstständig beendet. Die Folge heraus ist dann eigentlich die Ablehnung des Asylantrags, die Streichung von Geld- und Sachleistungen und somit dann rechtsstaatlich gesehen die Abschiebung.“
Heftige Kritik an der Politik der Landesregierung kommt von der Opposition.
Die größte Oppositionspartei, die CDU, sagt: Rheinland-Pfalz verliere „den Überblick über die Asylbewerber“ im Land.
Die AfD spricht von „chaotischen Verhältnissen und anhaltendem Kontrollverlust“.
Und für die Freien Wähler steht fest: Jeder verschwundene Asylbewerber sei „einer zu viel“ und „ein potenzielles Sicherheitsrisiko“









